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Spontinis "La vestale" konzertant in der Semperoper Dresden als Beitrag zum Wagner-Jahr

Spontinis "La vestale" konzertant in der Semperoper Dresden als Beitrag zum Wagner-Jahr

"La vestale" von Gaspare Spontini wurde 1807 in Paris uraufgeführt, 1811 war das Stück erstmals Berlin zu hören. Im gleichen Jahr gibt es in Neapel eine italienische Fassung, die setzte sich durch, "La vestale" wird zum erfolgreichsten Werk des Komponisten, der von 1774 bis 1851 lebte, in Paris führender Opernkomponist der Napoleonischen Ära war, 1819 von König Wilhelm III.

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Die Solistenriege (v.r.): Tichina Vaughn, Maria Agresta, Christopher Magiera, Francisco Araiza, Andreas Bauer und Tomislav Lucic.

Quelle: Matthias Creutziger

von Preußen zum Ersten Capellmeister und General-Musikdirektor der Berliner Hofoper ernannt wurde. Als er Berlin 1841 verlässt, ist seine Zeit vorbei, er zieht sich zurück, stirbt in seinem Geburtsort Majolati in der Nähe von Ancona, der heute nach ihm benannt ist.

Eine Vestalin ist Priesterin im antiken Rom - im Tempel der Vesta, Göttin des Herdfeuers, und hütet die heilige Flamme. Das ist so etwas wie Beamtentum auf Lebenszeit, nach 30 Jahren hat man ausgesorgt, der Preis aber bedeutet Liebesverbot und Jungfräulichkeit.

Zu einer solchen Priesterin wird in der lyrischen Operntragödie Spontinis die schöne Julia gegen ihren Willen, denn das Feuer der Liebe hat sie bereits erfasst und ebenso den römischen General Licinius. Als der aus dem Krieg gegen die Gallier zurückkommt, wird er vor jungfräuliche Tatsachen gestellt. Ein Fluchtplan der Liebenden scheitert an Julias Standhaftigkeit, das heilige Feuer erlischt, dem Geliebten droht der Tod, und Julia soll bei lebendigem Leibe eingemauert werden.

Der geliebte Feldherr nimmt allen militärischen Mut zusammen, stürmt den Tempel. Die Elemente und die Göttin Vesta selbst lässt so viel Liebesglut nicht ungerührt, der Blitz schlägt ein, das Feuer lodert wieder, und es geht geradewegs vom Tempel der Vesta in den der Venus. Da sind selbst Götter menschlicher, als es ihnen Machthaber von ihren Gnaden zugestehen, und religiös motivierter, politischer Übereifer scheint selbst Göttern verdächtig zu sein.

Spontini hat sein Werk 1844 in Dresden dirigiert, Richard Wagner auch, er hat es bearbeitet und eingekürzt, und so erklang es nun zu seinen Ehren in französischer Sprache im Jubiläumsjahr unter der Leitung von Gabriele Ferro mit der Sächsischen Staatskapelle und dem Chor der Staatsoper in einer konzertanten Aufführung. Wagner soll diese Musik gefallen haben, die Thematik "Liebesverbot" sicher auch. Dieweil er sich als Mann darüber schon mal hinwegsetzte, lässt er als Komponist seine liebeskranken Helden stundenlang leiden, das Publikum mitunter auch.

Die musikgeschichtlich sicher interessante Aufführung in der Semperoper dauert knapp drei Stunden mit Pause, Geduld braucht man schon.

Spontinis Musik tritt auf der Stelle. Man wird den Eindruck beständiger Wiederholungen nicht los, und wenn es doch eine Veränderung gibt, ist die Überraschung auch nicht so groß. Seltsam, wie spannungsarm die vielen rezitativischen Passagen verlaufen, wie rasch sich der hymnische Charakter des Werkes erschöpft. Dramaturgische Raffinesse zeichnet das Werk nicht aus, eigentlich läuft keiner der drei Akte auf einen richtigen Höhepunkt zu. Besonders lähmend wird es vor dem ersten Finale, wenn immer noch ein Satz endlos erscheinender Ballettmusik erklingt.

Am Pult der Staatskapelle waltet Gabriele Ferro als Dirigent seines Amtes. Etwas drohend wirkt der erhobene Stab in der rechten Hand, die Aufgeregtheit der mitunter flatternden linken kann den musikalischen Verlauf auch nicht so recht beflügeln.

Die Damen und Herren des Chores, von Pablo Assante vorbereitet, bewähren sich in Passagen von zarter Andacht, kalkulierbarer Entrüstung und systemerhaltendem Jubel.

Das Solistenensemble hinterlässt einen durchweg erfreulichen Eindruck. Schade, dass es ob der ungünstigen Platzierung links hinter den Streichern des Orchesters immer wieder akustische Einbußen gibt.

Die Sopranistin Maria Agresta gibt mit der von ihr facettenreich gestalteten Titelpartie als Julia ihr bemerkenswertes Debüt in Dresden. In der kommenden Saison ist sie wieder hier und singt in Verdis "Simone Boccanegra" die Partie der Amelia Grimaldi.

Christopher Magiera ist Spontinis römischer General Licinius, Francisco Araiza der Befehlshaber einer Legion und Tichina Vaughn die Oberpriesterin der Vestalinnen. Mit sonorem Bass und kraftvoll bestimmtem Ton gestaltet Andreas Bauer den Oberpriester. Knapp nur, in minimalen Auftritten, doch klanglich in guter Erinnerung, Tomislav Lucic als Konsul.

Am Ende der Eindruck, Spontinis "La vestale" bewege sich irgendwo zwischen Gluck und Rossini im musikalischen Niemandsland. Immerhin, eine Überraschung doch, die ist der konzertanten Aufführung geschuldet, man sieht mal, welche Kraft ein Musiker braucht, um das große Blech zu schütteln, wenn uns der Komponist erschüttern will.iweitere Aufführungen: 3., 6. Juni

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2013

Boris Michael Gruhl

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