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Spurensuche im Dresdner Stadtmuseum: Kamerun liegt an der Elbe

Spurensuche im Dresdner Stadtmuseum: Kamerun liegt an der Elbe

Kein Scherz! Auch Dresden hat ein Stückchen Kamerun. Als im 19. Jahrhundert bei Rochwitz Wald zur weiteren Besiedlung erschlossen wurde, hisste jemand beim ersten Richtfest im Jahre 1884 eine Fahne mit dem Namen Kamerun.

Von Madeleine Arndt

Der Tännicht hatte bei der Person wohl Assoziationen an den Busch der damals gerade ausgerufenen deutschen Kolonie in Afrika geweckt. Der Begriff Kamerun für den Ortsteil Neurochwitz setzte sich bei den Anwohnern durch. Es eröffnete sogar ein Restaurant "Kamerun" - heute ist hier ein Seniorenwohnheim untergebracht.

Das Dresdner Stadtmuseum hat sich auf eine historische Spurensuche durch die Ortsteile begeben und jetzt einige der bemerkenswertesten zeitgeschichtlichen Funde aus allen 113 Ortsfluren der Stadt in einer Sonderschau zusammengestellt. "Mosaik der Großstadt" heißt die Ausstellung, in der 482 Exponate, darunter jede Menge Ansichtskarten, Fotografien, Aquarelle, Pläne und Modelle zu sehen sind. "Das Museum verfügt über einen sehr großen Bestand zur Stadtteilgeschichte. Es gibt rund 30 000 Objekte", betont der Kurator der Ausstellung Friedrich Reichert. Dazu gehören an die 10 000 Ansichtskarten, noch einmal so viele Fotoaufnahmen und rund 500 Pläne, die kartographische Einblicke in die Struktur und Entwicklung der Stadtteile geben. Als das Stadtmuseum vor acht Jahren die umfangreichen Sammlung von 3700 Ansichtskarten vom Dresdner Heimatforscher Horst Milde erwarb, formte sich bei Reichert der Gedanke, eine Sonderausstellung zu konzipieren, in der sämtliche Stadtteile zusammengefasst sind.

Der Fokus liegt dabei auf dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, als sich Dresden in mehreren Eingemeindungswellen, unter anderem in den Jahren 1903, 1921 und 1950, zu einer Großstadt entwickelte. Historische Dokumente und Fotos belegen die Vielfalt und Einzigartigkeit der Ortsteile, seien es die alten Dorfkerne, die Villenviertel oder die Fabriksiedlungen. Als ältestes Exponat wird eine aus dem 15. Jahrhundert stammende Glocke aus der Plauener Dorfkirche präsentiert. Auch sind detailgetreue Modelle einer Wäschemangel, Spiegelschleife und eines Kanonenbohrwerks zu sehen.

Der Rundgang durch die Ausstellung simuliert die Struktur der heutigen Großstadt: Die Mitte der Räumlichkeiten ist dem Zentrum wie der Altstadt gewidmet, in den Peripherien sind die äußeren Ortsteile zu finden. Auf die geschichtliche Entwicklung der Kesselsdorfer Straße in Löbtau und der Königsbrücker Straße in der Neustadt wird sehr detailreich eingegangen. Auch das Schweizer Viertel in der Südvorstadt erhält besondere Aufmerksamkeit. Natürlich fallen die Bezeichnungen Frosch-Cotta, Kuh-Löbtau und Mause-Gorbitz. Die Entstehung dieser wunderlichen Spitznamen kann Reichert mit wenigen Worten erklären: "Cotta lag in den Elbniederungen und war ein relativ armes Dorf", so der Museum-Kustos. Dagegen seien die Löbtauer betuchter gewesen und besaßen zum Beispiel eine Kuh. Die Gorbitzer waren wiederum so arm dran, dass sie ihre engen Behausungen mit den Mäusen teilen mussten.

Die Sonderausstellung des Stadtmuseums ist ab morgen zu besichtigen. Sie läuft bis Ende September.

Mosaik der Großstadt - Historische Spurensuche in Dresden zwischen Cotta und Kamerun: 10. März bis 30. September im Stadtmuseum, Wilsdruffer Straße 2, Öffnungszeiten: Di. bis So. 10-18 Uhr, Fr. 10- 19 Uhr, Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 3 Euro; www.stadtmuseum-dresden.de

Führungen

am 30. März, 27. April und 11. Mai jeweils 15 Uhr, mit Friedrich Reichert

Vorträge

Zwischen "Goldenem Lamm" und "Schützenhof" - Trachauer Stadtteilgeschichte, Klaus Brendler (Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest), Freitag, 30. März, 17 Uhr

Multimedia-Vortrag zur Geschichte von Cossebaude (Heimat- und Verschönerungsverein Cossebaude), Freitag, 27. April, 17 Uhr

777 Jahre Weißig - Christian Kunath (Heimatforscher), Freitag, 11. Mai, 17 Uhr

Das Schweizer Viertel - Interessantes aus Geschichte und Gegenwart des ehemaligen Villenviertels - Hermann Neumerkel (Stadtteilhistoriker), Freitag, 20. Juli, 17 Uhr

Stadtteilrundgänge

Historischer Stadtteilrundgang durch Striesen-Ost - Gerd Hiltscher (Küster der Versöhnungskirche), Montag, 23. April, 16.30 Uhr, Treffpunkt: vor der Versöhnungskirche Striesen

Historischer Rundgang um den Wilden Mann in Trachenberge - Jürgen Naumann (Stadtteilhistoriker), Montag, 21. Mai, 16.30 Uhr, Treffpunkt: Endhaltestelle Wilder Mann der Straßenbahn Linie 3

Historischer Rundgang durch Leuben - Joachim Liebers (Ortsamtsleiter a. D.), Montag, 17. September, 16.30 Uhr, Treffpunkt: Rathaus Leuben

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.03.2012

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