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Spurensuche: Fasch-Aufführung des Dresdner Kreuzchores

Spurensuche: Fasch-Aufführung des Dresdner Kreuzchores

Es ist ohne Zweifel ein glücklicher Moment, wenn es gelingt, den gottesdienstlichen Charakter einer Kreuzchorvesper mit einem besonderen musikalischen Anspruch zu verbinden.

Das Repertoire des Dresdner Kreuzchores ist zwar ausgesprochen umfangreich, dennoch gibt es wichtige Werke der Chormusik, die in der Kreuzkirche noch nie gesungen wurden. Wie etwa die 16-stimmige Messe von Carl Friedrich Christian Fasch (1736-1800). Der Sohn des Zerbster Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch, der zunächst als Hofmusiker des Preußenkönigs Friedrich II. tätig war, gab mit der Einstudierung dieser Messe den Anstoß für die Gründung der Berliner Singakademie im Jahr 1791. Diese wurde schließlich zur Initialzündung des Entstehens zahlreicher bürgerlicher Konzertchöre in den folgenden Jahrzehnten.

Stilistisch zwischen Barock und Klassik angesiedelt, gehört die Misse a 16 voci wie auch das zweite in der Vesper aufgeführte Werk Faschs, Davidiana - aus den Psalmen nach Luthers Übersetzung, zu einer Epoche, die in den Programmen des Kreuzchores selten vertreten ist. Die Erfahrung mit der Musik des späten 18. Jahrhunderts, die Peter Kopp vorzuweisen hat, war so für die Aufführung mit dem Kreuzchor unter seiner Leitung unbedingt wertvoll. Der hohe Anspruch lag ja nicht nur in der Teilung des Chores in vier Gruppen zu vier Stimmen samt dem nötigen Zusammenhalt des Ganzen oder im Umfang der Stimmen. Gemeinsam mit den Solisten (Maria Perlt, Heidi Maria Taubert, Sopran; Vassilis Kavayas, Stephan Keucher, Tenor; Marlen Herzog, Alt; Cornelius Uhle, Bass) und den Continuospielern (Juliane Gilbert, Violoncello; Norbert Schuster, Kontrabass; Lucas Pohle, Orgel) formte sich des Besondere dieser Messe: Die erstaunliche Entfaltung des Klanges von feinem Piano, den in verschiedenen Solistenensembles emotional stark gestalteten Abschnitten bis hin zu einer aus der Stimmenvielfalt resultierenden Klangfülle von außerordentlicher Farbigkeit. Dabei war die Wirkung in der Summe immer leicht und durchsichtig. In seinen in acht Abschnitte gegliederten "Davidiana" verwendet Fasch klangmalerische Effekte zur bildhaften Ausdeutung der Psalmtexte, die Peter Kopp mit einer ausgeprägten Dynamik unterstrich. Hier wurde auch deutlich, wie stark Faschs Chorkompositionen bereits voraus in die Romantik weisen.

Nicht unerwähnt bleiben soll das Wort zum Sonntag, das diesmal Pfarrer Christian Wolff von der Leipziger Thomaskirche hielt. Schon länger gibt es einen regen Austausch mit der Kreuzkirche, und solche aufrüttelnd klaren und gegen alle Widrigkeiten und Banalitäten des Alltags mutmachenden Worte wünschte man sich an dieser Stelle öfter. Dass Wolff dabei die evangelische Kirche in kritischen Worten zur Fantasielosigkeit der Gestaltung von Gottesdiensten oder einer fragwürdigen Abkehr von den kirchenmusikalischen Traditionen nicht ausnahm, durfte man als nachdenkenswert mitnehmen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.04.2013

Hartmut Schütz

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