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Spiel mit Licht und Zufall: Arbeiten von Norbert Frensch im Schaukabinett der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Spiel mit Licht und Zufall: Arbeiten von Norbert Frensch im Schaukabinett der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Die kleinen Ausstellungen im Schaukabinett der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden - es handelt sich um den Eckraum in der zweiten Etage zwischen Rayskis Werken und den Meistern des Impressionismus - sind nun schon Tradition.

Zuletzt sah man hier Bilder des Berliners Johannes Kahrs. Nun sind es "schwarze" Bilder des in Frankfurt am Main beheimateten, konzeptuell arbeitenden Norbert Frensch (geb. 1960). Was dem Besucher in diesem Ensemble von acht Werken zuerst ins Auge fällt, ist die Anwesenheit eines (neunten) "Fremdkörpers" - Auguste Renoirs "Bildnis des Capitaine Édouard Bernier" von 1871. Die Irritation dauert aber nur kurz. Dann fällt es einem förmlich wie Schuppen von den Augen. Den Künstler, der sich dieses Bild in seine Ausstellung wünschte, bezauberten offensichtlich neben der Korrespondenz mit dem von Renoir meisterhaft eingesetzten Schwarz die umso mehr das Licht und seine Reflexe einfangenden "goldenen" Knöpfe und Stickereien der Uniform des Capitaine. Auch in Frenschs Malerei nimmt das Licht einen wichtigen Platz ein.

Blickt man die Reihe der gezeigten Bilder entlang, wird man im glänzenden Schwarz schnell Differenzen und Verschiebungen entdecken, Schwankungen zwischen Helligkeit und undurchdringlichem Dunkel. Verweilt der Blick etwas länger, nimmt man größere oder kleinere Partien einer Schale in einem unbestimmten Raum wahr, kann - je nach vom Künstler gewählten Blickwinkel - mal mehr, mal weniger auch etwas von ihrem Inneren erhaschen. Nie erscheint sie ganz. Aber, da jeder weiß, was eine Schale ist, vollendet sich diese, dank der eigenen Vorstellungskraft, gewissermaßen als ein inneres Bild. Jeder kann sich den "Rest" imaginieren. Damit berührt Frensch von der Sache her Fragestellungen der Wahrnehmungspsychologie und der Erkenntnistheorie.

Gleichwohl: Er ist Maler - und zwar ein vorzüglicher. So wird es alles andere als langweilig, der Bilderreihe zu folgen. Man ist beeindruckt von dem wunderbaren Glanz der sichtbaren Partien der Schale, die sich in changierenden Grautönen abheben und der Malerei etwas Stoffliches, Metallisches verleihen. Dies erinnert an barocke Stillleben, auf denen metallene Krüge und Platten die Pracht von Früchten und Käsen, Meeresgetier und Wild verstärkten. In ihrem Wechsel von gedämpfter Helligkeit und Dunkel, der der Unbestimmtheit Raum lässt, wirken Frenschs Bilder geheimnisvoll und drängen Betrachter, sie immer wieder anzuschauen - auf der Suche nach noch zu Entdeckendem. Dabei wird man dann gewahr, dass die Grautöne in sich differieren, mal einen rötlichen oder grünlichen Schimmer zu zeigen scheinen.

Das Geheimnis dieser Wirkung ist eine durchaus ausgeklügelte, in vielen Jahren erprobte Technik, wobei - dies sei noch angefügt - das "Vorbild" der Bilder tatsächlich eine unterschiedlich beleuchtete Schale ist. Insofern ist der Hinweis von Kurator Matthias Wagner, das Vorgehen erinnere ein wenig an den Italiener Morandi, dessen ebenso stille wie einfache, oft auf dieselben Gegenstände zurückgreifende Stillleben, nachvollziehbar, wenngleich das Anliegen dieses Künstlers vielleicht eher auf die Kraft der Einfachheit zielte als auf mal- oder erkenntnistheoretische Aspekte. Aber in der scheinbaren Beschränkung auf wenige Motive und Farben sind sie sich ähnlich. Bei Norbert Frensch trifft man neben den seit 1992 entstehenden "schwarzen" Bildern noch auf Serien in Grau und Weiß/Grau. Allerdings nutzt er auch größere Formate, wobei er für die Präsentation in Dresden die eher kleineren vorgezogen hat.

Am Beginn der Arbeit an einem der "schwarzen" Bilder steht ein gespachtelter und geglätteter weißer Latexgrund. Darauf bringt der Künstler mit roter Acrylfarbe eine Zwischengrundierung auf. Auf diese wird mit schwarzer und weißer Ölfarbe in mehreren Schichten das Motiv gemalt. Danach lässt Frensch schwarzes Dammar - ein Harz aus südostasiatischen Laubbäumen - vom oberen Bildrand aus darüber laufen, so dass das gemalte Motiv damit komplett überdeckt wird. Anschließend legt der Künstler mit trockenem Pinsel das gemalte Motiv stellenweise wieder frei - solange das Dammar noch nicht getrocknet ist. Damit kommt der Zufall ins Spiel: Das Abtragen ist nur eine bestimmte, aber nicht voll vorherbestimmbare Zeit möglich, ist diese doch auch davon abhängig, wie dick die Schicht des Harzes ist, wie sich Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit gestalten. Ganz zum Schluss kommt noch eine Acryllackschicht über die Malerei, die dem Bild ein fast altmeisterliches Finish verleiht. Das alles kostet übrigens ziemlich viel Zeit, so dass Frensch immer an mehreren Bildern gleichzeitig arbeitet.

Wie der Künstler bei der Vorstellung der kleinen Schau erzählte, gelingt durchaus nicht jedes Werk. Er sprach von einer "Quote" 1:3. Die gelungenen aber haben eine große Anziehungskraft, ja Aura, scheinen sie doch immer noch etwas zu bewahren, was sich dem Betrachter entzieht. Sie verkörpern ein Kunstverständnis, das dem gebürtigen Mainzer, der von 1980 bis 1986 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Bernd Koberling studierte, wohl auch aus dem Bedürfnis, sich von zu Lautem abzusetzen, zugewachsen ist. Werke Norbert Frenschs sind in öffentlichen (Duisburg, Kaiserslautern, Wiesbaden, Sammlung der Bundesrepublik Deutschland) und privaten Sammlungen vertreten. Von einer der letzteren profitiert nun die Galerie Neue Meister. Zwei der Bilder des Künstlers werden in Dresden bleiben. Der Berliner Sammler Justus Stange hat sie erworben und den Kunstsammlungen geschenkt.

Bis 3. November 2013, täglich 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen,

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.10.2013

Lisa Werner-Art

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