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Start zum 250. Jubiläum der Kunstakademie Dresden - Ausstellung "geradezu momentan" eröffnet

Start zum 250. Jubiläum der Kunstakademie Dresden - Ausstellung "geradezu momentan" eröffnet

Zuerst eine Empfehlung: Die Ausstellung "geradezu momentan" zum 250. Jubiläum der Dresdner Kunstakademie sollte man ausgestattet mit dem vorliegenden Flyer durchwandern.

Ohne wird man möglicherweise auch seine Freude haben. Aber ob man dann der - nach Aussage von Matthias Flügge, Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden, sowie der Kuratoren Susanne Greinke und Dietmar Rübel - als "Essay" angelegten Schau durchgehend folgen kann, ist nicht sicher.

Zunächst kommt man angesichts des Präsentierten über diesen Start ins Jubiläumsprogramm ins Staunen, wird doch auch visuell - natürlich im "großen Bogen" - der Zeitraum von der Gründung am 6. Februar 1764 bis etwa 1990 abgehandelt. Zu den Klippen eines solchen Unterfangens gehört ganz gewiss die Frage: Was zeigt man, was nicht, wen bezieht man ein, wen lässt man weg? Was zu sehen ist, kann nur als beispielhaft verstanden werden. Worauf die Macher von "geradezu momentan" beim gestrigen Pressetermin ebenfalls hinwiesen: Die Schau sei "nicht aus der Sicht der großen Namen konzipiert". Die fänden sich, wenn überhaupt, mit eher unauffälligen Arbeiten (etwa Gerhard Richter mit einem Blatt aus den 1950ern).

Dies wiederum geht mit jener Position der Kuratoren zusammen, "geradezu momentan" aus der Sicht der Entwicklung der Lehre anzulegen, "dem Prozess der Schaffung der Voraussetzungen künstlerischen Tuns und ihrer Veränderungen" (Flügge). Ziel war keine "Museumsausstellung", was das Stützen auf viel eigenes Material aus Kustodie und anatomischer Sammlung einschließt. Gleichwohl kommt man ohne Leihgaben nicht aus. "Konterkariert" wird das Ganze durch Interventionen heute Studierender. So gibt es im Raum unter der "Zitronenpresse" Einbauten, die etwa Linien des einstigen Sternparketts aufnehmen (Marten Schech).

Die Kapitel von "geradezu momentan" folgen der Raumstruktur, beginnend in der Loggia des Pentagon Süd, wo man auf die von Prinz Xaver, Herzog zu Sachsen, unterzeichnete Gründungsurkunde stößt. Das ausgehende 18. und das lange 19. Jahrhundert - für letzteres steht ein mit Ton ausgefüllter Tunnel, durch den sich vor wenigen Tagen Alex Gehrke hindurcharbeitete - wird besonders anhand dreier Aspekte beleuchtet. Dazu gehört die Tradition der Dresdner Landschaftsmalerei, die, den "großen Namen" Caspar David Friedrich umgehend, etwa an Blättern von Zingg, Carl August und Adrian Ludwig Richter sichtbar wird. Eher überraschend ist: In dieser frühen Zeit - Studentinnen wurden erst nach der Revolution von 1918 zugelassen - wirkten in der Akademie und ihrem Umfeld einige Frauen, darunter die braunschweigische Hofmalerin Rosina de Gasc, von der im reproduzierenden Lichtkasten ein programmatisches Selbstbildnis zu sehen ist. Schließlich fällt in diesen Abschnitt die (unvollendete) bürgerliche Revolution von 1848/49, für deren Dresdner Barrikaden Semper als Bauherr fungierte. Sein Steckbrief findet sich auch hier.

Im Oktogon selbst geht es u.a. um die Dresdner Bildhauerschule, die sich unter dem Einfluss Winckelmanns und dessen Auseinandersetzung mit der Antike herausbildete. Entgegen Winckelmann vermittelten Semper und Treu entschieden den Umstand, dass die antike Plastik farbig gefasst war. Die Bildhauer selbst reagierten unterschiedlich: Ernst Rietschel sowie seine Nachfolger repräsentierten die auf dem Weiß des Marmors bestehende Strömung, andere experimentierten mit der Polychromie, wie Beispiele in der Ausstellung zeigen.

Nicht nur, aber auch im Oktogon, wird zudem an die bereits von Giovanni Casanova initiierte Anatomiesammlung erinnert sowie die Anfänge der Vermittlung der Fotografie, wofür Hermann Krone Lehrtafeln erarbeitet. Interessant ist, dass etwa die von Casanova angeschafften Bänderskelette immer wieder in Kunstwerken auftauchen, so in Kestings Fotoserie "Der Tod von Dresden" (im östlichen Pentagon). Andererseits wird besonders in der lebensreformerischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Körper gehuldigt, wofür Sascha Schneiders Grafik-Mappe "Kallisthenie" ein Beleg ist.

