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Stadt Dresden lehnt Graffiti und Street Art an der Waldschlößchenbrücke ab

Stadt Dresden lehnt Graffiti und Street Art an der Waldschlößchenbrücke ab

Die Stadt Dresden möchte kein Graffiti oder Street Art an der Waldschlößchenbrücke. Lediglich an den Bogenfüßen sei eine kreative Nutzung unter Umständen denkbar.

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WHY - Der erste Sprayer hat sich bereits an der neuen Elbquerung verewigt.

Quelle: Tanja Tröger

Dresdner Künstler und Street-Art-Experten plädieren dagegen für eine Ausschreibung zur Gestaltung einzelner Flächen. Denn bemalt werde die Brücke ohnehin – die ersten Sprayer haben sich bereits verewigt.

Laut Stadtverwaltung wurde das erste Grafitti, das in der Tunnelausfahrt zur B6 in Richtung Elbschlösser prangt, bereits zur Anzeige gebracht. 35 Euro pro Quadratmeter koste die Entfernung, teilte die Stadtverwaltung mit. Um weitere Grafitti zu vermeiden, wurde ein Schutzsystem aufgetragen, was zumindest hilft, die Farbe schneller zu entfernen.

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Das wohl unvermeidliche SGD - noch bloß am Bauwagen. Wird es irgendwann auch an der Brücke stehen?

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Bereits im Juli 2011 hatte der Dresdner Architekt, Künstler und Mediengestalter Claus Dethleff eine Petition bei der Stadt eingereicht. Darin bat er, die „Sichtbetonflächen, soweit es die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt, für Streetart und Graffitikünstler komplett frei zu geben“. „Ich war kurz davor in Paris und habe die Rue des Pyrenées entdeckt. Dort haben Künstler aus aller Welt ein ganzes Häuserkarree gestaltet. Das hat mich sehr beeindruckt“, so Dethleff. Wieder zu Hause, schrieb er umgehend seine Eingabe an die Stadt. Damals war die Eröffnung der neuen Brücke noch für 2012 geplant, und er „wollte nicht zu spät kommen“. Drei Monate später antwortete die Stadt, dass sie neue Elbquerung nicht für künstlerische Gestaltung freigegeben könne, und begründete das auch ausführlich.

Landschaftsschutz, Urheberrecht, Sicherheit – die Argumente der Stadt

Als Hauptargument führte die Stadt schon damals an, dass die neue Elbquerung „an einer für die räumliche Wahrnehmung dieses Landschaftsraumes sehr sensiblen Stelle“ stehe. „Große kompakte, farbige Bildwände“ würden „dem Landschaftsraum einen völlig neuen Charakter verleihen“. Zudem würden auffällige Veränderungen an Brückenwiderlagern und Tunnelportalen die „architektonische Wirkung“ des Bauwerkes beeinträchtigen und das Urheberrecht des Entwurfsverfassers verletzen. Auch die Verkehrssicherheit der Brücken- und Tunnelnutzer werde durch farbige Flächen gefährdet. Als weitere Argumente führt die Stadt ins Feld, dass viele Motive der Sprayerszene „einen Teil der Bürgerschaft provozieren“ und „im Arbeitsbereich der Sprayer eine unbeherrschbare Vermüllung des Umfeldes einsetzt“. Zudem könnte die Farbe das Bauwerk beschädigen.

Gegenüber DNN-Online teilte die Stadtverwaltung mit, dass die Farbe selbst zwar nicht gefährlich ist. Allerdings könnten bestimmte Inhaltsstoffe von Nitrofarbe die Beschichtung von Stahl angreifen. Zudem sei es möglich, dass die Farbe die Zersetzung des Betons zumindest begünstigt.

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Klara Jurisch aus Dresden: "Die Waldschlößchenbrücke bringt etwas Modernes nach Dresden. Und ich glaube, noch unauffälliger hätte man sie kaum bauen können."

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Der Untergrund der Kappen wurde mit Bitumen isoliert. Dazwischen kam der Asphalt für die Autos.

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Auch am Sonntag herrschte ein großer Andrang auf der eröffneten Waldschlößchenbrücke.

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Nachdem die ersten Wochen vergangen sind, wird sicherlich auch auf der Waldschlößchenbrücke der Alltag einziehen.

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Anlässlich der Brückeneröffnung am 24. August 2013 veröffentlichte Claus Dethleff seine Petition und das Antwortschreiben der Stadt in seinem Blog. Der Text ging förmlich durch die Decke. „Der Artikel wurde exorbitant oft gelesen“, so Dethleff. „Der hatte ein paar Tausend Klicks, das haben meine anderen Blogbeiträge nicht.“ Etliche Leser kommentierten den Artikel in sozialen Netzwerken wie Facebook. Besonders für das Argument des sensiblen Standorts der Waldschlößchenbrücke hagelte es Häme und ironische Kommentare.

Street-Art-Experte plädiert für Ausschreibung und Gestaltung einzelner Flächen

Auch der Künstler und Kurator Jens Besser, der sich seit vielen Jahren dafür einsetzt, dass Wandgestaltung als Kunst verstanden wird, findet manche Begründungen der Stadt abenteuerlich. Wenn die Sprayer beispielsweise herkömmliche Fassadenfarbe statt Sprühlack verwendeten, entstünden keine Bauwerksschäden. Dass bunte Bilder im Tunnel Autofahrer ablenken können, versteht er. Nicht jedoch, warum man die Bereiche unter der Brücke nicht für die kreative Gestaltung freigibt. „Als Mensch kommt man dort vorbei, und das sind auch die Flächen, die besprüht werden – und zwar hundertprozentig. Das passiert bei jeder Brücke. Und die Waldschlößchenbrücke steht besonders unter Beschuss, weil sie ja ein politisches Thema ist.“ Architekten und Auftraggeber sollten daher bereits bei der Planung darüber nachdenken, was mit Sichtbetonflächen am Bau passieren solle. Zudem sei die neue Elbquerung keine besonders wertvolle architektonische Leistung, sondern eine „stinknormale Brücke mit Bogen“.

Im Falle der Waldschlößchenbrücke plädiert Besser nicht für eine Freigabe als „legal plain“, also eine Fläche, auf der sich jeder Sprayer austoben kann, wie es ihm gefällt. Stattdessen wünscht sich der Experte, dass die Stadt einige Wandflächen zur Gestaltung ausschreibt. Eine Expertenkommission könnte dann die besten Vorschläge auswählen. Zwar gebe es keine Garantie, dass eine einmal gestaltete Fläche nicht wieder illegal bemalt wird, aber die Gefahr sinke um 95 Prozent, so Besser. Er verweist auf die lange Dresdner Tradition von Wandbildern und Kunst am Bau, beispielsweise die gestalteten Hausgiebel in der Friedrichstadt und die „Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau“ zu DDR-Zeiten, der namhafte Bildhauer und Grafiker wie Vinzenz Wanitschke oder Friedrich Kracht angehörten. „Solche Wandbilder werden positiv wahrgenommen und bereichern die Stadt. Die Frage ist: Will die Stadt das?“

Die räumte in Gestalt von Reinhard Koettnitz, Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk ein, dass nur „an den Bogenfüßen“ „dieses oder jenes“ denkbar sei. „Aber das muss auch abgesprochen werden mit dem Architekten, denn er hat ja auch seine Vorstellungen dort entwickelt.“ Absprachen dazu gibt es laut Stadtverwaltung aber noch nicht.

Tanja Tröger

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