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Start der Dance Company mit "The Primate Trilogy" in Hellerau

Start der Dance Company mit "The Primate Trilogy" in Hellerau

Nach dem Start der Dresden Frankfurt Dance Company mit ihrem ersten Stück "The Primate Trilogy" in Frankfurt war man gespannt, wie es in Dresden, im großen Saal des Festspielhauses in Hellerau, dem Europäischen Zentrum der Künste, weiter gehen würde.

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Expressiv: Guillaume Quéau, Michael Joshua Tucker, David Leonidas Thiel.

Quelle: Dominik Mentzos

Dresden. Sehr schnell wird klar: Jacopo Godani als künstlerischer Direktor und Choreograf, der in dieser Produktion auch für das Licht, die Bühne und das Kostümdesign verantwortlich ist, macht mit dieser in technischer Hinsicht glänzend aufgestellten Company sein Ding. Das ist keine neue Forsythe Company, obwohl nicht zu übersehen ist, dass Godani sehr viel vom Meister gelernt hat, in dessen Ballett an der Frankfurter Oper er fast zehn Jahre als Solist getanzt hat, bevor er sich endgültig als Choreograf auf den Weg machte. Dass er mit seinen 15 Tänzerinnen und Tänzern auf dem Weg ist und das Experiment nicht scheut, wenn es darum geht, die tänzerischen Möglichkeiten auszureizen und immer neue Kombinationen von Schritten und Haltungen zu erforschen, spürt man sofort. Und man dürfte auch spüren, dass es spannend sein könnte, als Publikum mitzugehen. Godani geht ja auch auf das Publikum zu. Dabei scheut er sich nicht, auch einige Schritte zurück zu gehen, aufzunehmen, was er aus seinen eigenen Tanzerfahrungen mitgenommen hat, was er davon nicht aufgeben möchte, und was er jetzt in bisweilen recht eigenständigen Variationen seinen Tänzerinnen und Tänzern mit auf den Weg gibt.

Hier könnte etwas im Entstehen sein, dazu gehört das Experiment ebenso wie die Besinnung auf das sichere Repertoire der neoklassischen Formen und das erneute Ausreizen längst nicht überholter Formen, wie etwa dem Spitzentanz und den Versuchen, diesen als eine von vielen Varianten zeitgenössischer Erforschung tänzerischer Ausdrucksmöglichkeiten zu integrieren.

In der Art und Weise, wie dann im Verlauf von gut 70 Minuten die Rückbesinnung und die Momente des Aufbruchs korrespondieren, auch unvermittelt nebeneinander stehen, gelingt es, sowohl spannende, als auch verblüffende Passagen zu kreieren.

Es werden Varianten tänzerischer Korrespondenzen angeboten, da sind immer wieder kurze Soli, Duette, die am stärksten an Forsythe erinnern, dann aber auch immer wieder die ganze Gruppe in suchenden Bildern der Bewegung, die selbst in der Zuschauerwahrnehmung konstruktive Verunsicherung erzeugen können.

Mitunter hat man den Eindruck, was auch von der Choreografie des Lichtes unterstützt wird, man erlebe wie von Blitzlichtern erhellte Momente, Andeutungen, Anregungen, um gleich darauf im grundsätzlich wechselnden Licht und damit einhergehenden räumlichen und perspektivischen Veränderungen die große Gruppe wahrzunehmen, wie sich Vereinzelungen auflösen und dennoch kein Ende des Suchens in Sicht ist.

Da kann es geschehen, dass ein Tänzer scheinbar die Bühne verlässt, um sofort zurückzukehren, sich zu den anderen zu verhalten und dennoch das Geschehen wieder zu verlassen. Das sind Momente der Brüchigkeit, hier sollen keine abschließenden Ausrufungszeichen gesetzt werden. Hier bekennt sich eine Company zu den Zeichen der Verunsicherung, und gerade daraus erwächst oftmals genau jene Kraft, die den Blick der Zuschauer bannt.

Im Vergleich zur Frankfurter Aufführung wirkt die Choreografie in Dresden homogener, organischer vollziehen sich die Wechsel, das Miteinander der Tänzerinnen und Tänzer verstärkt die kraftvolle Wirkung der Company. Dabei verdeckt dieses Zusammenwirken keinesfalls einen wesentlichen Aspekt der Stärke des Ensembles: die individuelle Ausstrahlung ihrer Mitglieder.

Von besonderer Bedeutung ist für den Choreografen die Führung der Arme hin zu expressiv geforderten Haltungen der Hände. Man gewinnt den Eindruck, die Tänzer weisen über die natürlichen Grenzen ihrer Körperlichkeit zeichenhaft hinaus. Spannend sind die wahrzunehmenden Wechsel von fließenden Linien der Bewegung zu harten Zeichen des Ausdrucks, vor zartem Miteinander und bitterer Konkurrenz.

Die drei Teile des Stückes gehen ineinander über, wahrnehmbar ist dies am ehesten durch den Wechsel der Kostüme, deren Durchsichtigkeit zunächst die Körper schutzlos erscheinen lässt, dann in stärkerem Maße die zu Markte getragene Haut verhüllt, um letztlich in angedeuteter Gleichheit bei Tänzerinnen und Tänzern den Hauch einer optischen Vision menschlicher Gleichberechtigung anklingen zu lassen.

Der elektronische Sound von Ulrich Müller und Siegfried Rössert, "48nord", vermag nicht immer zu überzeugen, am wenigsten dann, wenn er zu stark Thrillerspannung à la Hollywood zu suggerieren scheint. Allerdings dürfte der Eindruck nicht täuschen, dass die Tonregie in Hellerau da wesentlich durch sensibler auf den Raum abgestimmte Klangvolumen dazu beiträgt, Klang und Bewegung besser korrespondieren zu lassen.

Der Anfang ist gemacht, und er begründet nicht geringe Hoffnungen auf die weitere Entwicklung der Dresden Frankfurt Dance Company mit neuen Kopf Jacopo Godani.

nächste Aufführungen: 24., 25., 28., 29., 30., 31.10.; 1.11.

www.hellerau.org www.dresdenfrankfurtdancecompany.de

Boris Gruhl

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