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Stark und konzentriert - Musik in der Dresdner Schlosskapelle

Stark und konzentriert - Musik in der Dresdner Schlosskapelle

Die Musik des Dresdner Hofes am Ort ihrer epochalen Entfaltung in Renaissance und Barock neu erklingen zu lassen, ist länger schon Ziel der Konzertreihe "Konzerte in der Schlosskapelle".

Seit die rekonstruierte Kapelle als Rohbau im letzten Jahr wieder für Konzerte nutzbar wurde, konnte die vom Verein "Dresdner Hofmusik" initiierte Reihe an den historischen Ort zurückkehren. Und mittlerweile trägt die einst vom Dresdner Musikwissenschaftler Wolfram Steude (1931-2006) angeregte musikalische Nutzung des Raumes weitere Früchte: Die Zusammenarbeit mit den Staatlichen Kunstsammlungen ist vertraglich fixiert und auch bei der Direktion des Schlosses hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Museen hier ein Pfund haben, mit dem sich wuchern lässt.

Die Freude über den Beginn kontinuierlicher musikalischer Veranstaltungen war Schlossdirektor Dirk Syndram anzumerken, als er die Besucher des Passionskonzertes der Cappella Sagittariana begrüßte. Die Bedeutung der Schlosskapelle, deren Wiedererstehen spannende Beobachtungen bot und bietet, wird inzwischen bei den Kunstsammlungen sehr bewusst wahrgenommen: Syndrams kurzer Hinweis darauf, dass Heinrich Schütz vor den Fenstern noch nicht die barocke Hofkirche sah, spricht für die Beschäftigung mit diesem Ort.

Mit der erneuten Aufführung von Marco Giuseppe Perandas Markuspassion begab sich die Cappella Sagittariana unter Leitung von Norbert Schuster auf sicheres Terrain. Zumindest was diese a-cappella-Komposition und ihre schlüssige Verbindung mit Stücken zur Passionszeit von Perandas Zeitgenossen betraf. Im Kontext zur Musik derer, denen Peranda im Amt des Hofkapellmeisters begegnete, ergab sich eine noch intensivere inhaltliche Gewichtung. Die äußeren Umstände des aktuellen Konzerts waren jedoch andere, als vor einem Jahr in der Dreikönigskirche. Die Akustik der Schlosskapelle, die sich dank der Aufstellung des Ensembles an der Längsseite als ausgesprochen tragend und gut verständlich erwies, beschönigt nichts und verlangt von den Mitwirkenden größte Sicherheit. Bemerkenswert war da, wie Michael Schaffrath (Tenor) die Partie des Evangelisten zu gestalten verstand, ohne stimmliche Anspannung einen Spannungsbogen über dem gesamte Stück hielt und dabei sehr differenziert und reif erzählte.

Einen energischen, bewusst handelnden Jesus konnte Matthias Lutze (Bass) als Gegenüber verkörpern, Heidi-Maria Taubert und Maria Skiba (Sopran), Beat Duddek (Altus) und Friedemann Klos (Bass) gaben dazu den Chören eine beachtliche Kraft. Beat Duddek charakterisierte Judas eindeutig, verlieh aber daneben den geistlichen Konzerten von Schütz, Bernhard, Schein und Seidel dieselbe gesangliche Klarheit und aussagekräftige Konzentration, die ihnen auch die beiden Sopranistinnen beimaßen.

Und mit immer neuen Klangfarben konnten die Instrumentalisten einen wunderbaren Eindruck davon vermitteln, mit welchem Nuancenreichtum und welcher Intimität zu den Gottesdiensten in der Schlosskapelle vor über 300 Jahren musiziert worden sein dürfte. Im Jahr 1668 erklang Perandas Markuspassion erstmals in der Dresdner Schlosskapelle. Nun könnte diese Musik hier wieder ihren festen Platz erhalten; die Qualität dieses Konzerts war die beste Werbung dafür.

Das nächste Konzert in der Schlosskapelle: 16. Mai, 20 Uhr: "Zu den Quellen". Alte Musik von Vivaldi, Telemann u.a. neu erschlossen. Mitglieder des Jugendsinfonieorchesters am Schütz-Konservatorium und der Dresdner Philharmonie. In Kooperation mit dem Dresdner Hofmusik e.V.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.04.2014

Hartmut Schütz

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