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Stadtlandschaften und Interieurs - Fotografie von Luc Saalfeld in der Alten Feuerwache Loschwitz

Stadtlandschaften und Interieurs - Fotografie von Luc Saalfeld in der Alten Feuerwache Loschwitz

Unter dem Titel "Übergangsräume" stellt der Dresdner Fotograf Luc Saalfeld in der Alten Feuerwache Loschwitz Teile seiner urbanen Foto-Serien aus, die sich mit Stadtraum und Interieur beschäftigen.

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Luc Saalfeld, Hubertusstock, Honecker-Suite, 2012.

Den Fotografen interessiert dabei der kurze Abschnitt zwischen altem und neuem Bauzustand, die Momentaufnahme des baulichen Umbruchs. Der Übergangsraum gibt nicht nur einen Einblick in die Geschichte, sondern zeigt, dass der gewohnten Ordnung ein Chaos gegenübersteht, dem Raum sowohl Konstruktivität wie Verfall innewohnen.

Da stellt sich die Frage, was mit dem Begriff "Raum" eigentlich gemeint ist: Jedem sichtbar, existiert der Raum durch seine Begrenzungen, fehlen die, bricht er in sich zusammen zugunsten einer größeren Bezugseinheit, dem freien Raum oder schließlich dem Kosmos in der Weite des gespannten Horizontes. Dabei hat jeder Raum seine spezifische Psychologie, zwischen Wohlfühlen und Furcht, Entspannung und Agoraphobie. Das demonstriert der Künstler in seiner Serie zu den "Archäologischen Grabungen Stadtschloss Berlin", sowohl schwarz-weiß als auch farbig, ebenso mit den Arbeiten aus dem Zyklus "Postplatz Archiv" Dresden.

Die beiden Großbaustellen machen nicht nur durch ihre Bedeutung für beide Städte von sich reden. Hier, an der Nahtstelle zwischen Gestern und Heute, zeigt sich beispielhaft, wie unterschiedlich der Zeitgeist mit seinen historischen Artefakten umgeht: Dass Luc Saalfeld die Chance bekam, in den Rachen der Geschichte zu schauen, verdankt er groteskerweise den Bombardements von 1945 in beiden Städten. Die Radikalität der Ereignisse führte zu ebenso radikalen, aber glanzlosen Lösungen im Zentrum von Dresden. Berlin dagegen zehrt ganz von Preußens Gloria, die man pompös mit der Wiedererrichtung des Stadtschlosses zelebriert.

Luc Saalfelds Expeditionen in die urbane Unterwelt zeigen Ähnlichkeiten mit archäologischen Grabungen, die in Berlin Treppen und Gemäuer aus alten Zeiten freilegten und im trüben Licht der Kamera-Unschärfe wie Maya-Pyramiden anmuten. Vanitas überall, kurzbemessener Verfall, bald betoniert und übertüncht, jetzt aber noch von der Stadtkulisse (Fernsehturm) im Hintergrund in die Realität geholt. Saalfeld verwendet die Staffelungen des Raumes mit ihren unterschiedlichen Wertigkeiten, gleichsam den Zeitschichten folgend, die das Motiv bietet.

In dem Zyklus "Museum ohne Bilder" nutzte Luc Saalfeld neben dem leeren Innenraum des Stadtmuseums (wegen Umbaus) die sich manchmal anbietenden Fensterausblicke oder auch das durch eine Rosette einfallende Licht (Landhaustreppenaufgang), das Strukturen auf den Fußboden malt. Manchmal quer angeschnitten, lebt der Raum durch seine knisternde Gespanntheit, die von vergessenen oder abgelegten Dingen des täglichen Gebrauchs gesteigert wird.

Eine Serie mit sechs Fotografien von Innen-und Außenräumen des in der Schorfheide gelegenen ehemaligen Gästehauses der DDR "Hubertusstock" führt den Betrachter eher nüchtern in die Atmosphäre der Honecker-Suite ein, die vom morbiden Charme erfüllt ist. Ungewöhnliche Blicke auf Bettzeug, Telefon, Heizung, Lampe und Balkon beschwören eine Welt, die nun Geschichte ist und manchmal schon etwas abgetakelt wirkt. Man hat den Eindruck von einer sterilen Mischung aus modernem Anstrich und muffigem Altherrengeschmack.

Mit feinem Gespür für den Augenblick des Raumzustandes (Luc Saalfeld inszeniert niemals) bieten sich plötzlich groteske Situationen des nur mit wenigen Dingen belebten Raumes: Bei seiner Recherche im geräumten Hempelbau (Chemische Institute der TU Dresden) entdeckte er immer wieder kuriose Einblicke in eine aufgegebene Welt. Jedes Blatt beschreibt mit Akribie die Stofflichkeit des Raumes und der Dinge, wie das achtlos hingestellte Paar Damenschuhe, die von geheimer Hand abgelegten Topfdeckel, zerknüllte Papierfetzen, wirr hängende Schläuche und Messbecher. Eine Lache mit einer nicht identifizierbaren Flüssigkeit schwimmt auf einem Arbeitstisch.

Neben Violen und Schläuchen klebt ein Foto aus einem Liebesfilm an der Wand. Luc Saalfelds Arbeit mit Raum und Licht erhält durch das besondere, beinahe metaphysische Moment ihren Reiz, wenn nicht sogar ihre wesentliche Kraft.

Sie ist für ihn ein unglaublich spannendes Abenteuer in der Begegnung mit Formen und Raumvorstellungen, die neben dem Individuellen auch den Zeitgeist und den Geschmack eines fraglichen Kulturfortschrittes in sich tragen.

Bis 1. Juli. Alte Feuerwache Loschwitz, Fidelio-Finke-Str. 4. So bis Do 12-18 Uhr. Tel. 0351/267 86 26.

www.feuerwache-loschwitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.06.2012

Heinz Weißflog

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