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Sophie Hunger begeistert im Alten Schlachthof

Sophie Hunger begeistert im Alten Schlachthof

Als Diplomatentochter hat man es so leicht nicht: Man wechselt von Bern nach London, Bonn oder Zürich, im Elternhaus hört man - passend dazu - Jazz bis Punk. Manchmal geht das richtig gut.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Als Diplomatentochter hat man es so leicht nicht: Man wechselt von Bern nach London, Bonn oder Zürich, im Elternhaus hört man - passend dazu - Jazz bis Punk. Manchmal geht das richtig gut: Sophie Hunger, Bernerin des Jahrganges 1983, heißt - glaubt man dem schwarmintelligenten Netzlexikon - eigentlich Emilie Jeanne-Sophie Welti. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn man sie auch als Emilie Welti kennt, als die sie, bis zur Reife von 23 Jahren, in den Bands Fisher und Superterz auftrat.

Dann bastelte sie - die neben Elektro- und Akustikgitarre auch Klavier und Mundharmonika beherrscht - sich zu Hause ein erstes Soloalbum, um im Eigenvertrieb zu starten, sorgte bei einigen Wettbewerben für Furore und ist seit acht Jahren ein echter Star, dessen Tourneen kaum Lücken im Abendlandkosmos aufweisen. Am Donnerstagabend bespielte sie auf Einladung des Beatpols den kleineren Saal des Alten Schlachthofs in Dresden und präsentierte ihre neue Scheibe namens "Supermoon", die seit Mai - so wie ihre ersten beiden Scheiben "Monday's Ghost" (2008) und "1983" (2010) - in den Schweizer Albumcharts bis an die Spitze stürmte, und in Deutschland immerhin als sechstbestes Album aller Künstler an der Kasse reüssiert.

Nun - begleitet von einem grandiosen Quartett erwachsener Musiker aus Paris, Gent und Lausanne, die neben der klassischen Bandaufstellung auch mit Trompete oder Klarinette umgehen können - bietet sie einen seltenen Ritt durch die Musikgenres, der selbst innerhalb eines Songs in keiner Schublade so lange verweilt, als dass man ihn dort einsperren könnte. Jazz, Folk, Rock oder auch Chanson - keine Kategorie wäre dem gerecht, was die begnadete Sängerin an Gitarre und Klavier fabriziert und zudem in eine sehenswerte Show packt, in der nie der Schein das Sein dominiert.

Nach rasenden 70 Minuten soll schon Schluss sein. Das Publikum widerspricht energisch und beklatscht den Appetit nach mehr. Und wieder zeigt Hunger, dass sie nicht einzuordnen ist - sie kann von der puren Lagerfeuervision über die Ballade bis zum hartrhythmischen Gitarrenduett einfach alles. Dazu eine fesselnde Stimme, die in Schweizer wie Hochdeutsch ebenso funktioniert wie auf Englisch oder Französisch.

En passant beherrscht sie alle Publikumsspielchen, ohne je nahezutreten oder gar trivial zu werden. Passend dazu: ausgefeilte Akustik im nicht einfachen Saal und eine Lichtshow, die taktgenau immer wieder mit klaren Bildern und Farben überrascht.

So spielt sie weiter und weiter, Zugabe um Zugabe, bis gegen elf - und kommt, so schwört sie, in zwei Jahren wieder. Vielleicht wieder mit dem wilden Barden namens Faber als Einheizer, der hier zuvor knapp eine Stunde nur mit kraftvoll-wütender Stimme, Gitarre, Grips und einem sensationellen Posaunisten überzeugt und auf Dialekt wie Dialektik einstimmte. Ein großer Abend, den der Beatpol den Dresdnern auf der anderen Elbseite bescherte.

Andreas Herrmann

von andreas herrmann

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