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Stadt Dresden „überdämmt“ und kopiert Relief an Dresdner Kita

Stadt Dresden „überdämmt“ und kopiert Relief an Dresdner Kita

Ist das Kunst oder kann das weg? Was tun mit historischen Kunstwerken an Gebäuden, die nicht unter Denkmalschutz stehen? An einer etwa anderthalb Meter großen Sonnenuhr an einer Kindertagesstätte in der Dresdner Neustadt werden die Schwierigkeiten im Umgang mit Kunst am Bau deutlich.

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Die Sonnenuhr im Vorher-Nachher-Vergleich.

Quelle: Jürgen Teichmann Tanja Tröger

Die Uhr mit Reliefstruktur wurde bei Sanierungsarbeiten durch Dämmmaterial verdeckt und anschließend als Kopie auf die neue Fassade gemalt. Lobenswerterweise hat die Stadt Dresden damit mehr getan, als sie hätte tun müssen. Allerdings übersah sie einen Passus im Urheberrecht.

Seit 1956/57 toben Dresdner Steppkes durch den Kindergarten an der Löwenstraße 7. Genauso alt sind auch die Kunstwerke, die am Gebäude angebracht sind: ein Reliefband mit kleinen Eichhörnchen, Vögeln und Pflanzen rund um den Eingangsbereich und eine mit Tieren verzierte Sonnenuhr auf der Hofseite des Gebäudes. Geschaffen hat sie der Dresdner Alfred Teichmann, der von 1903 bis 1980 lebte. Aus verschiedenfarbigen Putzschichten gestaltete er die Motive – Kratzputz oder Sgraffito nennen Kunsthistoriker diese Technik, die für die 1950er Jahre typisch ist und viele öffentliche Gebäude aus dieser Zeit schmückt.

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Alfred Teichmann gestaltete 1949 auch das "Rübezahl"-Sgraffito am Gymnasium Dresden-Cotta.

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Dämmung kontra Kunst?

Seit einem Jahr wird der Integrations-Kindergarten „Knirpsenwiese“ nun saniert. Eine dicke Dämmschicht auf den Außenwänden soll Wärme drinnen und Kälte draußen halten. Zu diesen Energiesparmaßnahmen ist die Stadt als Hauseigentümerin rechtlich verpflichtet, sofern keine wichtigen Gegenargumente wie Denkmalschutz vorliegen. Die Kita an der Löwenstraße ist nicht geschützt. Laut Denkmalpflegern seien die Sgraffiti zwar gut ausgeführt, aber nicht wertvoll genug, um eine Eintragung als Denkmal zu rechtfertigen, so Jürgen Teichmann, Sohn des Künstlers.

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November 2012: Die Außendämmung (rechts) rückt immer näher zur Uhr.

Quelle: Stadt Dresden

Ingenieur Teichmann, der sich intensiv mit dem Werk seines Vaters beschäftigt hat, hatte im November 2012 zufällig die Bauarbeiten am Kindergarten bemerkt und sich sofort an den Denkmalschutz und den städtischen Kita-Eigenbetrieb gewandt. Er wollte wissen, ob die Kunstwerke seines Vaters erhalten bleiben oder verdeckt werden. Die Verantwortlichen erläuterten ihm die Hintergründe und die Rechtslage: Eine außen angebrachte Wärmedämmung könne wegen des fehlenden Denkmalschutzes nicht untersagt werden. Der Anwalt für Medien- und Urheberrecht Martin Winterfeld erläutert: „Die Interessen des Grundstücks- und Gebäudeeigentümers gehen in der Rechtssprechung regelmäßig vor, baubezogene Kunst hat sich von vornherein Eigentums-, Nutzungs- und Sachzwängen unterzuordnen.“

Folglich bestimmen der gute Wille, die Finanzen des Eigentümers sowie bauliche Fragen, was mit nicht denkmalgeschützten Fassaden-Kunstwerken geschieht. Die Dresdner Stadtverwaltung zeigte guten Willen: Sie habe ursprünglich geplant, „den Bereich der Sonnenuhr nicht zu überdämmen und dort die Außendämmung auszuklinken, so dass die Uhr sichtbar geblieben wäre“, teilte Sprecher Karl Schuricht auf Anfrage von DNN-Online mit. „Im späteren Planungsverlauf gab es ernsthafte Bedenken des Bauphysikers zur vorgeschlagenen Lösung, da hierbei mit erheblicher Schimmelbildung an der Innenseite der Außenwand hinter der Uhr zu rechnen ist.“ Eine komplette Innendämmung sei „deutlich teurer“ und risikobehaftet. Bei Mängeln könnten sich große, im Haus nicht sichtbare Schimmelflächen zwischen Außenwand und Dämmung bilden. „Dieses Risiko wird speziell bei Gebäuden mit Kindern nicht in Kauf genommen“, so Schuricht. Deshalb wurde die Sonnenuhr von Dämmplatten verdeckt, das Eichhörnchen-Fries am Eingang jedoch erhalten.

