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Steffi Sahre stellt doppelt aus: im Schloss Reinhardtsgrimma und im Kulturhaus Loschwitz

Steffi Sahre stellt doppelt aus: im Schloss Reinhardtsgrimma und im Kulturhaus Loschwitz

Die junge Leipziger Künstlerin Steffi Sahre überrascht mit außergewöhnlichen Konstellationen. Sie schöpft einerseits aus dem Fundus der Literatur, wie Thomas Manns "Tod in Venedig", Dostojewskis "Idiot" und Stefan Zweigs "Marie-Antoinette", andererseits lässt sie der Entwicklung von Motiven freien Lauf.

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Steffi Sahre: Marie Antoinette, Ätzradierung mit Kaltnadel auf Büttenpapier, 2010. Repro: Sahre

Es bereitet gleichwohl ästhetisches als auch intellektuelles Vergnügen, diesen frischen, artifiziell ausgefeilten Arbeiten gegenüber zu treten, zumal immer wieder auch ein leises Lächeln provoziert wird.

Die gebürtige Dresdnerin hat nach Aufenthalten in den USA und Kanada im März 2009 die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig mit Diplomabschluss bei Ulrich Hachulla absolviert. Bei ihm als langjährigem Leiter der Grafikklasse erwarb Steffi Sahre ein breites Spektrum druckgrafischer Fertigkeiten: Neben der streng linearen Ätzung lotet sie die Möglichkeiten und Grenzen von Kaltnadel, von Aquatinta und Reservage aus, wie auch des farbigen Mehrplattendrucks oder fast vergessener alter Techniken wie Vernis mou. Die Blätter zum "Tod in Venedig" entstanden noch während der Diplomzeit, die zu Dostojewskis "Idiot" kurz darauf. Vielfältig und feinfühlig deutet sie die komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungsebenen grafisch an. Zugleich beweist sie, dass es ihr nicht um simple Schwarzweiß-Malerei geht, sondern um die Komplexität menschlicher Charaktere mit ihren hellen und dunklen Seiten, Widersprüchen und Facetten, so dass nie ein schnelles, einseitiges Bild entsteht.

Auch bei den historisch-literarischen Gestalten von Louis XVI. und Marie-Antoinette bemüht sich Steffi Sahre um differenzierte Charakterstudien, nähert sich ihnen aber mit leichter Hand. Sie experimentiert mit der Materialwirkung feiner Gaze, die sich stellenweise aufzudröseln beginnt, dass allein dadurch schon ein Signal für die Überlebtheit der Zeitumstände entsteht, ohne kopflastige Episoden anführen zu müssen. Die Künstlerin strebt nicht nach Porträtgenauigkeit, sie zeigt allgemein-menschliche Wesenszüge.

Von ambivalenten Regungen, den "zwei Seelen, ach, in einer Brust", werden auch ihre malerischen Mischtechniken spannungsvoll aufgeladen. Groß, farbgewaltig und expressiv - fast fühlt man sich überrollt von einer "Liebeserklärung" eines ungleichen Paares in großem Format. Feingliedrig, fast körperlos tritt hingegen der Traumfänger aus dem Bildgrund, der stelzbeinige Gespenster lockt.

Steffi Sahre findet ihre Motive nicht vor der Natur und nicht vorm Modell. Sie beginnt ihre Arbeiten mit dem Setzen abstrakter farbiger Flächen, Kontraste und Collage-Elemente, aus denen sich allmählich Bilder entwickeln. Erst von einem gewissen Punkt an sucht sie den Prozess zum Gegenständlichen und Figürlichen hin zu vollenden. Angefangene Arbeiten lässt sie mitunter stehen und wendet sich älteren zu. Später folgen oft mehrschichtige Übermalungen, deckend oder teilweise lasierend in Acryl-, Gouache oder Aquarellfarbe, die immer wieder auch durch Zeitungs-, Seiden- oder Packpapierauflagen, durch Reiß- und Knitterspuren unterbrochen, akzentuiert und verfremdet werden, bis auf einmal eine Figur herausschaut.

Immer wieder ist bei ihr solch unreglementiertes Vorgehen zu beobachten, sowohl in den kleineren Formaten, bei einem anfangs aquarellierten "Meeting", dessen kaffee-farbene Teilnehmer schließlich mit Tusche Kontur verliehen bekamen, oder beim größeren "Gnom", der seine Nase buchstäblich aus den Papierfetzen heraussteckt, um sich zu finden, während ihm ein Notenblatt aus dem Mund quillt.

Steffi Sahre, die im vergangenen Jahr Preisträgerin des Leipziger Grafikbörse e.V. "artist in residence" war, nähert sich spielerisch den undefinierten Seiten der menschlichen Seele. Etwas rätselhaft Unaufgelöstes, das man im Innersten zu kennen glaubt, macht den besonderen Reiz ihrer Arbeiten aus.

Jördis Lademann

Schloss Reinhardtsgrimma: "Traumfänger", bis 2. März, geöffnet Mo-Do 7.30-16, Fr 7.30-14 Uhr

Kultur- und Buchhaus Loschwitz, Friedrich-Wieck-Str. 6: "Grafik zu Weltliteratur", bis 10. März, geöffnet Di-Fr 10-18, Sa 10-14, So 11-16 Uhr, Finissage 10. März, Tel. (0351) 2666655

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2012

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