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Sottisen und Songs - Premiere von "Bei uns kocht das Chaos!" im Dresdner Wechselbad

Sottisen und Songs - Premiere von "Bei uns kocht das Chaos!" im Dresdner Wechselbad

Die Deutschen und ihr Sauerkraut, das war mal eine ganz spezielle Verbindung. So innig, dass man Sauerkraut im Ausland für typisch deutsch hält, dass Hemingway in einem Brief Marlene Dietrich mit dem Kosewort "Kraut" bedachte, was von der Filmdiva während der hitzigen, kurzen Briefaffäre auch als liebevolle Schmeichelei empfunden wurde.

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Dietmar Burkhard, Rita Schrem, Brigitte Wähner und Thomas Müller garnieren Kochkunst mit Satire.

Quelle: Jens Kunze

Und so wird auch in dem Programm "Bei uns kocht das Chaos!", das im Theater Wechselbad der Gefühle Premiere hatte, dem Sauerkraut Referenz erwiesen: mit einer Sauerkraut-Polka, während Thomas Müller frank und frei bekennt: "Ich esse gern Sauerkraut." Der Titel des Abends lässt kurz den Gedanken aufkommen, es handele sich um eine weitere Koch-Show, eine Sache also, bei der wie bei Talkshows der Sättigungsgrad längst, bis zum Erbrechen eigentlich, erreicht ist. Nun wird zwar durchaus gerührt, geschlagen, geknetet und auch sonst alles getan, was beim Prozess des Kochens und Bratens unumgänglich ist, aber nicht nur. Es werden von Rita Schrem, Thomas Müller, Dietmar Burkhard und Brigitte Wähner auch Lieder aufgetischt, Gedichte serviert, kabarettistische Häppchen kredenzt.

Den Kochlöffel schwingen ohnehin andere: bei der Premiere taten dies die beiden französischen Profiköche Jean-Luc Bellon und Laurent Leblanc, die einiges an Slapstick beisteuerten, sonst Leute, die sich beworben haben: Mutter und Tochter, Freund und Kumpel... Wie zu erfahren war, ist die Resonanz auf den Suchaufruf sehr gut.

Die Paare dürfen sich an Tischen und Kochplatten austoben, während Schrem, Müller, Burkhard und Wähner Programm machen, die Kochkunst mit Liedern und Gedichten garnieren, die irgendwie ums Thema Essen und Trinken kreisen. Frei nach Grönemeyer wird - im Ruhrpott-Dialekt - ein Loblied auf die Currywurst angestimmt oder beklagt: "Alles, was ich habe, ist meine Küchenschabe". Viele der Lieder sind an sich bekannt, werden aber mal ironisch gebrochen, mal einfach umgetextet.

Udo Jürgens' Hit "Griechischer Wein" wird von Müller mit immer schwerer werdender Zunge gegrölt, Jürgen Harts bei gelernten DDR-Bürgern unvergessene Ode "Sing, mei Sachse, sing" lautet nun nicht nur zur Freude aller HO-Geschädigten im Saal "Koch, mei Sachse, koch", denn "wenn es lecker riecht, die Traurigkeit verfliecht". Nicht nur innerlich singt man mit, denn der Sachse dud nich gnietschen, der Sachse singt 'n Liedschen!

Dass hier jegliche Traurigkeit verfliegt, überhaupt nicht erst aufkommt, ist nicht nur den alsbald von den Herdplatten aufsteigenden Essensdünsten geschuldet, sondern auch den vortrefflichen Akteuren. Müller und Schrem setzen einen Tick mehr die Akzente, sind die Maîtres de Cuisine, was satirische Sottisen, Songs und Souffles im breiten Spektrum "zwischen Suppe und Sex", zwischen Saus und Braus angeht, aber Burkhard und Wähner tragen das Ihre zu einem runden Abend bei, sind mehr als nur Souschefs.

Burkhards Gedichte von Heinz Erhardt oder Eugen Roth möchte man ebenso wenig missen wie Wähners am Ende doch widerrufene Klage "Ach beweinet meine Not, meine Jungfernschaft ist tot" nach dem Hit der deutschen Mittelalter-Folkgruppe "Ougenweide".

nächste Vorstellungen: 5. und 25. Mai, jeweils 20 Uhr, Weitere Termine und Informationen zur Suche nach kochwütigen Paaren unter www.theater-wechselbad.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.05.2012

Christian Ruf

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