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Steigende Konzertticket-Preise wegen anstehender GEMA-Gebührenerhöhung befürchtet

Steigende Konzertticket-Preise wegen anstehender GEMA-Gebührenerhöhung befürchtet

Noch eine reichliche Woche, dann bricht ein neues Konzertjahr an. Für die Veranstalter bedeutet dies nicht nur Vorfreude auf viele Höhepunkte und hoffentlich hohe Einnahmen, sondern ihnen steht auch die alljährliche GEMA-Gebührenerhöhung ins Haus.

Die deutsche Live-Entertainment-Branche, die pro Jahr über 100 Millionen Tickets verkauft und damit einen Umsatz jenseits der Drei-Milliarden-Euro-Marke erwirtschaftet, muss ab Januar wieder einen halben Prozentpunkt mehr Gebühren entrichten - und wird sich dieses Minus natürlich von den Konzertbesuchern zurückholen.

"Wir legen die GEMA-Erhöhung 1:1 auf das Publikum um. Uns bleibt ja nichts anderes übrig", erklärt Burkhard Zahlmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Konzertveranstalters. Er könne sich nicht vorstellen, "dass der Kulturpalast auf Mietkosten oder die Künstler auf einen Teil der Gage verzichten", nur damit den Gästen die jährlichen GEMA-Mehrkosten erspart bleiben. "Die Frage ist bloß, ob das etwas bringt. Verteuern sich die Tickets durch die Gebührenerhöhung, kommen weniger Besucher. Davon hat doch auch niemand was", sagt Konzertveranstalter Andreas Grosse.

Vor zwei Jahren hatten die beiden großen Veranstalterverbände VDKD und idkv, in denen nach eigenen Angaben rund 500 Agenturen, Tournee- und Konzertveranstalter zusammengeschlossen sind, ihren Streit mit der GEMA, der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, beigelegt. Beide Seiten vereinbarten im Dezember 2009 einen Tarifvertrag. Danach werden bei Veranstaltungen bis 2000 Besucher seit 2010 drei Prozent Abgaben erhoben. Die Gebühren steigern sich in Schritten von 0,5 Prozentpunkten bis zum Jahr 2014 auf fünf Prozent. Im Jahr 2012 sind demzufolge glatte vier Prozent zu entrichten.

Für Carsten Becker vom Beatpol in Briesnitz "ist das ein ganz guter Deal." In der Zeit vor der Tarifeinigung sei wesentlich mehr zu zahlen gewesen. "Wenn wenig Besucher zum Konzert kommen, ist auch weniger an Gebühren zu entrichten", so Becker. Nach einem speziellen Schlüssel wird die genaue Summe je nach Quadratmeter- und Besucherzahl pro Veranstaltung ermittelt. Zur Entwicklung der Beatpol-Ticketpreise im kommenden Jahr wollte Becker keine Angaben machen.

Weniger begeistert von der Regelung ist der Betreiber des Alten Schlachthofs, die Bernd Aust Kulturmanagement GmbH. "Natürlich müssen wir jährlich die Eintrittspreise anpassen", sagt Rodney Aust, Sohn des Firmengründers. Dabei falle die Gebühr wesentlich geringer aus als von der GEMA ursprünglich angestrebt, "aber sie ist immer noch sehr hoch". Gerade für kleinere Clubs sei das mitunter schwierig, "denn es ist schon ein erheblicher Unterschied, ob man 3500 oder 9000 Euro an die GEMA zahlen muss". Und Burkhard Zahlmann schimpft: "Das ist bedauerlich, diese horrenden Summen sind mit nichts zu rechtfertigen."

Dass es auch anders geht, zeige das Beispiel England. "Dort agiert man mit 1,5 Prozent vom Umsatz und trotzdem sind alle glücklich", wundert sich Rodney Aust. Er habe auf der einen Seite Verständnis für die Gebühr, hätte sich aber "eine nicht zuletzt auch besucherfreundlichere Lösung" vorgestellt. Doch hinzu kommen auch noch andere Dinge: Künstlergagen und Werbekosten steigen ebenfalls. "Auch Mindestlöhne und Strom spielen da mit rein", ergänzt Burkhard Zahlmann. Dies summiere sich schon zu einem größeren Einschnitt. "Man muss aber auch keine Panik betreiben. Eine Eintrittskarte für Rammstein, die dieses Jahr 70 Euro gekostet hat, wird nächstes Jahr deshalb nicht gleich 90 Euro kosten."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.12.2011

Stefan Schramm

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