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Stadträtin Klepsch: Dresdner Philharmonie braucht personelle Planungssicherheit

Stadträtin Klepsch: Dresdner Philharmonie braucht personelle Planungssicherheit

Zwischen Orchester und Intendanten gärte es seit längerem, das war in der Stadt bekannt. Unzufriedenheit gab es auf Philharmonikerseite u.a. über organisatorische Belange und Spielplangestaltung.

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Anselm Rose

Es waren Konflikte, die durch den im Oktober 2011 veröffentlichten Bericht des Sächsischen Rechnungshofes noch verschärft wurden. Der Rechnungshof hatte damals u.a. moniert, dass die Eigeneinnahmen der Dresdner Philharmonie in Höhe von 2,7 Millionen Euro die Ausgaben nur zu etwa 20 Prozent deckten. Im Zeitraum von 2006 bis 2008 hätten sich die Ausgaben für die laufende Betriebsführung um rund 1,8 Millionen Euro erhöht, hieß es. Besondere Kritik wurde an der Vergütung der Leitung geübt, im Konkreten des Chefdirigenten bis August 2011 Rafael Frühbeck de Burgos und von Intendant Anselm Rose. Unzufrieden zeigten sich die Finanzprüfer zudem über die nach ihrer Auffassung in verschiedenen Zeiten ungenügende dienstliche Inanspruchnahme der Philharmoniker.

In ihrer Reaktion stellte sich die Landeshauptstadt damals dezidiert hinter ihre Philharmonie, diese selber aber war alarmiert. Der Orchestervorstand wendete sich auf Bitten der Musiker in seiner Sorge um den öffentlichen Ruf des Orchesters an Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos).

Denn die Dresdner Philharmonie, ohnehin - unverschuldet - gebeutelt durch das jahrelange Gezerre um den Umbau des Kulturpalastes, drohte durch die Rechnungshofkritik allgemein in Misskredit zu geraten. Und in der Tat fragte sich so mancher Dresdner beispielsweise, warum Gastspielreisen ersatzlos abgesagt wurden, ohne dass es in diesen dann freien Zeiten andere Auftritte gab, oder warum die Philharmonie bei Festivals wie z.B. beim Stelldichein der Orchester zum großen Leipziger Mahler-Festival 2011 nicht vertreten war.

Anselm Rose wird nun, wie die Stadt am Montag mitteilte, vertragskonform zum Ende des Jahres 2014 aus dem Amt scheiden (DNN berichteten). Öffentlich kommentieren will das keiner der unmittelbar Beteiligten: der Intendant nicht; Philharmonie-Chefdirigent Michael Sanderling antwortete auf DNN-Anfrage, dass er sich zu "gegebener Zeit" äußern werde, auch der Orchestervorstand gab trotz Nachfrage keine Erklärungen ab. Und Kulturbürgermeister Lunau wollte gestern gegenüber DNN ebenfalls keinerlei Fragen beantworten.

Die jetzt entstandene neue Situation allerdings bedarf der Klärung. Denn der Umbau des Kulturpalastes ist in Sichtweite, die Spielstätte der Philharmonie leergeräumt. Bisherige Planungen gehen davon aus, dass das Orchester mit der Spielzeit 2015/16 den modernen Saal in Besitz nehmen und nutzen kann. Die Zeit bis dahin, wenn denn dieser Termin - Erfahrungen mit ähnlichen Großprojekten lehren anderes - überhaupt zu halten ist, wird für das Orchester zur Prüfung werden. Es muss an verschiedenen, z.T. auch kleineren, Spielstätten musizieren und ob sein bislang treues Publikum über diese Zeit hinweg bei der Stange bleibt, wird sich zeigen und hängt vor allem vom Agieren und Talent des verantwortlichen Intendanten ab. Außerdem gilt es langfristig, die Spielzeiten ab 2015 zu formen und die Bespielung des Konzertsaals nach Wiedereröffnung zu konzipieren.

Stadträtin und Kulturausschussmitglied Annekatrin Klepsch (Die Linke) bedauerte gestern, dass Rose nicht verlängern wolle. "Umso wichtiger ist es nun für das Orchester, dass ihm während der Umbauphase des Kulturpalastes und der schwierigen Zeit in Interimsspielstätten der neue Chefdirigent Michael Sanderling langfristig als künstlerischer Leiter vorsteht", erklärte sie. Oberbürgermeisterin und Kulturbürgermeister sollten nun gezielt nach einer fachlich kompetenten Persönlichkeit suchen, die sowohl den wirtschaftlichen wie künstlerischen Herausforderungen des Orchesters gerecht werden könne, fordert Klepsch.

Auch die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Christiane Filius-Jehne, erwartet, dass Lunau rasch eine kompetent besetzte und breit aufgestellte Findungskommission für Roses Nachfolge bildet. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Ausscheidens war in ihren Augen richtig, weil eine Vertragsverlängerung für Rose dem Stadtrat bis Ende 2012 hätte vorliegen müssen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.08.2012

Kerstin Leiße

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