Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Google+
Spaß ganz ohne Känguru: Marc-Uwe Kling und Co mit intelligentem Rock

Spaß ganz ohne Känguru: Marc-Uwe Kling und Co mit intelligentem Rock

Wir reden nicht über das Känguru. Kein Wort von dem Beuteltier - weder auf den Ankündigungshinweisen noch auf dem Konzert selbst. Billige Werbeaktion sind Marc-Uwe Klings Sache nicht.

Aber natürlich weiß trotzdem jeder Bescheid; die Schlange vor dem Alten Schlachthof würde sich sonst kaum eine halbe Stunde lang bis weit hinter die Geländeabsperrung erstrecken. Viel junges Volk bis Anfang, Mitte 30 - also in etwa im Alter Klings, der 1982 im beschaulichen Stuttgart geboren wurde, aber auch deutlich Ältere, die den anarchischen Humor des Autors lieben. Nach Anfängen in der Berliner Kleinkunstszene ist Kling mittlerweile deutschlandweit durch bislang drei Bücher mit dem kommunistischen, Nirwana hörenden Känguru, diverse Radio- und Fernsehauftritte bekannt. Das Känguru ist ein Nassauer vor dem Herrn, will die Welt vor der imperialistischen Übernahme des Pinguins retten, hat das asoziale Netzwerk gegründet und ist: Kult.

Spaßpunk, Spaßrock, Spaß - haben

Und die Schlachthof-Besucher werden nicht enttäuscht: Der Humor der Geschichten aus dem Leben des sprechenden Beuteltiers, der bei dem "Kleinkünstler mit Migränehintergrund" einzieht, findet sich auch in den Texten, in der ganzen Machart der Musik jener Truppe, die unter "Marc-Uwe Kling mit Michael Krebs und Julius Fischer + Band" auftritt. Dieses zunächst Bestätigen, dann Konterkarieren der Hörerwartungen; immer wieder eine neue politisch unkorrekte Volte - das macht schlichtweg Spaß.

Den fünf Menschen auf der Bühne - jenes "+ Band", an anderer Stelle auch die "Pommesgabeln des Teufels" genannt, steht für "Boris the Beast" am Bass und einen sehr fähigen Drummer, dessen Namen beim besten Willen nicht zu verstehen und auch im Nachgang nirgendwo zu finden war, die Krebs am Keyboard und Kling und Fischer an den Gitarren unterstützen - ebenso wie der schwitzenden Menge im fast ausverkauften Saal.

Känguru-Kenner müssen gleich bei den ersten Tönen grinsen, denn die erinnern entsetzlich an Rammstein und rufen somit ebenso Assoziationen zu "Krankenhaus" und "Die kranken Schwestern" hervor, den Bands des Beuteltiers, wie zu Marc-Uwe Klings Feststellung an anderer Stelle, wie schrecklich es sei, dass man sich in der Welt an Rammstein erinnert, wenn es um deutsche Kultur geht. Und der Text? "Was wirst du tun, wenn sie.... (lauter schreckliche Dinge machen)". Pointe: "Ich pass mich an."

Es ist Spaßpunk, Spaßrock, Spaß - haben. Musikalisch auf hohem Niveau. Nicht nur das Gedröhne von Rammstein scheint auf, da meint man im Zusammenspiel von Drums und Gitarren mal die legendären Libertines grüßen zu hören, mal werden mit Synthie-Klängen die 80er aufs Korn genommen, mal erklingt gar ein Tango. Und "Die To-do-Listen" wird mit einem langen, gekonnten E-Piano-Intro eingeleitet und ist eine veritable Ballade. Verschleppt - denn: Es geht ums Aufschieben, fremwort-neudeutsch Prokrastination. "Ich wollte eigentlich noch eine zweite Strophe schreiben", ist die Text-Pointe.

Kennen Sie diesen Pinguin?

Den Gesang übernehmen die drei namentlich genannten abwechselnd, alle passabel, Fischer am wenigsten überzeugend. Bei Kling ist es natürlich immer wieder der Wiedererkennungseffekt - denn die "Känguru"-Bücher kennt man eher von ihm vorgetragen, als selbst gelesen. Und sie rocken den Schlachthof, durchaus. Mehr und mehr fallen bei Mitsing-Parts ein, und als der endgültige Abschied zelebriert wird, sind fast alle dabei. Ist ja auch eine Zeile, die die meisten aus vollem Herzen singen können: "Leute, ihr könnt mich alle mal am A... lecken, Leute." Das befreit. Wie das Känguru.

PS. Kennen Sie diesen Pinguin?

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.06.2015

Beate Baum

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr