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Spaß mit Kater, Kasper und Kokoweh - 21 Inszenierungen beim 27. Hohnsteiner Puppenspielfest

Spaß mit Kater, Kasper und Kokoweh - 21 Inszenierungen beim 27. Hohnsteiner Puppenspielfest

Wie unrealistisch Märchen sind lehrt jedes Mal aufs Neue ein Blick auf die Katzen. Eigentlich ist es unvorstellbar, dass so ein schnurrendes, faules Fellknäuel sich jemals auf seine Hinterpfoten erheben, ein Ministeramt anstreben, Zauberer verspeisen und einem eine Prinzessinnen zuführen würde, gar zu sprechen anfinge.

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Aber wahrscheinlich hat man als Kind das Märchen vom gestiefelten Kater ganz falsch gelesen. Vielleicht ist das Grimmsche Werk weniger eine heitere Traumerfüllung oder Aufstiegsfantasie kleiner Leute, sondern vielmehr eine gallige politische Satire? Der tumbe Müllersohn, der zum König wird? Ein manipulierter Schwindler! Der ebenso dreiste wie einfallsreiche Kater? Ein von der Angst ums eigene Leben getriebener Trickser, Scharlatan und "spin doctor", der die armen Bauern am Feld mit dem Tode bedroht, sollten sie nicht seine Lügen dem König gegenüber bestätigen - was für ein aufrührerisches Bild von der Obrigkeit, vom Monarchen und seinem "ersten Minister" wird da eigentlich wie beiläufig in dem Kindermärchen entworfen, das die Grimms bei Charles Perrault entlehnten, der seinerseits Beamter am nicht ganz intrigenfreien Hofe Ludwigs XIV. war? Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass der 1812 erstmals publizierte "Gestiefelte Kater" sieben Jahre später aus der Grimm-Gesamtausgabe wieder vertrieben wurde. Seiner Popularität hat die Selbstzensur nicht geschadet, so wenig wie all den faulen Fellknäueln im Land, einem Königreiche und Traumprinzen(innen) zuzuführen.

Das Märchen vom gestieftelten Kater ist auch beim 27. Hohnsteiner Puppenspielfest zu sehen, das vom 1. bis 3. Juni wie alle Jahre wieder auf Burg Hohnstein stattfindet. Ein paar Laken und Klammern, eine Zeitung und viel Humor genügen Jana Sonnenberg vom Theater Randfigur aus Zempin, um den Kater als "interaktives Wäschetheaterstück" entstehen zu lassen und zu zeigen, wie ein kleiner, anfangs unterschätzter Held durch List ein ganzes Volk von einem bösen Zauberer befreit.

Zum Auftakt des vom Hohnsteiner Puppenspielfest e.V. und der Stadt Hohnstein veranstalteten und durch den Kulturraum Meißen - Sächsische Schweiz - Osterzgebirge geförderten Festivals am Freitag, 20 Uhr, präsentieren die Ensembles exen aus Erfurt und Marotte aus Karlsruhe im Burgsaal ihre Koproduktion "Die Geierwally", die Geschichte einer selbstbewussten Frau, die sich trotzig gegen eingefahrene familiäre und gesellschaftliche Strukturen stemmt.

Alles in allem sind es 21 Inszenierungen, die am Sonnabend und Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr von Solokünstlern oder Ensembles dem (wohl vor allem jungen) Publikum vorgestellt werden. Es geben sich u.a. die Ehre: Michel aus Lönneberga (Theater Blaues Haus Krefeld), Ritter Rost (Mensch Puppe aus Bremen) die Bremer Stadtmusikanten (Figurentheater Cornelia Fritzsche), Fritz Rasselkopf (Jan Mixsa aus Berlin) ... Natürlich hat auch der Kasper seinen Auftritt, der für die meisten Erwachsenen eine liebe Erinnerung an die Kindheit und für die Kinder ein Teil der großen Welt mit all ihren Wundern ist. Er trifft in der Inszenierung der Langeooger Puppenkiste auf das Kokoweh.

Explizit für Erwachsene und größere Jugendliche ist die Inszenierung "Die Bremer Stadtmusikanten" des Berliner Theaters Zitadelle gedacht. Moderne Stoffe finden sich im Spielplan, aber auch etliche alte, gleichwohl aufgepeppte Märchen, was nicht schaden kann, meinte doch schon Goethe 1795 in einem Brief an Schiller: "Selig sind, die da Märchen schreiben, denn Märchen sind à l'odre du jour", also das Gebot der Stunde.

Natürlich gibt es auch Unterhaltung für drumherum und mittendrin: Ponyreiten, einen Stand mit Kakuspuppen und einen mit einer Schnitzwerkstatt und im Pavillon eine Ausstellung mit Puppen und Requisiten von Stella Jabben vom Theater Blaues Haus aus Krefeld. Mittelalterliche Musik auf Sackpeife und Trommel steuern Hansjörg Hertwig und Teddy Frederick bei, die Gruppe Krambambuli will am Sonnabend mit zeitloser Musik von Musette bis Jazz und Folklore sowie Swing der 20er/30er Jahre das Gelände beschallen, vorzugsweise Burghof und Burggarten natürlich. Alles in allen gibt es zehn Spielstätten, zu denen der Platz vor dem Rathaus, die Kirche und das Puppenspielhaus in der Stadt gehören.

www.hohnsteiner-puppenspielfest.de

Tageskarten: Kind 8, Erwachsener 12, Familie 30 Euro

Beide Tage: Kind 12, Erwachsener 20, Familie: 50 Euro

Abendveranstaltungen: 10 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.05.2012

Christian Ruf

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