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Spät in den Juni - Seether überzeugten die, die sich in den kochenden Beatpol trauten

Spät in den Juni - Seether überzeugten die, die sich in den kochenden Beatpol trauten

Die Saison der Open-Air-Konzerte ist angebrochen. Dass die Zeit reif ist, merkt man spätestens, wenn man sich in die erste Kollektivsauna des Jahres begibt, wo man doch eigentlich eine Clubshow besuchen wollte.

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Warm, wärmer, Seether im Beatpol.

Quelle: Dietrich Flechtner

So an diesem Abend nach Pfingsten: Im Dresdner Westen tümmelten sich vorrangig Menschen, die die Dreißigermarke unlängst überwunden hatten. Während die transpirierenden Körper zusammen mit dem Bühnennebel einen obstrusen Geruch von Räucherkerzchen erzeugten und die nicht vorhandene Vorband abwarteten, stiegen die Erwartungen in die Höhe.

Denn keine anderen als Seether hatten sich angekündigt. Deren Bewerbungsmappe kann sich schon sehen lassen: Ein Nummer-Eins-Album in den US-Charts, der Song "Fake it", der zu Promozwecken für ein Wrestlingevent genutzt wurde, und natürlich "Broken". Die Ballade der gebürtigen Südafrikaner wurde für den Soundtrack der Comicverfilmung "Punisher" neu aufgenommen - zusammen mit Amy Lee von Evanescence. Heraus kam das Chamäleon der Band: Akustisch, elektronisch, als Duett - "Broken" lässt sich in jeder Körperhaltung und bei so gut wie jeder Temperatur performen.

Im Beatpol erklang der Song schon in der ersten Hälfte des Gigs, Drummer und zweiter Gitarrist machten Pause, während Sänger Shaun Morgan E-Gitarre und (nach zweieinhalb Jahrzehnten Bandgeschichte) immer noch robuster Säuselstimme lieferte. Bassist Dale Stewart sattelte um und gab die Akustik-Klampfe. Dessen Fähigkeiten (auch an den dicken Saiten) überzeugten auf der Bühne hervorstechend. Einzig bei den übertrieben vielen Sampleeinspielungen fiel die Band durch.

Sei's drum. Seether lieferten die Power-Pop-Balladen, die die Leute hören wollten, die zu Hochzeiten der Band noch die Schulbank drückten. Der Hype hatte Seether nie das ganz große Ding beschert. Bands wie Staind oder Puddle of Mudd hatten sich dort etabliert, wo die Altehrwürdigen der Grunge-Generation - also die, die ihren eigenen Zenit überlebt hatten - nicht bis heute das Feld dominieren. Pearl Jam, Bush und Co. waren eher da. Alles andere kam danach, auch Seether. Der ewig mickrige Vergleich von Kurt Cobain mit Seether-Frontmann Morgan hat auch nie jemanden wirklich überzeugt. Soviel Tiefgang steckt nicht in den Texten, noch weniger findet sich der dem Grunge unabdingbare Punk in den Songs. Stattdessen lieferte die erste Welle des marktkonformen Alternative Metal um die Jahrtausendwende einen Batzen verzerrter Popsongs, mit etwas Gekreische an den Stellen, wo es die Radiostationen in Kauf nehmen konnten (oder rausschnitten).

Als dann nach einer guten Stunde und "Remedy" das Drumset durch die Gegend getreten wurde und sich der seltsame Räucherkerzchenduft in latent beißenden Sportumkleidendunst verwandelt hatte, war klar: Auch für die Späten kommt einmal ein Ende.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2014

Ken Merten

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