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Spanisch-kanadisches Traumpaar in der in Dresden gastierenden "West Side Story"

Spanisch-kanadisches Traumpaar in der in Dresden gastierenden "West Side Story"

Auf der Bühne rühren sie zu Tränen. Als Maria und Tony in Leonard Bernsteins "West Side Story" empfinden sie Liebe auf den ersten Blick und schwören sich ewige Treue.

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Tony war mal ein Jet, Maria ist die Schwester des Anführers der rivalisierenden Sharks. Eine Liebe mit tragischem Ausgang.

Quelle: Angelika Warmuth

Die hält zwar tatsächlich bis zum letzten Atemzug Tonys, doch dazwischen liegen nur gut 24 Stunden. Das tragische Ende des Musicals ist bekannt, es basiert auf Shakespeares Tragödie von Romeo und Julia. Seit mehr als 400 Jahren berührt die wohl berühmteste Liebesgeschichte der Weltliteratur die Herzen der Menschen.

Im echten Leben sind die Darsteller von Maria und Tony zwei herzerfrischend junge Leute, die derzeit mit dieser Produktion durch die Welt ziehen. Die Spanierin Elena Sancho Pereg und Liam Tobin aus Kanada sind derzeit mit dem Broadway-Klassiker in Dresden zu Gast und nahmen sich trotz ihrer enormen Bühnenpräsenz Zeit für ein völlig entspanntes DNN-Gespräch. Sogar einige Eindrücke der Stadt konnten sie schon sammeln, fühlten sich an Leipzig erinnert, wo die Tour im vorigen Jahr Station machte. Unisono schwärmen die beiden vom besonderen Charme ostdeutscher Städte, aufgefallen ist ihnen die freundliche Mentalität, auf die sie hier stießen.

Elena Sancho Pereg, die aus San Sebastian stammt und eine ausgebildete Opernsängerin ist, zeigt sich beeindruckt vom weiten Horizont, der in Dresden erlebbar ist. "Diese Weite fürs Auge, man atmet da gleich ganz anders", meint sie. In den nordamerikanischen Großstädten, wo sie sonst oft gastiert, kennt sie das nicht. Liam Tobin, der in Toronto zu Hause ist, geht es ähnlich, er hat vor allem ein Auge für die architektonischen Schönheiten hier und stattete als erstes der Frauenkirche einen Besuch ab.

Ihre diesjährige Tour begann nach einer Probenphase in Essen Ende Juni in Neapel, führte sie über Montpellier und Monte Carlo nach Sachsen, bevor es im August für nicht weniger als sieben Wochen nach London weitergeht. Bis ins Frühjahr 2014 zieht sich der Trip quer durch Europa. Im Gegensatz zum Rest der Company sind die beiden Hauptpartien doppelt besetzt. Elena und Liam bestätigen, was man schon aus der Zuschauerperspektive gespürt hat - sie sind ein Traumpaar in ihren Rollen und gehen in dieser Bühnen-Beziehung ganz auf. Jetzt in der Semperoper gastieren zu dürfen, die sie als "Deutschlands schönstes Opernhaus" bezeichnen, empfinden die jungen Künstler als "ganz großes Glück". Mit erheblich Fortune kamen sie vor gut einem Jahr in dieses Ensemble. Mehr als eintausend Bewerber sind bei diversen Castings angetreten, um bei der "West Side Story" mitwirken zu können.

Wie muss man sich so ein Reiseunternehmen vorstellen, wird da nur aus dem Koffer gelebt, gibt es überhaupt Zeit für ein Privatleben? Hier offenbaren sich erhebliche Unterschiede zwischen der schönen Spanierin und dem großen Kanadier. "Ich lebe wie eine Zigeunerin", räumt Elena Sancho Pereg ein, "und bin auf der ganzen Welt zu Hause." Sie hat vor ihrer Maria im Musical bereits in zahlreichen Opern mitgewirkt, war Blondchen in Mozarts "Entführung", sang die Musetta in Puccinis "Bohème", konnte in Benjamin Brittens "Peter Grimes" und "Albert Herring" punkten. Erstaunlich, dass sie beide Genres stilistisch unter einen Hut zu bringen versteht: "Während mehrwöchiger Tourpausen, die es ja auch gibt, bin ich immer wieder für Oper und Konzert unterwegs." Händels "Messias", Mozarts "Requiem", italienisches Repertoire von Vivaldi bis Pergolesi - die schauspielernde, tanzende Sopranistin ist äußerst vielseitig in ihrem Metier. Erst kürzlich war sie als Gilda in Verdis "Rigoletto" zu erleben. Man hätte aber nach Belgien reisen müssen dafür.

Ihren Bühnenpartner zieht es, wenn er mal frei hat, gern in die Heimat Toronto. Dort ist Liam Tobin als Schauspieler, Sänger und Tänzer ausgebildet worden, dort hatte er auch seine ersten Engagements an diversen Theatern. Und manchmal spürt er beim vielen Unterwegssein so etwas wie Heimweh, jetzt allerdings freut er sich auf den baldigen Besuch seiner Freundin. Vielleicht wird er ihr dann die Dresdner Neustadt zeigen, ein Ziel, das er schon bald mit den Künstlerkollegen erkunden will. - Der Mann aus Kanada kennt das Szeneviertel?! "Aber ja, wir haben doch auch Europäer in unserer Truppe, die haben gesagt, da müssen wir unbedingt hin."

Man darf sich das durchweg internationale Ensemble, das sich im Musical so zerstritten geben muss, durchaus als eine große Familie vorstellen. Und doch, so berichten die beiden, gehen manchmal eher die Darsteller der Jets und die der Sharks miteinander aus. Bei der "Zigeunerin" Elena Sancho Pereg ist das noch ein wenig anders. Sie ist mit einem der Holzbläser aus dem ebenfalls multinationalen Orchester liiert und will unbedingt einen Ausflug gen Sächsische Schweiz unternehmen.

Die Musiker sind im Gegensatz zum Bühnenpersonal nicht immer in gleicher Besetzung bei der Tour mit dabei. Es gibt einen festen Stamm insbesondere von Bläsern und Schlagzeugern, die für den jazzigen Sound sorgen und nicht so rasch ersetzbar wären. Elenas "Holzbläser" ist so ein Fall. Er beherrscht wie so manche seiner Kollegen Saxofone, Klarinetten und Flöten. Die meisten der Streicher jedoch werden nur für einzelne Stationen verpflichtet, im Moment ist eine relativ kleine Besetzung mit baltischen Musikern dabei, mit denen das Musizieren viel Spaß mache, wie die beiden Solisten bemerken. Wenn anderswo wieder mehr Violinen, Celli und Bässe mitwirken, ändere sich der Sound, müsse neu geprobt werden. An allen Orten dieser Tournee gibt es neue Erfahrungen, neue Herausforderungen auch, da wird es nie langweilig.

Das tragische Paar - im Gespräch hinter der Bühne ist es am Lachen, durch und durch optimistisch. Ihr bewegter Beruf macht ihnen viel Freude, auch wenn sie das Publikum in aller Welt zu Tränen rühren.

i"West Side Story", bis 4. August täglich in der Semperoper

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.07.2013

Michael Ernst

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