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Staatskapelle Dresden mit der Missa solemnis

Gedenkkonzert Staatskapelle Dresden mit der Missa solemnis

Die Missa solemnis, eines der ganz großen Werke des musikalischen Erbes Ludwig van Beethovens, ist am Wochenende von der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann aufgeführt worden. Das Publikum erlebte eine kraftvolle Interpretation, die vollkommen auf jenes ungesunde Pathos verzichtete.

6. Sinfoniekonzert der Dresdner Staatskapelle unter Christian Thielemann am 13.02.2016 in der Semperoper in Dresden.

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Als Ludwig van Beethoven sich 1818 daran machte, für die Amtseinführung seines Schülers Erzherzog Rudolf von Habsburg als Erzbischof von Olmütz eine Messe zu schreiben, spukte die Vorstellung von Kirchenmusik für den liturgischen Gebrauch in seinem Kopf herum. Letztendlich steigerte er sich immer mehr hinein in sein Werk, überschritt auch die vorgegebene Entstehungszeit erheblich, wurden die Dimensionen immer riesenhafter und anspruchsvoller. Herausgekommen ist 1823 die Missa solemnis, eines der ganz großen Werke des musikalischen Erbes und Sinnbild des Beethovenschen Humanitätsideals, vor dem man auch nach mehrfachem Hören nur immer staunend stehen kann. Allein – die Sache mit der Verwendung im Gottesdienst hatte sich vollständig erübrigt.

Nicht zu Unrecht gilt Beethovens Missa solemnis bei Chören und Solisten als „Stimmbandkiller“ und ist schwer zu machen. Davon war in der Aufführung mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann in der Semperoper nichts zu merken. Eine dermaßen ausbalancierte, stimmlich wie gestalterisch völlig ausgewogene Wiedergabe ohne jeden Schwachpunkt wie hier hat Seltenheitswert. Chefdirigent Thielemann legte viel Wert auf Präzision, auf klangliche wie ausdrucksmäßige Feinheiten, ohne sich zu verlieren und ohne die dringend gebrauchte Emotionalität und die vor Leidenschaft glühenden Farben auf der Strecke zu lassen. Bei aller Wucht und Dramatik, die sich natürlich aufs Prachtvollste entfalten durften, ist Beethovens „persönliches erlebtes und erkämpftes Glaubensbekenntnis“ eben weit mehr als eine monströse Sinfonie mit Chor. Und das wurde an diesem Abend besonders deutlich.

Christian Thielemann verstand es, alle Ausführenden im Sinne einer auf den Punkt gebrachten, geballten Ausdruckskraft und Prägnanz auf der einen und sensibelster Differenzierungskunst auf der anderen Seite mitzureißen und zu beflügeln. Er ließ eine Interpretation der Missa solemnis erblühen, die vollkommen auf jenes ungesunde Pathos verzichtete, die gelegentlich die Aufführung des Werkes wie süßliches Parfüm überzieht.

Der Sächsische Staatsopernchor (Einstudierung: Jörn Hinnerk Andresen) wirkte in seinem Klangbild wundervoll homogen und so, als ob es Belastungsgrenzen für dieses Ensemble gar nicht gäbe. Auch intonatorisch gab es nichts auszusetzen. Ob es nun die innigen Kyrie-Rufe waren, der Überschwang des Gloria-Jubels, das fugierte „Osanna“ oder die hoch spannend musizierte Chorfuge des „Dona nobis pacem“ – faszinierend.

Die Staatskapelle Dresden brillierte mit klanglicher Geschmeidigkeit, energischer Kraftentfaltung, aber auch kluger, sensibler Nuancierung und dem von Thielemann geforderten Sinn fürs Detail, der Oberflächlichkeit von Vornherein nicht zulässt. Voller orchestraler Einsatz fürs Ganze, ob nun bei den vortrefflich agierenden, makellosen Bläsern der Kapelle, den vitalen Paukenakzenten oder der Biegsamkeit des Streicherklangs. Zur Krönung des Ganzen avancierte Matthias Wollongs fast unwirklich schönes Violinsolo voller Schmelz und beseeltem Ausdruck im „Benedictus“.


Das mit Camilla Nylund, Elisabeth Kulman, Daniel Behle und Georg Zeppenfeld besetzte Soloquartett erwies sich ebenfalls als einziger großer Glücksfall und ließ weder im musikalischen noch im ausdrucksmäßigen Bereich irgendwelche Wünsche offen.
Am Ende Stille und große Ergriffenheit, bei allen, die dabei waren.

Von Mareile Hanns

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