Guter Wille kontra Urheberrecht?

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Schön, aber nicht billig: Das Bischofshaus auf dem Areal der alten Vikarie gegenüber dem Limburger Dom. Foto: Fredrik von Erichsen

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Tebartz-van Elst steht weiterhin in der Kritik. Foto: Fredrik von Erichsen/

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Um an Alfred Teichmanns Sonnenuhr zu erinnern, veranlasste die Stadt, dass Handwerker der Bau Dresden-Gruna GmbH eine Kopie des Reliefs auf die neue Außenwand malten. Ein nobler Zug und sicherlich schön für die Kindergartenkinder – allerdings auch traurig für die Kunstgeschichte. Die neue Uhr zeigt zwar exakt die Motive der alten, aber aufgrund der fehlenden Dreidimensionalität ist sie ein rosa-grauer Abklatsch ohne künstlerischen Anspruch.

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Der Stein des Anstoßes: Die gemalte Sonnenuhr auf der frisch gedämmten Fassade.

Quelle: Tanja Tröger

Zudem hat die Stadt das Urheberrecht missachtet. Sie hätte die Nachfahren des Künstlers Alfred Teichmann, seine Kinder Maria und Jürgen, um Zustimmung zu der geplanten Kopie bitten müssen. Schließlich werde Teichmanns künstlerische Idee, sein geistiges Eigentum, vervielfältigt. Dass das Original an der Hauswand darunter liegt, ist dabei rechtlich ohne Belang. Darauf weist Anwalt Winterfeld hin. Laut Jürgen Teichmann hat die Stadt die Erben aber nicht nach ihrer Genehmigung gefragt. Würden sie die Reproduktion ablehnen, stünde als letzter Schritt die Übermalung der Kopie an. Dann würde gar nichts mehr an die Sonnenuhr von Alfred Teichmann erinnern. „Einen Anspruch auf ‘Wieder-Sichtbarmachung‘ des originalen Reliefs hat der Urheber oder Rechtnachfolger auf der anderen Seite leider nicht“, so der Jurist.

Lieber eine schlichte Kopie als kein Andenken?

Jürgen Teichmann akzeptiert die Kompromisslösung der Stadt, die Sonnenuhr seines Vaters zu verdecken und zu kopieren. „So ist es eben“, sagte er. „Entscheiden muss das die Denkmalpflege.“ Er habe nicht kämpfen wollen und werde auch nicht klagen, so der 72-Jährige. Schade findet er den De-facto-Verlust dennoch: „Das neue Abbild sieht wie ein Abziehbild aus, leider.“ Er fragt sich, ob Restauratoren oder akademische Maler den Kratzputz möglicherweise besser kopiert hätten. Diese Variante wäre natürlich wesentlich teurer geworden. Ihm fehlten zudem eine zweite Stellungnahme und eine Diskussion über mehrere Varianten der Dämmung. „Es wäre schön gewesen, wenn eine andere Lösung gefunden worden wäre. Die Kunst der 50er und 60er Jahre an Bauwerken verschwindet an vielen Stellen“, bedauert Teichmann.

Auch der Ingenieur Daniel Fischer, der seit Jahren in seiner Freizeit die Dresdner Bau- und Bautechnikgeschichte der Nachkriegsmoderne erforscht, erkennt die Bemühungen der Stadt an – sowohl bei der Bauplanung als auch bei der Nachbildung der Sonnenuhr: „Die haben sich schon Mühe gegeben, aber es ist ein bisschen vereinfacht. Dem Bild fehlen Schatten und Tiefe.“ Der 36-Jährige wünscht sich, dass baubezogene Kunst aus der DDR-Zeit bewusster wahrgenommen und sensibler damit umgegangen wird.

Eine Möglichkeit wäre gewesen, nach Sanierungsende eine dreidimensionale Kopie der Uhr auf die neue Fassade zu bringen. Kita-Eigenbetriebsleiterin Bibas hatte Jürgen Teichmann im November 2012 geschrieben, dass ein Negativabdruck von der Uhr genommen werden solle. Ob das tatsächlich geschehen ist, ist unklar: Laut Bibas wurde kein Abdruck genommen, die Stadtsprecher Schuricht hingegen antwortete auf eine Anfrage von DNN-Online: „Von der Wanduhr wurde eine Kopie angefertigt. Sie diente als Vorlage für die Darstellung der Uhr auf der neuen Fassade.“

ttr

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