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Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ließen Bild von Toulouse-Lautrec restaurieren und zeigen das Werk nun in einer Ausstellung

Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ließen Bild von Toulouse-Lautrec restaurieren und zeigen das Werk nun in einer Ausstellung

die schon länger ins Auge gefasste Restaurierung eines der Glanzstücke der Galerie Neue Meister. Es gehört zur kleinen erlesenen Gruppe der französischen Gemälde in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

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Henri de Toulouse-Lautrec: Zwei Freundinnen, 1895, Öl auf Pappe auf Mahagoniholz.

Quelle: © Kupferstich-Kabinett, SKD, Herbert Boswank

Sie ist vollbracht. Die Rede ist von den "Zwei Freundinnen" (Les deux amies) von Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901) aus dem Jahr 1895. Ein diese beiden Frauen, Kokotten aus dem Vergnügungsviertel um den Montmartre, darstellendes zweites Gemälde ("Le Sofa") befindet sich heute im Metropolitan Museum of Art New York und war ein willkommenes Vergleichsexemplar für die Dresdner Fachleute. Besonders ins Auge fiel beim hiesigen Bild die Beeinträchtigung der farblichen Wirkung durch einen nachträglich, wohl im Kunsthandel, aufgetragenen, mittlerweile nachgedunkelten und vergilbten, teils sogar opak gewordenen Firnis. Dieser hatte zudem die als Malgrund verwendete, partiell durchscheinende Pappe so gesättigt, dass sie nachdunkelte.

Anliegen der Restauratoren war es, den entstellenden Firnis zu extrahieren, was freilich einer längeren wissenschaftlichen Vorbereitung bedurfte. Unter anderem entstand 2002 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden eine Seminararbeit zum Schadensbild des Gemäldes und der Möglichkeit der Firnisextraktion aus bemalter Pappe. Schließlich kamen Lösemittelkompressen zum Einsatz. Danach zeigte sich das Gemälde wieder in erstaunlich frischer Farbigkeit. Nun ist die lockere, mit sehr dünnflüssiger Ölfarbe angelegte Pinselzeichnung des Künstlers, die teils sogar die Pappe durchschimmern lässt, wieder sehr gut wahrnehmbar und damit die künstlerische Handschrift Toulouse-Lautrecs. Das ist natürlich ein wunderbarer Anlass für eine Kabinettausstellung, zumal das Bild seit der Wiedereröffnung des Albertinums nicht mehr zu sehen war.

Unter dem Motto "Peinture à l'essence - Henri de Toulouse Lautrec im Albertinum" gruppiert sich im Kabinett in der zweiten Etage um das unter anderem dank der Fürsprache Robert Sterls und Otto Gussmanns 1925 erworbene Bild - seine Maltechnik und sein Erhaltungszustand können mikroskopisch genau an einem Touchscreen betrachtet werden - die nicht weniger berühmte, 1896 geschaffene Lithografie-Mappe "Elles" (Sie). Hinzu kommt das fast skizzenhaft wirkende, auf bräunliche Pappe gemalte Porträt von May Belfort (1895). Abgesehen vom Gemälde stammen die Arbeiten aus dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die Mappe "Elles" - sie schließt die Phase der von Henri de Toulouse-Lautrec 1890 begonnenen Auseinandersetzung mit dem Thema "Bordell" ab - ist einer der Höhepunkte innerhalb der bereits seit Woldemar von Seidlitz ab Beginn des 20. Jahrhunderts erworbenen Werkgruppen des Künstlers, in dessen grafischen Schaffen sich starke Impulse durch den japanischen Farbholzschnitt widerspiegeln. Ihre Erwerbung - bis dahin wurde ihr Nichtvorhandensein als schmerzliche Lücke empfunden - erfolgte mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder im Jahr 2003. Sie kam damals gerade recht zur bevorstehenden Neueröffnung des Kupferstich-Kabinetts im Residenzschloss.

Was an allen diesen Arbeiten auffällt, und das gilt natürlich auch für das Gemälde "Zwei Freundinnen": Henri de Toulouse-Lautrec hat die Frauen des Gewerbes zwar bei intimen Tätigkeiten, aber ohne jede Anzüglichkeit festgehalten. Er erfasst kleine Alltäglichkeiten wie die Morgentoilette, das Kämmen oder das Frühstück, beobachtet sie aber auch, wenn sie noch im Bett liegen. Oft sind es zwei Frauen, Freundinnen, die mitunter ihrer Freundschaft eine erotische Note gaben, teils lesbische Beziehungen eingingen - wohl auch, um einen "geschützten Raum" außerhalb des Gewerbes für sich aufzubauen. Der Künstler, durch seine durch Erbkrankheit entstandene Behinderung selbst ein Außenseiter, wenn auch ein wohlhabender dank seiner Herkunft, kannte das Milieu gut, arbeitete in einem Atelier auf dem Montmartre, lebte mitunter wochenweise sogar im Bordell. Was ihn auszeichnete war wohl der realistische, weder romantisierende noch diskriminierende Blick auf die Welt der Kokotten, aber auch der Sängerinnen und Tänzerinnen der Etablissements.

Was unbedingt ebenfalls betont werden muss: Henri de Toulouse-Lautrec ist künstlerisch ganz bei der Moderne. Das gilt für seine "unakademische", "trockene" Malerei, für welche die neu eingeführten Tubenfarben beste Voraussetzungen boten (herausgedrückt auf eine absorbierende Fläche, konnte man sie in ihrer Konsistenz an die eigenen Malbedürfnisse anpassen). Das gilt ebenso für das Medium der Lithographie, die der Künstler zu neuen Höhen geführt hat. Dabei erfasste er die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstehende Welt der Massenvergnügungen, darunter auch Sportereignisse wie Radrennen, und die aufkommende Technik, wobei er natürlich angesichts seiner Lebensdaten den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts stärker verhaftet war. Es ist die "Belle Èpoque", der er gewissermaßen ein Denkmal gesetzt hat, dabei an zentraler Stelle der Glitzerwelt der Cabarets wie des bis heute berühmten "Moulin Rouge"

bis 2. Februar, täglich 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen (am 16. Dezember erfolgt eine Auswechslung der lichtempfind-lichen Blätter aus der Mappe "Elles", von der jeweils sechs Blätter gezeigt werden).

Veranstaltungen: 5. Dezember, 16.30 Uhr, Albertinum, Hermann-Glöckner-Raum: Marlies Giebe/Heike Biedermann: "Peinture à l'essence" - Zur Restaurierung von Henri de Toulouse-Lautrecs "Zwei Freundinnen"; 16. Januar 2014, 16.30 Uhr, Albertinum, Hermann-Glöckner-Raum: Dokumentarfilm "Henri de Toulouse-Lautrec" (1988) von Hilary Chadwick; 25. Januar 2014, 19.30 Uhr, Albertinum, Lichthof: Begegnung der Künste zum Bild "Zwei Freundinnen"

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.12.2013

Lisa Werner-Art

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