Die widerstreitenden Tendenzen an der Akademie werden besonders in der einstigen Bibliothek sichtbar. Ihr konservativer Pol war schon früh Richard Müller, der zu einem Vorreiter des Kampfes gegen die "entartete" Kunst wurde. Seinen Gipfel erreichte dieser in der im April 1933 durch Müller veranlassten Entlassung von Otto Dix und der von ihm zumindest unterstützten, deutschlandweit ersten Ausstellung "entarteter" Kunst 1933 im Dresdner Rathaus. Die Ablehnung, die Dix 1933 prominent traf, galt Jahre zuvor schon Kokoschka und ebenso jungen Künstlern wie Lachnit oder Grundig.

Das letzte Ausstellungskapitel im Pentagon Ost umspannt die Zeit vom Neubeginn 1945 bis etwa 1990. Ist der Neubeginn an Werken von Rudolph, Kesting, Grundig, Lachnit sichtbar, so werden die frühen, vom Formalismusvorwurf befeuerten Auseinandersetzungen an der Hochschule besonders an Mart Stam, dem kurzzeitigen, dem Bauhausgedanken anhängenden Rektor, festgemacht. Die nachfolgende Generation wird vor allem an jenen abgehandelt, die in ihren Arbeiten versuchten, einer an internationalen Maßstäben orientierten Auffassung gerecht zu werden, darunter etwa Jürgen Böttcher/Strawalde, Metzkes und der externe Penck. Den Schlusspunkt setzen in hohem Maße in den 1980ern von Günter Hornig geförderte, in Fotografien und Künstlerbüchern präsente Performer wie Micha Brendel, Else Gabriel, Via Lewandowski, Rainer Görß.

Fazit: Es ist eine lebendige, teils überraschende, anregende Ausstellung mit einigen Schwächen. Sicher kann man sich im letzten Abschnitt darauf beschränken, die nach vorn weisenden Tendenzen an der Hochschule und in ihrem Umfeld besonders zu betonen. Etwas schwierig scheint aber, wenn andere, die wie Hornig Studenten vieles ermöglichten, etwa Johannes Heisig als Rektor oder Hubertus Giebe, gar nicht auftauchen. Vielleicht ist dafür ja in einer möglichen Ausstellung über die Jahre seit 1989 Platz.

Oktogon, 7. Februar bis 15. Juni, geöffnet Di-So 11-18 Uhr

Aus dem Programm

11. Februar bis 13. Januar 2015: Führungen durch die Anatomische Sammlung mit Prof. Ivo Mohrmann, Treffpunkt jeweils 17 Uhr Foyer Akademiegebäude Brühlsche Terrasse (nur mit Anmeldung unter jubilaeum@hfbk-dresden.de, max. 20 Personen, Teilnahmebeitrag 5 Euro)

12. Februar bis 10. Dezember: Führungen durch die Grafischen Werkstätten

24. April bis 19. Juli: Videoinstallation "log in" Netz Tagebuch - Kunst Student, ein Projekt der Klasse Deggeller, Bühnen- und Kostümbild Grundstudium, 2. Jahrgang

2. bis 5. Mai: Dresdner Anatomie, ein Kooperationsprojekt des Studiengangs Bühnen- und Kostümbild mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und der Hochschule für Musik und Theater Leipzig

Galerie Brühlsche Terrasse, 8. Mai bis 22. Juni: "Unter Famas Dach", Eröffnung der Ausstellung des Aufbaustudiengangs KunstTherapie

Motorenhalle Wachsbleichstraße, 15. bis 31. Mai: Ausstellung zum Abschluss des Projekts "Klassentausch" der HfBK Dresden und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Sächsische Landesärztekammer, 22. Mai bis 20. Juli: Ausstellung des Aufbaustudiengangs KunstTherapie anlässlich seines 20-jährigen Bestehens

Aktsaal Brühlsche Terrasse: 12. bis 13. Juni: "Die Geister, die ich rief...", Vorträge zu schillernde Persönlichkeiten der Hochschulgeschichte

Hörsaal G, Güntzstraße, 20. bis 22. Juni: "Decoratia in Futura", internationales Kolloquium zu Gegenwart und Zukunft des Theater-, Film- und Eventdesigns

Oktogon, 18. Juli bis 7. September: Diplomausstellung Bildende Kunst der HfBK Dresden

Güntzstraße, 19. Juli: Kostümschau und Sommerfest

Oktogon, Grünes Gewölbe, Albertinum, 23. Oktober bis 25. Januar 2015: "Ordnungen in Bewegung", dreiteilige Ausstellung der HfBK gemeinsam mit den Staatlichen Kunstsammlungen: der Künstler Mark Dion durchforscht die Depots der Institutionen

Güntzstraße, 26. bis 28. November: wissenschaftliche Tagung zur Anatomischen Sammlung

Residenzschloss Dresden, 16. bis 17. Januar 2015: "Curiosity 2.0: Die Wunderkammer in der zeitgenössischen Kunst", Symposium zum Abschluss der Ausstellung "Ordnungen in Bewegung"

iwww.hfbk-dresden.de/250/

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.02.2014

Lisa Werner-Art

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