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Sportfreunde Stiller: Softpopper mit der Lizenz zur Hymne

Konzertrezension Sportfreunde Stiller: Softpopper mit der Lizenz zur Hymne

Was prasselt regelmäßig für eine Häme über Fans der Sportfreunde Stiller herein. Zu seicht, zu lieb. Mit vertonten Glückskeksen wurde die Musik kürzlich erst verglichen. Kurz: Band und Musik seien einfach uncool. Wer will, kann es aber auch andersrum sehen. Die Sportfreunde haben die Wohlfühl-Hymne perfektioniert.

Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller. In der Jungen Garde ließ die Band kaum etwas von ihren Hits aus.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Was prasselt regelmäßig für eine Häme über Fans der Sportfreunde Stiller herein. Zu seicht, zu lieb. Mit vertonten Glückskeksen wurde die Musik kürzlich erst verglichen. Kurz: Band und Musik seien einfach uncool. Wer will, kann es aber auch andersrum sehen: Die Sportfreunde haben einen Musik-Typus perfektioniert: Die Wohlfühl-Hymne, gern mit viel Pathos und immer ganz knapp am Kitsch vorbei.

Ihr Talent dafür bewiesen die drei Münchner einmal mehr am Samstagabend in der fast ausverkauften Jungen Garde. Knapp zwei Stunden lang reiht die Band Ohrwurm an Ohrwurm. Für die neue Platte „Sturm und Stille“, die im Herbst erscheint, bleibt da kaum Platz. Lediglich drei neue Stücke haben es in die Setlist geschafft, von denen nur „Zwischen den Welten“ länger im Kopf bleibt.

Denn das Publikum sehnt sich sowieso mehr nach den alten Stücken, und davon sind in 20 Jahren Band einige zusammengekommen. „Ein Kompliment“ war bei gefühlt der Hälfte der anwesenden Ehepaare Hochzeitslied, und sowieso: Die textsicheren Dresdner könnten zur Not auch ohne Band, laut genug singen sie jedenfalls mit. Das komplette Publikum steht, und das ganz ohne Murren. Es wird enthusiastisch geklatscht und Arme geschwenkt, Seifenblasen und Konfetti fliegen durch die Abendluft.

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Vor rund 500 Fans spielten die Sportfreunde Stiller am Sonnabend im Großen Garten.

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Und so stellt sich schon nach wenigen Liedern das typische Sportfreunde-Gefühl ein: Wohlfühlatmosphäre, man verbringt eine gute Zeit mit tollen Menschen. „Viel Spaß beim Schweben“ heißt es da ganz treffend im Opener „Raus in den Rausch“.

Die Sportfreunde reagieren darauf mit sichtlicher Freude. „Verdammt laut und euphorisiert“ seien die Dresdner. „Astreine Intonierung“ mit Semperoper-Erfahrung loben die drei auf der Bühne. Dafür gibt’s sogar Applaus für das Publikum, zumindest kurz. „Das machen wir nicht mehr, das ist Scheiße“, erdet Sänger, Gitarist und Teilzeit-Schlagzeuger Peter Brugger die kleine Eloge auf die Fans schließlich.

Sie seien schließlich die „Softpopper Deutschlands“, meint Peter Brugger. Ein Image, mit dem die drei ironisch spielen. Dabei ist die Frage, was Kritiker eigentlich erwarten. Für Hardrock und sozialkritische Texte sind andere Bands zuständig. Härter als das augenzwinkernde „Ich Roque“ wird es nicht. Die Sportfreunde konzentrieren sich auf das, was sie können: Gute Stimmung verbreiten, lagerfeuertaugliche Texte, die bei erstaunlich vielen Menschen einen Nerv treffen und Melodien, die sich schnell mitsingen und beklatschen lassen. Soziales Engagement muss nicht immer in Liedzeilen verewigt werden.

Von den großen Hits der Band fehlt fast nichts, als die „Gute Seite“ das Konzert schließlich beendet. Lediglich auf „54, 74, 90, 2006“ müssen die Fans verzichten, der Titel ist inzwischen ja überholt. Ganz am Fußball vorbei kommen die bekennenden Fans aber dann doch nicht. Geht nicht, wenn gerade eben Dynamo gespielt hat und überall im Publikum schwarz-gelbe Trikots zu sehen sind. Platz sieben orakeln die Sportfreunde für die Dresdner Sportgemeinschaft am Saisonende. Damit könnten wahrscheinlich alle Schwarz-Gelben gut leben, Sportfreunde-typisches Harmoniegefühl eben.

Von Stephan Lohse

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