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Spain mit Josh Haden überzeugen in der Tonne

Spain mit Josh Haden überzeugen in der Tonne

Dass er als Zugabe noch dieses "Fighter" brachte. Diesen Archetyp eines Spain-Songs. Das hat diesen Unterschied offenbar werden lassen, den Unterschied zwischen Songs wie eben "Fighter" und so einigen anderen dieses Abends mit Spain aus Los Angeles.

Um es vorwegzunehmen: Es war ein guter Abend. Drei Zugaben, selige Gesichter und eine gut gelaunte Band. Spain im Jazzklub Tonne passt auch schon mal hervorragend. Denn Spain-Songs sind eine überschaubare Menge Klang, und diese Menge fügte sich geschmeidig in das Kellergewölbe. Und dann macht das Trio ja sowieso so etwas wie Musik in Zeitlupe. Slow Blues, nur mit Popsüße. Aber so bitterer Süße, wonach Melancholie irgendwann schmeckt, wenn man nur lange genug drauf herum kaut.

Und so spürte man im Publikum mit dem Applaus nach jedem Song schon die Vorfreude auf den nächsten. Denn Spain gehören zu den Livebands, bei denen man auf jedes Lied, auf jeden Ton wartet, sich freut, weil sie bei aller Schwere und Bitternis einen doch irgendwie behüten. Und Josh Haden, Sänger, Bassist und Gründer von Spain, tat mit wohltemperiertem Gesang sein Übriges. Und das ging auf. "Love at First Sight", der Opener des 2014er Albums "Sargent Place" zugleich Konzerteröffnung, dann "From the Dust". Und "Ten Nights" vom grandiosen Debüt "The blue Mood of Spain" (1995). Das war Wegweiser für den Abend: Letztes Album, erstes Album - und ein paar Songsprengsel von den drei Alben dazwischen, wie "Every Time I try", "Nobody has to know", "You were meant for me".

Vom Debüt gab's etwa "Spiritual" und sogar "World of Blue", der 14-Minüter, vor dem Gitarrist Randy Kirk noch fragte: "Seid ihr sicher?". Klar war man sich sicher. Und dann die beiden Schwergemüter in Schwarz "Ray of Light" und "Untitled #1", die im Publikum ankamen wie zwei alte Bekannte, denen man nach 20 Jahren mal wieder und persönlich die Hand schüttelt.

An beiden Songs zeigte sich aber auch der Stolperstein des Abends, der Unterschied zu "Fighter", das Josh Haden präzise wie einen kleinen Gospel darbot, jeder Ton saß, Kirk und Matt Mayhall (Schlagwerk) gaben Ihres zum Chor und filigran Instrumentelles hinzu. Denn so sind Spain-Songs: reduzierter Klang, Song-Essenz. Jeder Ton, jeder Schlag, jede Silbe sitzt. Harmonie ist, was zu Spain gehört. Eine Spain-Zutat. Das macht die Langsamkeit und Schwärze der Lieder überhaupt verdaubar. So brennen sich Josh Hadens Lieder ins Gehirn.

Aber wenn er, wie hier, live variiert, abweicht vom Liedschema, dann wehrt sich so ein Hirn und ruft: "Der schludert!". Und Haden in der Tonne machte es immer wieder: Er setzte die Liedzeilen aus dem Bauch raus, brach Melodien ab, ging rhythmisch aus dem Gefüge der guten alten Songs. Nicht komponiert, nicht präzise wie in "Fighter". Nur kann ein Gewohnheitshirn sehr "stur" sein, und das Label "Schludrigkeit" durch "Intuition" zu ersetzen ist innerhalb von zwei Konzertstunden nicht eben einfach - auch nicht, wenn dann mit der Zugabe "Fighter" noch ein "Na, es geht doch" hervorbricht. Das kantig-groovige "Sunday Morning" oder "In my Soul" vom letzten Album rutschten da an diesem Abend leichter ins Ohr. Hier sind auch für Haden selbst die Songs vermutlich unverbraucht und machen live so einen überharmonischen Fighter-Refrain und Konzertende "To block out, the lie of giving, to carry out the deeds we pay" möglich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.03.2015

Robert Kaak

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