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Sonia Prina debütiert als Giulio Cesare an der Semperoper

Sonia Prina debütiert als Giulio Cesare an der Semperoper

"Darf es noch 'ne Leiche mehr sein?", lautete die Überschrift der DNN-Rezension im Dezember 2009 anlässlich der Premiere "Giulio Cesare in Egitto". In dieser Dresdner Erstaufführung der Oper von Georg Friedrich Händel wird nämlich geballert und gebombt, gemeuchelt, intrigiert, verführt, getrunken und geliebt, getanzt, gestorben und wieder auferstanden.

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Dominiert die Bühne und das Geschehen: Sonia Prina (vorn) als Giulio Cesare.

Quelle: Klaus Gigga

Seit Sonntag führt Julius Cäsar in Ägypten wieder seinen mitunter ganz schön lustigen Krieg. In der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog, in der Ausstattung von Matthis Neidhardt, erlebt man, wie der ruhmreiche und sagenhafte Feldherr in einem exotischen Land, seine Truppen tragen Kolonialistendress der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, dabei ist eine Weltmacht zu etablieren. Es gilt endlich aufzuräumen mit diesen langgewandeten Gotteskriegern und schwarz verhüllten Jungfrauen. Vielleicht konnte das Inszenierungsteam 2009 noch nicht ahnen, von welcher Brisanz dies wenige Jahre später sein würde.

Dennoch, das Lachen ist nicht verboten angesichts dieser rasanten Aufführung mit den bollywoodverdächtigen Choreografien von Ramses Sigl für grandios tanzende Römer und Ägypter samt frei und locker agierenden Mitgliedern des Chores der Staatsoper.

Nun wäre alle optische Kunst vergeblich, käme dazu nicht die das Klanges.

Und da lässt sich nur sagen, dass es nicht nachzuvollziehen ist, dass so viele Plätze frei blieben zur Wiederaufnahme dieses selten zu sehenden Werkes. Immerhin ist ein grandioses Ensemble zu erleben, bestens besetzt sind alle Partien. Eine international gefragte Spezialistin des barocken Gesanges ist die italienische Altistin Sonia Prina. Sie gibt in Dresden als Giulio Cesare ihr Debüt. Ihre Auftritte, ihre Arien, insbesondere wenn es dabei um regelrechte Kampfkoloraturen geht, ihr Spiel und ihr Gesang, das ist Frauenpower pur und somit kann sie diesen kleinen Mann mit seinen Weltmachtsfantasien mit vielen Facetten verführerischer Gefahren ausstatten. Dabei scheut sie starke Töne nicht und gibt sich turtelnder Verzückung hin, wenn die Eroberungsstrategie einer schönen Frau gilt. Das ist die nicht weniger sagenhafte und auch ganz und gar nicht weniger raffinierte Königin Cleopatra in bissigem Macht-Clinch mit ihrem Bruder Tolomeo. Ist die Partie der Ägypterkönigin eine dankbare Herausforderung für jede Sopranistin, deren Kunst des Koloraturgesanges weit über technische Ansprüche hinaus geht, so ist die ihres intriganten Bruders die Chance für einen Countertenor, mit Witz und Biss auch jene Töne zu erzeugen, die explosiv wie Waffen sind. Erstmals in diesen Partien in Dresden zu hören Elena Gorshunova und Matthew Shaw.

Sein erfreuliches Debüt in Dresden gibt auch der Countertenor James Laing mit der Partie des Nireno. Beglückend im Gesang und in gewitztem Spiel der "Hosenrolle" deutet die junge Altistin Tamara Gura zumindest an, dass sie vielleicht doch ganz gerne einen Rock unterm männlichen Mantel tragen würde. Sie ist der Sohn des ermordeten Pompeo, und als dessen Witwe Cornelia hat Christa Mayer die beklemmenden Facetten der ihr eigenen und geschätzten dunklen Töne berührender Emotionen. Wie sie, auch aus dem Dresdner Ensemble, in immer stärkerer Wahrnehmung, mit jugendlich gut geführtem Bariton, Tomislav Lucic als Curio. Aus dem jungen Ensemble der Semperoper sind Evan Huges und Robert Thiele als Achilla und Pompeo dabei, gesanglich und im Spiel sehr präsent.

Dazu der Klang der Staatskapelle, erweitert um etliche historische Instrumente, aber - und das ist so verblüffend - die Streicher und vor allem die Hörner, zwar korrespondierend mit Spieltechniken historischer Aufführungspraktiken, verleugnen dennoch ihren "Originalklang" nicht. Dem Dirigenten Alessandro De Marchi geht es nicht um den Effekt um jeden Preis. Er lässt viel Behutsamkeit walten. So bringt dieses zarte Musizieren noch eine ganz andere Ebene der Wahrnehmung, der Assoziationen zum Klingen, jene Klänge der Besonnenheit angesichts einer scheinbar verrückt gewordenen Kriegs- und Intrigenmaschinerie auf den Brettern, die in diesem Falle leider die Welt bedeuten.

nächste Aufführungen: 24., 28.2.; 2.3.

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.02.2015

Boris Gruhl

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