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Staubig-erfrischende Reflektion - Howe Gelb vereinnahmt im Jazzclub Tonne als verspielter Grummler

Staubig-erfrischende Reflektion - Howe Gelb vereinnahmt im Jazzclub Tonne als verspielter Grummler

Darauf muss man sich erstmal einlassen: Oben das "Tor!"-Gebrülle, der nasse Rasen, die quietschbunten Sommerhits und die allgemeine Hektik noch dazu, unten im Keller dagegen Hitze, aber in staubtrockener Entschleunigung und ironisch-transzendierender Läuterung mit Fender-Rhodes, Pedal Steel, Hüten aus der Mottenkiste und scheinbar zufällig entstandenen Songs aus der Wüste Arizonas, mit deren Zeilen sich sowohl Fliegen an der Wand erschlagen als auch philosophische und absurde Gedankengänge ausbrüten lassen.

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Howe Gelb mit Hut.

Quelle: Dietrich Flechtner

Zu viel Sonne abbekommen. Howe Gelb kennt und hat das Problem. Wenn der alte Hut den Schweiß nicht mehr absorbiert, taucht er zur Zugabe mit einem Basecap auf: "Good luck suckers, I am on my way." Wichtig ist nur, dass sein genialer Kopf geschützt ist; das meine ich ganz ernst.

Trotz der für die Stehenden in der rappelvollen Tonne etwas unbefriedigenden Sichtachsensituation ist Gelbs Gig anlässlich seines aktuellen Albums "The Coincidentalist" vom ersten Akkord an ein Feinschmeckervergnügen. Nicht, dass man nicht auch auf Support und Band-Mitglied Gabriel Sullivan gleich große Stücke halten würde, doch das feine Spiel mit der ironischen Reflektion beherrscht Gelb einfach zu gut, verbindet seine solide trödelnden und doch immer auch gleichzeitig am Horizont schnuppernden, sandigen Songs mit rumpelndem Inventar und durchaus auch zu spontanem Krimskrams mutierten Jazz-Standard-Zitaten zu einem delektablen Panoptikum seiner spröden Ichs, die mal schmunzelnd den Raum öffnen für standortbestimmende Songs wie "Where the wind turns the skin into leather" oder ganz nebenbei eine flotte Giant-Sand-Nummer ("Shiver") aus dem Ärmel zaubern oder einen noch so trocken knarzenden Walzer mit zwei gefühlt zufälligen Tastenanschlägen auf dem Klavier hübsch ausklingen lassen. In der zumeist fülligen Wärme dieser Arrangements mit der wunderlichen und zugleich wunderbaren Maggie Björklund (Giant Sand) an der Steel und Sullivan wechselnd an Gitarre und Schlagzeug, reagiert der Raum nicht selten wie ein einziger Resonanzkörper und -verstärker.

Staunen nicht nur gen Ende der beinahe zwei Stunden, wenn Gelb in vorsichtig erblühender Uptempo-Laune innerhalb weniger Takte vom Standard zum Bluesrock zum ansatzweise lärmig-trockenen Indierockgeschepper changiert bzw. vermengt, als käme das alles aus der selben Kiste dreckigen Sands.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.06.2014

Niklas Sommer

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