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Sonnabendabend: Zaz hat Spaß an Musikstunden französischer Art

Lautes Tanzen Sonnabendabend: Zaz hat Spaß an Musikstunden französischer Art

Esprit pur. So ließe sich ein Zaz-Abend am kürzesten beschreiben. Hinreichend gelingt das sowieso nicht, wie man am Sonnabend ab halb neun Uhr abends in der restlos ausverkauften Jungen Garde bestätigt sah. Denn die Französin hat ein ausgesprochenes Faible für Überraschungen entwickelt.

Französischer Charme, gesungen: Isabelle Geffroy aka Zaz.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Esprit pur. So ließe sich ein Zaz-Abend am kürzesten beschreiben.

Hinreichend gelingt das sowieso nicht, wie man am Sonnabend ab halb neun Uhr abends in der restlos ausverkauften Jungen Garde bestätigt sah. Denn die Französin hat ein ausgesprochenes Faible für Überraschungen entwickelt, das sich sowohl in leibhaftiger Interpretation als auch in Anordnung und Ausformung der Songs auslebt.

Dabei war die Konstellation just gleich jener vor drei Jahren und zehn Tagen bei ihrem Debüt hier: Dresden lockte an einem herrlichen Sommerabend mit einem Doppelpack an Frischluftfrauenmusik, wobei die jungen, schlauen und frankophilen es samt und sonders in und vor die Junge Garde zog.

Da galt Isabelle Geffroy, Tourserin des Jahrganges 1980, die sich später zur Erfüllung des Kindheitstraumes Zaz nennt, noch als Musiksensation, die vier Jahre zuvor mit dem Sieg beim Talentwettbewerb „Réservoir Generation“ richtig begann und per Erfolgssong „Je veux“ plus erstem Album namens „Zaz“ mit einem Dauerabo in den so genannten Verkaufscharts versehen wurde. Beides geschah in Symbiose mit dem Produzenten Kerredine Soltani und den Hitschreiber Raphaël Haroche.

Nun hätte man erwarten können, dass nun ein ruhigerer Rekurs auf das jüngste Studioalbum „Paris“, das mit Quincy Jones und John Clayton produziert wurde und im Dezember 2014 erschien, aber in Deutschland nicht so stark reflektiert wurde, erfolgt. Der kam zwar – zum Beispiel mittels „Paris Sera Toujours Paris“ –, aber dominierte nicht. Vielmehr gab es als Oktett, als Reminiszenz an das Livealbum „Sur la route“, einen Dreiklang aus dem Gesamtwerk, der mit raschen Genrewechseln weder die melancholische, noch die jazzige oder auch die rockige Seite überbetonte, aber vor allem in den urtümlichen Straßenmusikszenen oder in Chansons wie „Si“ für Begeisterung sorgt.

Die energetische Frontfrau, die sich mit einen weißbunten Kleid in Kittelschürzenoptik und blauen Stiefeln präsentierte und die manchmal lossteppt, als habe sie einen Choreographen engagiert, um drei Schritte später in einen anderen Stil zu verfallen oder sich im Kniehebelauf auszutoben, bemüht sich, allen Beschreibungen ihrer ungewöhnlichen Stimme auf einmal gerecht zu werden und verfällt hier des öfteren in Lachen, Küssen oder Schreien und betört das Publikum mit ihren Deutschkenntnissen in Form von klaren Befehlen wie „Lauter!“ oder „Tanzen!“ und ab und an einem simplen „Dankeschön“.

Mitten im Programm, nach dem gefeierten „Je veux“ und „La légende des colibris“ dann ein kurzes lokales Intermezzo: Die Künstlerin bittet Ingrid Blankenburg vom Dresdner Verein für soziale Integration von Ausländern und Aussiedlern auf die Bühne, die deren Arbeit kurz vorstellt, mehrfach geherzt wird und deren Mitstreiter darob am Ausgang per Pfandbecherspende im Wert von je einen Euro einsammeln dürfen. Beim vorherigen Konzert in Köln war das noch „Wir für Panz“, diese wie weitere Aktionen stehen unter dem Label „Zazimut“ und weist auch am Merch-Stand daraufhin, dass die Sängerin mit „Colibri“, einer von Pierre Rabhi gegründeten basisökologischen Bewegung, deren erklärtes Ziel mehr Humanität auf der Erde ist, aktiv sympathisiert.

Fünf Minuten Überschreitung der Zehn-Uhr-Schallgrenze im Großen Garten gönnte sich ehemalige Pariserin, die beim furiosen Finale nach der Édith-Piaf-Adaption „Sous le ciel de Paris“ in „On ira“ endet, wobei die Zugabe akustisch wie visuell den Kreis zum Start schloss, so dass allen das Ende sofort klar ward.

Ihnen bleibt ein gelungener Abend, dem aber ein wenig von der unverfrorenen Leichtigkeit jenes Dresden-Debüts vor drei Jahren fehlte. Dazu trug auch die Wahl der Vorband bei, denn während damals Felix Meyer grundsolide einstimmte, war der in Stimme und Aura blasse Auftritt von Lina Maly, die ihr passend betiteltes Album „Nur zu Besuch“ vorstellte, mit dem sie ab Ende August die deutsche Popwelt und am 28. November auch Dresden beglücken will, nur als größtmöglichen Vergleich deuten kann.

Nichtsdestotrotz verweilt dieser jetzt in ihrer Vita – und vielleicht gab es ja hinter der Bühne den kollegialen Hinweis, sich vorbeugend per Straßenmusik oder fünfstündiger Cabarettbegleitung abzuhärten. Wer die darauf fußende Klasse der erfolgreichsten Französin dieses Jahr noch live erleben will, kann dies noch von heute bis Mittwoch in Kiel, Hamburg oder Hannover an frischer Luft oder Anfang Oktober in Bogota, Buenos Aires oder Santiago tun. Näher liegt jedoch am 7. Dezember das Prager Forum Karlín oder am 14. Dezember die Leipziger Arena.

Zaz auf Sommertour in der Dresdner Junge Garde: Ihr reichen „Lauter“, „Tanzen“ und „Dankeschön“ für die musikalische Integration einer ausverkauften Tanzarena.

Von Andreas Herrmann

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