Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Spätlese - Ulf Göpfert-Ausstellung in der Dresdner Weinbergkirche

Spätlese - Ulf Göpfert-Ausstellung in der Dresdner Weinbergkirche

Den Dresdnern ist der Maler Ulf Göpfert (geb. 1943 in Freiberg/Sachs) auch als Dezernent für Kultur und Tourismus bekannt, ein Amt, das er von 1990-1994 ausübte.

Seiner Initiative ist auch die sorgfältige Restaurierung des ehemaligen Bürgerhauses Königstraße 15 zu danken, in dem sich jetzt das Kulturrathaus befindet. Ebenso setzte sich Ulf Göpfert als langjähriges Vorstandsmitglied der IG Weinbergkirche Pillnitz e.V. für die Restaurierung der Weinbergkirche ein und betreute und organisierte dort die musikalischen Veranstaltungen. In der Weinbergkirche ist jetzt eine Ausstellung zu sehen, die Ulf Göpferts wichtigste Arbeiten der vergangenen Jahre zeigt.

Bereits in den 1970/80er Jahren und nach der Wende hatte sich der Sohn eines Architekten an verschiedenen öffentlichen Gebäuden mit baugebundenen Arbeiten (VEB Kabelwerk Meißen), Stadthalle Burg, MDR-Foyer eingebracht. Nach einer Tischlerlehre mit Abitur nahm er zunächst privaten Malunterricht bei dem Maler und Grafiker Hermann Naumann, arbeitete danach als Möbelrestaurator in den Schlössern und Kunstsammlungen von Weimar, Dresden und Potsdam Sanssouci. Die Gründung einer Familie und die daraus entstehenden Verpflichtungen verhinderten zunächst den direkten Weg zur Kunst. 1983 hatte er seine erste direkte Begegnung mit der Pop Art in einer Leipziger Ausstellung, die ihm einen erneuten Impuls für die intensive Beschäftigung mit der Kunst gab. Er begann wieder zu malen, restaurierte Möbel und fand den Weg in den Verband Bildender Künstler der DDR. Zu dieser Zeit inspirierte ihn vor allem die Malerei von Philip Oeser, dem damaligen Leiter der Weimarer Restaurierungswerkstätten, dessen klare Haltung und künstlerische Konsequenz. Willy Wolff, der für Ulf Göpfert bis zuletzt ein "ganz moderner Künstler" war, vermittelte ihm besonders die Gedanken der Pop Art, das ungewohnt und radikal neue Herangehen an die Collage, aber auch die subtile Technik der Monotypie, die Göpfert auf eigene Art weiterent- wickelte.

Seit 1997 entstanden im Rahmen seiner von ihm bevorzugten seriellen Arbeit zahlreiche Acrylbilder unter dem Titel "Collage", die wie grafische Konstrukte wirken, besonders durch den Kontrast von Schwarz und Weiß und die Integration von leuchtenden Farben. Es entstehen ein collageartiger Bildeindruck und die Illusion von Tiefe und mehreren Ebenen. Das immer gleiche Format im Quadrat setzt sich als Folge fort, deren einzelne Arbeiten einen spezifischen Charakter haben. Die Binnenformen spielen mit den Möglichkeiten der Linie und schlaglichtig eingesetzten, versatzstückhaften Flächen. Zu neuesten Arbeiten, die in der Ausstellung zu sehen sind, zählen sechs breitformatige, stark farbige "Landschaften" mit der immer wiederkehrende Horizontlinie, die durch schwarze Flächen und in sie eingeschriebene Kreisformen unterbrochen werden.

Zwischen 2000 und 2006 schuf Ulf Göpfert konstruktive Acrylbilder, die von der Verspannung der Flächen und Überlagerungen von rechten Winkeln leben, der, anders als die organische Natur Produkt menschlicher Erfindung ist. Im gleichen Zeitraum arbeitete der Maler an seinen "Trichotomen" (zu Dt.: Dreiheit). Dabei korrespondieren das Weiß des Bildgrundes (für Geist) mit konstruktiven Formen (Schwarz für Körper, Leib) und amorph-organoiden Malschichten (Rot für Emotionen, Seele), ganz der geistigen Dialektik des ZEN-Buddhismus entsprechend, mit dem sich Göpfert schon lange Zeit intensiv beschäftigt. Dementsprechend strikt und konsequent ist seine Malerei, in der er gezielte Formen schafft, ohne zu ästhetisieren, sondern mit ihnen bildnerisch diszipliniert umzugehen. Einen gewissen Einfluss auf seine Handschrift hatte die chinesische Tuschemalerei und deren Integration von Kalligrafie mit ihrer nicht korrigierbaren Linie ("man muss den Anfang und das Ende des Pinselstriches kennen"). Ulf Göpferts Konstruktivismus ist geprägt durch Klarheit. "Auch Zufälle, die entstehen", sagt er, "sind Klarheiten". Damit steht er in der Reihe mit Julius Bissier und seiner von der Kalligrafie beeinflussten, sparsam-kürzelhaften Malerei. Auch die Beschäftigung mit der Anthroposophie hat ihn in seiner Arbeit bestätigt. Sie hat ihn gelehrt, dass Malerei eine Verantwortung ist, eine Geisteshaltung impliziert. Zwischen ZEN und Steiner entsteht so eine kreative Spannung, die den logischen Gedanken in Verbindung mit der Emotion herausfordert.

Bis 5. Oktober. "Spätlese". Weinbergkirche Pillnitz. Sa und So 13-17 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.09.2014

Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr