Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Spiegelung - Malerei und Zeichnung von Almut Zielonka im neuen Blickpunkt Forststraße

Spiegelung - Malerei und Zeichnung von Almut Zielonka im neuen Blickpunkt Forststraße

Im Eingangsbereich des neu organisierten "Blickpunkt Forststraße" trifft man links auf das grün temperierte Bild eines jungen Mannes, der ein heranwehendes Blatt beobachtet, rechts in warmem Gelb-Orange das eines versonnenen Puppenspielers auf einer Stadtbank.

Voriger Artikel
St. Pauli Ruine kommende Saison regensicher - Spielbetrieb startet 26. Mai
Nächster Artikel
Ausnahmegeigerin MIdori gibt Konzert und Meisterkurs an Dresdens Musikhochschule

Almut Zielonka: Bücher, Öl/Hanf, 2011. Repro: Katalog

Zentral hängt die "Spiegelung". Auf dieses Gemälde, das der Ausstellung den Titel gibt, läuft der Besucher gerade zu. Es erweist sich als eines der gleichnishaften Selbstbildnisse, mit denen Almut Zielonka schon 1999 in der Porträtausstellung des Bautzener Kunstvereins mit ihrem Selbstbildnis "Am Brunnen" Aufsehen erregte. Damals fand sie ihr Konterfei tief unten auf dem Wasserspiegel. Heute ist es die Spiegelung auf einer Straße. Sie sucht zu ergründen, inwieweit die Erscheinung das Wesen einer Persönlichkeit offenbart. Sie steht mit beiden Beinen auf dem Boden, doch der erweist sich als nass und glatt. Sturm (oder Mutwille?) mag eine Absperrung zerrissen, die Staffelei umgeworfen und das Tagwerk der Malerin beschädigt haben. Was also wird bestehen? - Der Schatten, der die Figur widerspiegelt, bleibt ein überraschendes, aber unvollständiges und vergängliches Trugbild.

Als Malerin will Almut Zielonka bestimmten Anblicken Dauer verleihen. Herkömmliche Idyllen interessieren sie nicht. Hingegen gibt es Orte, die von Menschenhand geschaffen, nach ihrer Zweckerfüllung über Nacht verlassen, oder ganz verworfen und dem Verfall preisgegeben werden. Parkplätze, Betriebshöfe und Fabriken, die leer stehen, die wegen ihrer zeitweiligen Notwendigkeit jedoch kaum in Frage gestellt werden, sieht sie als markante Zeitzeichen. Zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten beobachtet sie, wie sich eine Tiefgarageneinfahrt verhalten belebt, wie ein Hund einsam in die Unterführung hinein schnürt, oder wie ein aufgeschreckter Schwarm Möwen aus einem Baugraben aufsteigt.

Almut Zielonka zeigt ihre Freude und ihre Lust am Sehen. Niemals sind ihre Arbeiten bloße Anklage. In surrealer Heiterkeit lässt sie bunte Folienfetzen über Deponien flattern. Licht gleißt in streifigem Farbenspiel über die maroden Wände, die sich hinter dem Fabrikvordach erheben, auf dem ein junges Paar sein Rückzugsgebiet gefunden hat. Knüllpapier sammelt sich unter Stadtbänken wie anderenorts welkes Laub. Schon 1995 formulierte sie: "Mir geht es um eine Haltung, die sich nicht scheut, die Dinge zu sehen, wie sie sind, die gleichzeitig aber der Menschenwürde keinen Abbruch tut. Ich sehe eine geistige Aufgabe von heute darin, der Frustration entgegenzuwirken, ohne zu beschönigen, sich mit dem verneinenden Element auseinander zu setzen, um letztlich das Bejahende zu erhalten." Solch tiefgründige, einfühlsame und lebensbejahende Worte künstlerisch adäquat und konsequent umzusetzen, bedeutet höchsten Anspruch.

Die Künstlerin arbeitet mit gezielter Lichtregie und bewusst einfachen, aber wirkungsvollen Raum-Inszenierungen. Hiermit, wie auch mit der aufwendigen Arbeitsweise in der mehrschichtig lasierenden Ölmalerei auf Leinwand oder anderen Geweben, bekennt sie sich zu ihrer Verehrung für die alten Meister, namentlich Rembrandts. Sie folgt der Zeitspur der Menschheit, deren weiterer Verlauf unabsehbar ist. Indem sie an der künstlerischen Spiegelung des eigenen Zeitgeschehens mitwirkt, spürt sie ihr "Mitschwingen mit der Zeit" und ihre Möglichkeit, den Anblick der Dinge einmal heraus nehmen zu können, "aus der verändernden Kraft der Zeitabläufe." Dabei verleihen ihre unkonventionellen Gemälde und Zeichnungen dem Prinzip Hoffnung immer stärkeres Gewicht.

Motive von Spiegelungen, Licht- und Schattenspielen ziehen sich wie ein roter Faden durch Almut Sophia Zielonkas Malerei. Mitunter erscheinen sie als Triebkräfte in ihren Bildern. Und obwohl sie dinglich nicht wahrgenommen werden können, sind sie es auch, die die Dinge optisch modellieren und die atmosphärische Stimmung wesentlich beeinflussen. Die Atmosphäre selbst wird sichtbar und gewinnt geistige Dimension, denn die Bautzener Malerin räumt ihr ungewöhnlich viel Wirkungsraum ein. Ihr zentrales Thema bleibt jedoch die Suche nach dem Menschen als soziales Wesen in unserer Zeit: seinem Wollen und Können und nach einem wahren, selbstbestimmten Leben. Dies bestätigt auch die Reihe ausdrucksstarker Zeichnungen, die innerhalb der umfangreichen Ausstellung in den beiden Wartebereichen der Praxisklinik psychologisch fein gestimmte Akzente setzen. An der Rezeption ist ein Katalog erhältlich.

Bis 28. Januar, Blickpunkt Forststraße, Praxisklinik Herz und Gefäße, Forststraße 3, Mo-Do 7.30-19 Uhr, Fr 7.30-14 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.01.2012

Jördis Lademann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr