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Sound of Bronkow Festival glänzte mit hochwertigem Line-up

Sound of Bronkow Festival glänzte mit hochwertigem Line-up

Das Wochenende ist vorbei, und der Kopf ist voll. Das Sound of Bronkow Festival (SOB) bot - zum fünften Mal - viel Kost aus der Folk-, Country- und der Singer-Songwriter-Sparte in familiärer Atmosphäre.

Die halbe Neustadt samt Kind und Kegel fand sich unter den Obstbäumen im Garten des Societaetstheaters zusammen und genoss die einzigartige, sphärische Stimmung, wenn Bands wie das Dresdner Electropop-Duo "Trains on Fire" oder der Songwriter "Hellopiedpiper" ihre Töne über die Köpfe der auf dem Rasen Sitzenden hinweg fliegen ließen. Das Publikum lauschte andächtig, ja geradezu ruhig, was vielleicht am furiosen Freitagabend lag, der unter anderem mit dem Projekt "Bad Braids" der US-Amerikanerin Megan Biscieglia und den SOB-Veteranen "Die Höchste Eisenbahn" bereits zum Festivalstart ein ausgesprochen interessantes Programm geboten hatte.

"Im Vorfeld weiß man eigentlich nie, ob das Booking, das man im Vorfeld betrieben hat, funktioniert. In diesem Jahr gab es nicht einen einzigen Ausfall. Jede Band hat ihre Nische gefunden und war qualitativ hochwertig", zieht Organisator Mario Cetti ein positives Resümee. Dem kann man nur zustimmen. Cetti und Lars Hiller von KF Records wie auch Ina Conradi vom Societaetstheater ist es gelungen, ein Paket zu schnüren, das dem offen und entdeckungsfreudigen Konzertbesucher gefallen muss. Und das, obwohl das SOB im luftleeren Booking-Raum zwischen der Festival- und Toursaison stattfindet.

Internationale Szenegrößen gab es auf jeden Fall zu Genüge. Einer der Höhepunkte: Der Auftritt von "Arc Iris" als Sonnabend-Headliner. Die Amerikanerin Jocie Adams (ehm. The Low Anthem) entführte im seltsamen hautengen Goldanzug die Zuschauer in ihre nicht minder merkwürdige Musikwelt irgendwo zwischen Americana, Folk, Jazz und Theatralik. Weitaus klassischer und zugänglicher gaben sich "The Slow Show" aus England, deren Frontmann Robert Goodwin mit rauer Stimme im klassischen Erzählstil à la Bob Dylan seine musikalischen Geschichten zum Besten gab.

Die Besucher hatten einerseits die Wahl beziehungsweise die Möglichkeit, den imaginären Cowboyhut aufzusetzen und sich an der Urwüchsigkeit von Bands mit klassischem Country-Einschlag - wie "Vena Portae" - zu erfreuen oder - wie bei "Lestat Vermon" alias Philipp Makolies aus Dresden, begleitet u.a. von Ludwig Bauer am Klavier - in samtweiche Gefühlswelten herabzusteigen. Interpreten wie "Me And Oceans" aus Leipzig vervollständigten das Genrekonglomerat mit feinen Synthie-Sound-Decken und der markanten Stimme von Fabian Schütze, bei dem sogar die Polonaise von Gottlieb Wendehals wie ein lange angekündigter Suizidversuch klingt.

Eine grandiose Show boten die der "Mumford & Sons"-Generation gut bekannten "Felice Brothers" aus New York, die trotz langer Anfahrt aus England - hier zeigt sich die Bookingproblematik - ihr Bestes gaben, um dem auffallend zurückhaltenden Publikum am Sonntagabend ein schönes Festival-Finale zu bereiten.

Dass die Gassenhauer, wie "Penn Station" oder "Run Chicken Run", nicht mitgegrölt wurden, mag wahrscheinlich an der altehrwürdigen Location gelegen haben. Die letzten beiden Gigs wurden - dank einer Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden - in der frisch sanierten Schlosskapelle abgehalten - eine absolute Premiere. Die Köpfe der Besucher, wie auch der Musiker, hingen immer wieder im Nacken und bestaunten die gemauerte Gewölbedecke, die im übrigen eine schöne Akustik mit sich bringt. Singer-Songwriter Thons Henley kam der Hall aus dem Raum sehr entgegen. Während sich der multiinstrumentale Sound der "Felice Brothers" teils überlagerte und matschig klang.

Was auf dem SOB im Vergleich zu anderen Festivals fehlt und auch nie angedacht war, ist ein Rahmenprogramm, das den Zuschauern Zerstreuung zwischen den teils anspruchsvollen Auftritten ermöglicht. In diesem Jahr konnten die Besucher immerhin kostenlos das Albertinum besuchen und ihren Ohren ein bisschen Ruhe gönnen. Alles darüber hinaus würde wahrscheinlich auch die Kapazitäten der Veranstalter sprengen. "Wir organisieren das Festival zu dritt und greifen auf eine eingeschworene Truppe von 10 bis 15 Helfern zurück, die in jedem Jahr ganz selbstverständlich mit anpacken", erklärt Mario Cetti und fügt hinzu, "natürlich überlegen wir immer, was wir im kommenden Jahr besser machen können, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt". Vielleicht wäre mehr Drumherum auch gar nicht gut und stört am Ende nur beim gemütlichen Weißweintrinken, Musikhören und In-die-Blätter-Starren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.09.2014

Hauke Heuer

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