Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Google+
Staatskapelle Dresden freut sich über die Restaurierung einer historischen Stradivari

Staatskapelle Dresden freut sich über die Restaurierung einer historischen Stradivari

Das wenig anheimelnde Ambiente des Probenraums der Staatskapelle Dresden ganz oben in der Semperoper ist vergessen, als Kai Vogler, Konzertmeister des Orchesters, seinen Sartory-Bogen ansetzt und die Geige zum Klingen bringt.

Nun sollte man meinen, daran seit nichts Ungewöhnliches, und dennoch, der Moment hat etwas Besonderes. Denn auch das Instrument, auf dem Vogler spielt, ist etwas Besonderes: Es ist eine Stradivari aus dem Besitz der Staatskapelle. Noch vor fünf Jahren war das Instrument allerdings in einem wenig ansehnlichen und beschädigten Zustand.

Um alte wertvolle Geigen ranken sich nicht selten geheimnisvolle Geschichten und Legenden, und auch die Historie dieser Stradivari ist bisher noch nicht in allen Einzelheiten bekannt. Sicher aber ist, dass das Instrument - in dem ein Zettel mit der Angabe 1734 (siehe Foto oben) angebracht war, das für den Geigenbauer Yves Gateau aber aus Stradivaris Zeit um 1728 stammt - im Jahr 1833 für das sächsische Orchester angekauft worden war. In Paris wechselten dafür vor fast zwei Jahrhunderten 825 Taler den Besitzer, nach heutigen Schätzungen waren das in etwa 100 000 Euro. Genutzt wurde es bspw. später als Dienstinstrument von Konzertmeister Henri Petri, eben jener war es aber auch, der sich, laut einem Brief seines Amtsnachfolgers Willibald Roth aus dem Jahr 1962, "durch seine nervöse Zerstreutheit ca. 1910 nach einer Stimmeinzeichnung auf die auf seinem Konzertmeisterstuhl liegende Stradivari" gesetzt habe. Über die Gewichtsklasse des Musikers ist nichts überliefert, aber die Decke des Instruments soll einem "Trümmerhaufen" geglichen haben. Durch den Geigenbauer Hammig wurde eine Reparatur vorgenommen, freilich konnte das Ergebnis nicht mehr dem früheren Klang der Geige gerecht werden.

Fürderhin blieb die Stradivari bei der Staatskapelle, wurde mehrfach zur Überholung gegeben, ihre ursprüngliche Qualität konnte sie auch danach nicht aufweisen. Zuletzt wurde sie bis 2008 von Heinz-Dieter Richter, Konzertmeister 2. Violinen, gespielt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Staatskapelle vom Freistaat Sachsen nach einer Initiative des damaligen Orchesterinspizienten André Hofmeister nicht nur die Bewilligung zur Anschaffung einer weiteren kostbaren italienischen Geige erhalten, sondern auch zur Restaurierung der Stradivari - also konnte das Instrument den Kai Vogler gut bekannten Berliner Geigenbauern Kogge & Gateau anvertraut werden. Fünf Jahre, so erzählt Yves Gateau, habe man Zeit gehabt und auch gebraucht, um die Stradivari wieder in einen Zustand zurückzuführen, der ihrer Bedeutung und ihrem Ruf entspricht. Über die Kosten der Reparatur sowie den finanziellen Wert des Instruments wollen Geigenbauer und Staatskapelle keine genaueren Angaben machen, aber, so Kapellsprecher Matthias Claudi, der Wert sei durch die Restaurierung auf mehr als das Zehnfache der Reparaturkosten gestiegen.

Bei dem berühmten Londoner Geigenguru Charles Beare wurde zunächst eine Expertise eingeholt, dass es auch wirklich ein Instrument aus der Hand des 1737 in Cremona gestorbenen Antonio Stradivari ist. Dann konnte auf der Grundlage des dafür notwendigen Know-how - Kogge & Gateau sind Experten für Restaurierungen - mit der Rettung der Geige begonnen werden. Das Instrument zeigte aus vorherigen Reparaturen stammende gravierende Veränderungen, starke Beschädigungen und Abnutzungserscheinungen. "Für uns sah es sehr wild aus", beschreibt es Yves Gateau. Notwendig war z.B. auch eine Wölbungskorrektur der Decke, wofür diese über Monate in ein Gipsbett gepresst werden und dieses immer wieder angepasst werden musste (s. Foto unten rechts). Ziel der Geigenbauer war es, die noch vorhandene historische Substanz vollständig zu erhalten und die Restaurierung so vorzunehmen, dass man die Eingriffe danach nicht mehr sehen kann.

Im Mai 2013 war die Wiedergewinnung abgeschlossen, inzwischen hat Kai Vogler, dem nun als Konzertmeister das Instrument anvertraut ist, bereits in Kapellkonzerten und Opernaufführungen darauf gespielt. Von einem "wiedererkennbaren Klang" erzählt er, und dass er und das Instrument dabei seien, sich "anzufreunden, anzunähern". Es habe eine sehr persönliche Klangfarbe, und schon bei dem kurzen Anspiel im Orchesterprobenraum kann man erahnen, wie die Stradivari noch erkundet, entdeckt werden will.

An diesem spannenden Prozess teilhaben kann auch das Publikum, wenn Kai Vogler im morgigen Kammerabend in der Semperoper das Instrument erstmals solistisch einsetzt. Ausgewählt hat er dafür César Francks Sonate für Violine und Klavier A-Dur, denn in dieser könne er, so Vogler, die Stradivari in fast allen Lagen mit ihrer besonderen Qualität und ihren außergewöhnlichen Klangfarben am besten präsentieren; am Klavier begleitet ihn dabei Mirjana Rajic.

i2. Kammerabend der Staatskapelle Dresden, Mittwoch, 20 Uhr, Semperoper

Kai Vogler, Annika Thiel und Kay Mitzscherling, Violine, Holger Grohs, Viola, Friedwart Christian Dittmann, Violoncello, Mirjana Rajic, Klavier. Werke von Françaix, Franck, Borodin

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2013

Kerstin Leiße

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr