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Spiel mir das Lied vom Tod- "Dresdner Totentanz 2013" vom 3. bis 17 März: Musik, Tanz, Ausstellung und Vorträge

Spiel mir das Lied vom Tod- "Dresdner Totentanz 2013" vom 3. bis 17 März: Musik, Tanz, Ausstellung und Vorträge

Die Gaillarde war einer der populärsten Tänze der Renaissance, ist in ihrer höfischen Form an sich bekannt und gut erforscht. Da wäre allerdings ein Ereignis, das durch verschiedene Zeugnisse überliefert, aber rätselhaft ist: Don Juan de Austria, der Anführer der vereinten christlichen Mittelmeermächte, der Heiligen Liga, tanzte anno 1571 im Angesicht der osmanischen Flotte kurz vor der Seeschlacht von Lepanto auf dem Deck seines Flagschiffes "Real".

Ob's am Tanzen lag? Jedenfalls gewann die Heilige Liga nach fünfeinhalb Stunden Kampf die Schlacht. Die Heilige Liga verlor nur 13 ihrer Schiffe. Die osmanische Flotte hingen musste 30 ihrer Schiffe selbst auf Grund setzen, über 60 weitere wurden versenkt. 12 000 Christen, die als Rudersklaven herhalten mussten, wurden von den eroberten Galeeren befreit. Mit dem Sieg der christlichen Flotille war der Nimbus der Unbesiegbarkeit der osmanischen Mittelmeerflotte gebrochen

Wie kommt es dazu, dass ein solcher Hoftanz auch von den Soldaten als eines Anführers würdig erachtet wird? Wie kommt ein christlicher Anführer überhaupt dazu, sich im Tanz auszudrücken? Fragen wie diese will Mareike Greb bei ihrem Vortrag "Die Gaillarde und ihr Erbe - ein mentalitätsgeschichtliches Porträt eines neuzeitlichen europäischen ,Kriegs'-Tanzes" ansprechen, den sie am 17. März, 13 Uhr, in der Dreikönigskirche hält. Um die Tanzkunst der Renaissance dreht sich dann alles bei einem anschließenden Workshop Grebs bis 18 Uhr. In diesem Kurs werden ausgewählten Choreographien des 15. und 16. Jahrhunderts erprobt. Dabei stehen die Ausführung der Tanzschritte im Mittelpunkt, die geschichtliche Einordnung der Tänze in ihr Umfeld sowie die gesellschaftlichen und sozialen Strukturen, die erst ihren Charakter ausmachen. Die Tänze sind laut Ankündigung "Spiegel ihrer Zeit und bieten Projektionsfläche für die Stärken und Schwächen der jeweiligen Tänzer, gerade in ihren unterschiedlichen Formen: vom erzählenden Kreistanz über repräsentative Schreittänze und belebte Sprungtänze, bis hin zu den Balletti des cinquecento".

Und 19 Uhr startet dann ein von Greb geleiteter und moderierter Ball mit Renaissancetänzen, zu dem Martin Erhardt (Einhandflöte/Trommel und Regal) und Thomas Friedlaender (Perkussion) die Musik beisteuern. Auch sonst bietet die diesjährige, sechste Auflage des Dresdner Totentanzes, einem von den DNN präsentierten Kunstprojekt von Thomas Friedlaender und dem Kunstdienst der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen, vom 3. bis 17. März in der Dreikönigskirche ein buntes Spektrum an Veranstaltungen.

Zum Auftakt des Totentanz-Reigens am Sonntag erklingt unter dem Motto "Eile mich, Gott, zu erretten" Klage- und Trauermusik des 16. und 17. Jahrhunderts, dargeboten von Maria Skiba (Sopran), Thomas Friedlaender (Zink), Ercole Nisini (Posaune) und Klaus Eichhorn (Orgelpositiv, Regal). Auf dem Programm stehen unter anderem Kompositionen von Orlando di Lasso, Samuel Scheidt (Warum betrübst du dich mein Herz) und Giovanni Pierluigi da Palestrina.

Das Konzertprogramm ist mit einem Vortrag von Arndt Kiesewetter vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen zum Dresdner Totentanz verzahnt. Dieses Sandsteinrelief von 1534 zeigt einen Zug von 27 Figuren, die dem Tod, der ein Stundenglas in der Hand hält und die Schalmei bläst, folgen, darunter auch der Auftraggeber, Herzog Georg von Sachsen. Bis etwa 1700 schmückte das Relief das Georgentor, seit 1991 befindet es sich in der Dreikönigskirche.

Als Vorstufen der Totentänze werden verschiedenste Vorstellungen, literarische Quellen und Bilder diskutiert: Riten aus dem Bereich der Bestattungs- und Memorialkultur, Reaktionen auf drohendes Unheil, etwa Kriege und Seuchen, der Glaube an mitternächtlich spukende Geister, Gedichte, deren Strophen jeweils mit der Formel "vado mori" (ich gehe sterben) beginnen, die Legende von der Begegnung der drei Lebenden und der drei Toten. Letztlich ist es aber unmöglich, eine eindeutige Entwicklungslinie zu skizzieren.

Totentänze waren in Spätmittelalter und dann auch der Renaissance ungemein populär. So sagte vielen der egalisierende Aspekt des Todes zu, vor dem alle gleich sind, der in den alten Darstellungen gar den Armen immer etwas freundlicher gegenübertritt als den Mächtigen und Reichen. So hatten die Totentänze zur Freude nicht zuletzt der Obrigkeit eine geradezu stabilisierende Funktion in der Ständegesellschaft, indem sie auf eine später folgende Gerechtigkeit verwiesen.

Auch die Funktion, zum gottgefälligen Leben aufzurufen, ist nicht zu vernachlässigen. Der Tod kündigt in den alten Dialogen meist an, wohin der Weg führen wird: zum Gericht. Und dort gibt es im Mittelalter nicht nur die Möglichkeiten Himmel oder Hölle, sondern auch das im 12. Jahrhundert als Idee aufgekommene "Purgatorium", das Fegefeuer, in dem für Sünden gebüßt werden muss. So hatte der Totentanz einen starken Bezug zum Leben, indem er zu einem Leben in der "gottgegebenen" Ordnung aufrief, zu einem "sündenfreien" Leben in dem Stand, in den man hineingeboren war und den niemand verlassen konnte.

Ein Bogen von Liebe, Heldentum, Tod, Angst und Sterben bis hin zu Seelenfrieden wird dann am 9. März, 19 Uhr gespannt: von der indischen Tänzerin Shany Mathew, die von dem Ungarn Zoltan Lantos auf der Geige und dem Inder Yogeshwaran Manickam (Tabla, Mrdangam, Gesang, Flöte) musikalisch begleitet wird. Shany Mathew wurde 1979 als Kind indischer Eltern in Heidelberg geboren. 1997 feierte sie in Deutschland zusammen mit ihrem Lehrer und Musikern aus Indien ihr Tanzdebüt (Arangetram),

Zu einer Kunstbetrachtung von Heinrich Magirius, Landeskonservator i.R., zur Renaissancestadt Dresden wird dann am 19. März, 19 Uhr, eingeladen. Mit dem Residenzschloss, der Brühlschen Terrasse, dem Totentanzrelief und dem Moritzmonument sind noch heute Spuren der Renaissance erkennbar geblieben, deren "Schönheit und Bedeutung in Erinnerung gerufen zu werden verdienen". Passend dazu spielt Andreas Arend aus Berlin auf der Laute.

iBeginn am Sonntag, Ticketbestellungen für alle Veranstaltungen unter Tel. 0351/ 8033914. Einen Vorverkauf gibt es nur für die Veranstaltung am 9. März unter www.mzdw.de. Abendkasse: 1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

vom 5. bis 16. März (täglich 10-18 Uhr, Eintritt frei) kann das Relief von 1535 aus allernächster Nähe in der Dreikönigskirche über ein begehbares Gerüst in 4 Meter Höhe unter dem Titel "Totentanz in Augenhöhe" betrachtet werden

www.dresdner-totentanz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.02.2013

Christian Ruf

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