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Spätbibliothek in Dresden-Pieschen: Die Bücherei für Nachteulen

Spätbibliothek in Dresden-Pieschen: Die Bücherei für Nachteulen

Um abends schnell mal ein Bier zu holen, dafür gibt es in Dresden an vielen Ecken Spätshops. Pieschener gelüstet es anscheinend mehr noch nach literarischer Kost.

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Spannende soziale Abenteuer: Wenn Stefan Rosenkranz seine Nachtbibliothek auf der Oschatzer Straße aufschließt, weiß er nicht, was für ein Publikum ihn erwartet. Nur dass es lange geht, ist gewiss.

Quelle: Madeleine Arndt

Von Madeleine Arndt

Wie sonst lässt sich erklären, dass auf der Oschatzer Straße seit diesem Jahr eine Spätbibliothek betrieben wird? Es ist Freitag, um 18 Uhr. Stefan Rosenkranz schließt die Tür zum Ladenlokal auf. Der 29-Jährige ist bleich, seine Augen wirken übernächtigt, Haare und Kinnbart sind zerzaust. "Ja, es ging lange gestern", sagt er. Irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr morgens haben die letzten Gäste seine kuriose Bücherei verlassen. Doch von Schlafentzug lässt sich der Dresdner nicht die Laune verderben. Genau so hat er sich das Projekt Spätbibliothek vorgestellt, das eher ein Hobby als ein Geschäftsmodell ist.

"Die Bibliothek gab es vorher schon auf der Großenhainer Straße", so der gelernte Grafiker. Da aber die beiden Inhaber tagsüber arbeiten müssen, haben sie mit dem Umzug in das ehemalige Eiscafé auf der Oschatzer Straße Nummer 20 eine Bücherei für Nachteulen daraus gemacht. Mindestens dreimal in der Woche legen die Männer hier nach der Arbeit noch eine Nachtschicht ein. Einfach, weil es ihnen Spaß mache, erklärt Rosenkranz. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Benjamin Bellée verleiht er hier nicht nur ganz unkonventionell Belletristik, sondern holt auch alternative Kultur in Form von Lesungen und kleinen Konzerten nach Pieschen.

Wer möchte, kann sich sogar von Beellée auf der Gitarre unterrichten lassen oder sich einfach auf die rote Couch fläzen, sich unterhalten und dabei ein kühles Blondes trinken. Laut Rosenkranz hat sich alles spontan entwickelt. Es gibt kein ausgefeiltes Konzept, verneint der 29-Jährige. Mit den Besuchern kommt das Leben in den Laden. Sie machen jeden Abend zu einem neuen sozialen Abenteuer. Denn das Klientel ist bunt gemischt - mal Neustadtstudenten, mal Künstler, mal Langzeitarbeitslose. "Ich weiß nie, was mich in der Nacht erwartet", erzählt Rosenkranz.

Aber die Spätbibliothek ist nicht nur ein Treffpunkt zum Quatschen. Seit der Eröffnung Ende Januar wurden bereits 500 Bücher ausgeliehen. Die Ausleihe ist kostenlos. Wer will, kann für den Service etwas spenden. Nach einem Monat wird man per E-Mail an das Ende der Leihfrist erinnert. Die Auswahl an Literatur in der kleinen Umsonstbücherei kann sich sehen lassen. In den Regalen stapeln sich über 6000 Schmöker. Fast 20 000 Bücher hat Benjamin Bellée - ein echter Bücherwurm - noch eingelagert. Viel Lesestoff also für die lauen Abendstunden.

Spätbibliothek, Oschatzer Straße Nr. 20; Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags, freitags und an den Wochenenden ab 18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.08.2012

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