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Städtische Museen Dresden verzeichnen gegen den Trend ein Besucherplus

Die Hoffnung stirbt zuletzt Städtische Museen Dresden verzeichnen gegen den Trend ein Besucherplus

Loslegen möchten die 68 Mitarbeiter der Museen der Stadt Dresden, haben sie doch reichlich Zeit und Mühen investiert, um Dresdner wie Touristen mit einem Reigen an Ausstellungen zu einem Besuch zu animieren. Aber: Man weiß nicht, ob die geplanten Ausstellungen überhaupt stattfinden können.

Dresden. „Jetzt geht’s los. Jetzt geht’s los!“ wird schon mal gern im freudig erregten Zustand und auch sonst auf Wolke Sieben schwebend angestimmt, wenn es endlich losgeht, ob nun bei einem Fußballspiel oder der Reise in den Urlaub. Loslegen möchten auch die 68 Mitarbeiter der Museen der Stadt Dresden, haben sie doch reichlich Zeit und Mühen investiert, um Dresdner wie Touristen mit einem Reigen an Ausstellungen, dem „Kerngeschäft“, zu einem Besuch zu animieren. Aber, und hiermit die schlechte Nachricht an dieser Stelle vornweg: Man weiß nicht, ob die geplanten Ausstellungen überhaupt stattfinden können. Denn mit dem 1. Januar ist die 100-prozentige Aushaltsperre in Kraft, die der Finanzbürgermeister der Landeshauptstadt, Hartmut Vorjohann, für alle Ämter und Geschäftsbereiche sowie für die Eigenbetriebe und Beteiligungen verhängte. Es gibt einen zusätzlichen Mittelbedarf, insbesondere im Jugendamt für Hilfen zur Erziehung sowie im Eigenbetrieb Kindertagesstätten (DNN berichteten).

„Wir brauchen eine schnelle Entscheidung“, sagt Gisbert Porstmann, der Direktor der Städtischen Museen Dresden, der auch den Vertrauens- und Imageverlust bei all den Partnern fürchtet, mit denen er und seine Kollegen bei der Vorbereitung der insgesamt 18 für dieses Jahr geplanten Ausstellungen zusammengearbeitet hätten. Fallen die Ausstellungen ins Wasser, dann seien zwei Jahre des Planens umsonst gewesen. Und auch die bis dato eingesetzten Mittel seien weg. Alternative Finanzierungsmodelle? „Ohne Eigenmittel kann ich keine Drittmittel akquirieren“, sagt Porstmann, der auch wissen lässt, dass man 2015 eine halbe Million durch Ausstellungen erwirtschafteten. Wenn in zwei Wochen nicht geklärt sei, wie es weitergeht, „muss ich einen Großteil vor allem im zweiten Halbjahr absagen“, erklärte Porstmann. Das habe auch Auswirkungen auf für 2017 angedachte Projekte. „Forschen ist nicht in einer Woche gemacht.“

Nicht stattfinden kann dann die Ausstellung anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Stadtmuseums unter dem Motto „Wir erinnern uns“. Anhand vorher selten oder nie gezeigter Exponate will man eigentlich ab 3. Juni die wechselhafte Geschichte Dresdens vor Augen führen, Ausblicke auf Zeiten von Glanz und Niedergang, Zerstörung und Wiederaufbau gewähren. Zudem will man das Schicksal diverser Sammlungsbestände verfolgen. An sich ging man lang davon aus, dass 80 Prozent der alten Bestände 1945 vernichtet wurden. Aber hier und da tauchen Objekte auf, die Anlass zur Hoffnung geben, dass so manches doch nicht zerstört wurde. Die 35 Pokale und Gefäße der Elbfischer-Innung galten lange als Totalverlust, die Kisten im Keller des Rathauses, wo die Schätze eingelagert worden waren, waren jedenfalls verschwunden, nachdem die Russen das Gebäude 1946 wieder an die Deutschen übergeben hatten. 2002 und 2010 tauchten allerdings zur allgemeinen Überraschung zwei Pokale der Elbfischer-Innung auf, die umgehend vom Stadtmuseum (zurück-)gekauft wurden, wie Erika Eschebach mitteilte, die Direktorin des Stadtmuseums. Der Vollständigkeit halber: Mitte September stünde im Landhaus die Eröffnung einer Ausstellung über Dresdens Partnerstadt Breslau auf der Agenda, Ende November eine (Weihnachts-)Schau mit dem Titel „Winterfreuden in Dresden“.

In der Städtischen Galerie können nach Lage der Dinge auf alle Fälle noch Arbeiten auf Papier von Dieter Goltzsche gezeigt werden. Vermittelt werden soll, wie der gebürtige Dresdner sein Werk in Wechselspielen von Figuration und Abstraktion, von poetischer Assoziation und spielerischem Fabulieren entwickelte. In den Sternen steht hingegen, ob die für den Herbst geplante Retrospektive zu Hubertus Giebe stattfinden kann.

„Scenerie und Naturobjekt“ ist der Titel einer Ausstellung in den Technischen Sammlungen, in der Antarktisfotografien von Hans-Christian Schink und der Valdivia-Expedition 1898/99 präsentiert werden. Die erste deutsche Tiefseeexpedition, die der Zoologe und Meeresforscher Carl Chun (1852-1914) in den Jahren 1898/99 mit dem Forschungsschiff „Valdivia“ unternahm, führte über 32.000 Seemeilen auch in die Antarktis. Der international renommierte Fotograf Schink reiste 2010 in diesen polare Kühlkammer aus Eis und Schnee, um von seinem künstlerischen Standpunkt aus Aufnahmen der beeindruckenden Landschaften zu machen.

Mit der Ausstellung „Maschinen, Menschen, Sensationen“ gedachten dann die Technischen Sammlungen ab Ende Mai ihren 50. Geburtstag feiern. Was 1966 auf bescheidenen 300 Quadratmetern in der Dresdner Neustadt und dem Auftrag begann, das damals brandaktuelle Thema Elektronik zu popularisieren, avancierte zu einem großen und beim Publikum ungemein beliebten Technik- und Wissenschaftsmuseum im Ernemann-Bau.

Es gibt auch gute Nachrichten zu vermelden. In punkto Besucherzahlen schwimmen die Museen der Stadt Dresden gegen den Trend – was alle erfreuen sollte. Nach 170 000 Besuchern im Jahr 2014 zählten die Städtischen Museen im vergangenen Jahr rund 177 00, was im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von vier Prozent bedeutet. „Ein absolut hervorragendes Ergebnis freut sich Gisbert Porstmann, der Direktor der Städtischen Museen Dresden zufrieden. Anders als andere Kulturinstitutionen in Dresden ist also kein Besuchereinbruch zu vermelden. Seit 2011 haben die Besucherzahlen der städtischen Museen bei über 160 000 eingepegelt. Auch wenn wohl vermehrt Touristen unter den Gästen sind, in erster Linie werden die Einrichtungen von den Bürgern der Stadt aufgesucht.

Die meisten Besucher sind – auch dank vieler Schulklassen – für die Technischen Sammlungen in Striesen zu vermelden. Fast 86 000 fanden den Weg dorthin. Auf den Plätzen in der Zuschauergunst (bekanntlich nicht minder ein scheues Reh wie das Finanzkapital, das gern in Steueroasen flieht) folgen das Stadtmuseum mit 48000 und mit rund 25000 Besuchern die dritte große Einrichtung des acht Museen zählenden Verbundes, die Städtische Galerie.

Der Gesamtetat des Dresdner Museumsverbundes beläuft sich wie im Vorjahr auf denen Millionen Euro, von denen die Hälfte auf Personalkosten entfällt. Auch die Summe für die Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung steht – 70000 Euro – ist unverändert. Ganze 70000 Euro fließen in die Öffentlichkeitsarbeit. Den Technischen Sammlungen stehen 230000 Euro, dem Stadtmuseum 220000 Euro und der Städtischen Galerie 210 000 zur Verfügung, um Ausstellungen zu stemmen. Diese Summen für „Sachkosten“ (so der Verwaltungsbegriff) müssen derzeit genügen, um Transporte, Druckkosten für Flyer oder auch Restaurierungen zu bezahlen.

www.museen-dresden.de

Von Christian Ruf

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