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Sophie Hunger ist noch keine 30 und hatte bei ihrem Auftritt im Beatpol Dresden trotzdem schon viel zu sagen

Sophie Hunger ist noch keine 30 und hatte bei ihrem Auftritt im Beatpol Dresden trotzdem schon viel zu sagen

Vor einer Weile überlegte eine Facebook-Gruppe, wer denn eigentlich die deutsche Madonna sei, so in Sachen Glamour und Verkaufszahlen. Es gäbe hier eigentlich keine, einigte man sich, außer vielleicht Sophie Hunger.

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Sophie Hungers ließ ihre rauchzarte Stimme im Beatpol hören.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dass Frau Hunger aus der Schweiz kommt und teilweise sogar in ihrer Heimatsprache singt, muss man bei dieser Entscheidung allerdings unterschlagen. Und die Überlegung, ob es wirklich eine deutsche Madonna braucht, vielleicht auch. Tatsache ist aber, dass es derzeit keine andere deutschsprachige Frau gibt, die es schafft, ihre Konzerte in großen Sälen fast überall vollzukriegen und bei einem recht heterogenen Publikum über ein gesamtes Konzert die Spannung aufrecht zu erhalten.

Der Beatpol ist voll, wirklich voll. Schon einen Tag vorher ist das Konzert ausverkauft. Sophie Hunger wollte man sich offensichtlich nicht entgehen lassen, man las doch so viel von der talentierten Schweizerin, die auf einigen namhaften Festivals Europas spielte. Das Publikum ist gut durchmischt, nur ganz junge Menschen sieht man fast keine, dafür ein paar Weißhaarige. Sophie Hunger springt wie ein junges Mädchen im ärmellosen schwarzen Kleid auf die Bühne und nach ein paar Liedern vom neuen Album "The Danger Of Light" (2012, Two Gentleman) - darunter der Album-Opener "Rererevolution" und das wunderbar leise inszenierte "Can You See Me?" - spricht sie zu dem Heer unter ihr. Sie habe sich seit dem letzten Konzert in Dresden im Jahr 2010 aufs Essen an diesem Ort gefreut, sonst gäbe es auf Tour nämlich eher "so Erdnüsse". Sie ist also satt und gut gelaunt und man möchte ihr sofort abkaufen, dass sie für ihr Dresdner Publikum besonders gut drauf ist.

Hungers rauchzarte Stimme steht im Mittelpunkt des Konzertes, das Blues, Jazz und ein ganz klein wenig Rock in den Pop einschleust, das Ganze lässig aufrührt und ihre Lieder über Politik und Liebe einhüllt. Zwischendrin unterhält sie unangestrengt, erzählt zum Beispiel von der Freiheitsstatue, die sich nicht bewegen kann, obwohl sie doch für Freiheit steht. Beim "Z'Lied vor Freiheitsstatue" stehen alle Musiker im Kreis beieinander, sie singen und flüstern im atmosphärischen Chor, nur in Begleitung eines minimalen Schlagzeugs. Meistens ist der Sound aber zum Mitwippen, hin und wieder kracht alles auseinander, dann wird auch mal atonal, was vorher brav im Takt blieb. "Das Neue" mit seinem fast volksliedhaften Refrain explodiert gegen Ende und Hunger klimpert dazu lautstark übers Klavier. Der Spannungsbogen wird auf- und immer wieder abgebaut, bis es nach drei Zugaben vorbei ist. Da hat Frau Hunger dann auch dieses französische Lied gesungen, "Le Vent Nous Portera", im Original von Noir Desir und von ihrem dritten Album "1983" (2010, Two Gentleman). In ihrer Version wird der digitale Beat zur analogen Begleitung, es wird langsamer und fast ein bisschen intensiver, was bei einem Noir Desir-Song eigentlich unmöglich ist.

So wendig wie die mehrsprachig aufgewachsene Musikerin, so multikulturell und -instrumental ist auch ihre Band, die zwar immer als Sophie Hunger-Band bezeichnet wird, aber viel mehr ist als ein Begleitkommando: Alexis Anérilles (Klavier, Hammond-Orgel, Flügelhorn, Trompete, Synthesizer), Sara Oswald (Cello), die sich die Stücke laut Hunger nebenbei auf der Tour beibrachte, Simon Gerber (Bass, Klarinette) und Alberto Malo (Schlagzeug). Sie tauschen öfter ihre Plätze und singen immer mal wieder mit. Die Songs klingen durchweg mindestens ein wenig anders als auf Platte, die älteren Stücke werden sowieso neu aufgeführt, auch das ist ein Grund, sich Hunger live anzusehen. Sie könnte bald wiederkommen. "Über einen weiteren Termin, möglichst noch in diesem Jahr, wird aktuell verhandelt", heißt es von Seiten des Beatpols.

Nach dem Konzert sind Gedanken an Madonna dann doch einigermaßen fern. Doch Sophie Hunger macht ja auch erst seit ein paar Jahren Musik, wer weiß, wo das noch hinführt. Vermutlich nicht in eine Welt, in der die Optik mehr zählt als das Produkt. Sophie Hunger wird in einem Monat 30 Jahre alt. In diesem Alter war Madonna allerdings auch noch "Like A Virgin" und ging auf ihren Weg den anderen voraus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.02.2013

Juliane Hanka

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