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Sonderkonzert in der Semperoper am Gründungstag der Staatskapelle

Klangkunst Sonderkonzert in der Semperoper am Gründungstag der Staatskapelle

Die Sächsische Staatskapelle erinnerte mit einem Sonderkonzert am Donnerstag an ihre Gründung 1548. Sie besann sich dabei auf frühere Wurzeln sowie die aktuelle Capell-Compositrice Sofia Gubaidulina, deren „Meditation über den Bach-Choral ‚Vor Deinen Thron tret‘ ich hiermit‘“ aufgeführt wurde.

Der Italiener Alessandro De Marchi – hier bei der Probe in der Semperoper – leitete das Sonderkonzert zum Gründungstag der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden. Die Sächsische Staatskapelle erinnerte mit einem Sonderkonzert am Donnerstag an ihre Gründung 1548. Sie besann sich dabei auf frühere Wurzeln sowie die aktuelle Capell-Compositrice Sofia Gubaidulina, deren „Meditation über den Bach-Choral ‚Vor Deinen Thron tret‘ ich hiermit‘“ aufgeführt wurde.

Der Abend begann mit Johann Sebastian Bach, der, trotz zahlreicher Bemühungen, kein Amt am Hof erhalten, immerhin aber den Titel eines „Königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Compositeur bey Dero Hof-Capelle“ verliehen bekommen hatte. Über Besuche und den (mutmaßlichen) Wettstreit mit Louis Marchand hinaus hat Bach auch andere musikalische Spuren an der Elbe hinterlassen. Die Staatskapelle folgte zum Auftakt des Bachfestes Dresden diesen mit der Orchestersuite BWV 1066, welche sie luftig, klar und mit großer Lebhaftigkeit zelebrierte. Dirigent Alessandro De Marchi zeigte sich als Feinzeichner, der Schattierungen abstufte, Akzente herauskitzelte und geschmeidige Übergänge schuf. Ganz ohne Anspruch auf „Originalklang“ spiegelte die Kapelle Bach ihren persönlichen, individuellen Klang wider.

Vom Widerspiegeln erzählt auch Sofia Gubaidulinas Werk „Meditation…“. Diesem liegt ein (fast) mathematisches, auf den Namen und die Buchstaben B-A-C-H aufbauende Schema zugrunde. Beständig werden Bezüge zwischen Themen und Instrumenten geschaffen, Gedanken reflektiert. Während sich Cembalo und Streichquintett erst gegenüberstehen, Wechsel zwischen Impuls und Gegenimpuls erfolgen, lässt Gubaidulina daraus schnell eine Gewebe wachsen, in dem jeder musikalische Partikel durch den vorhergehenden bedingt zu sein scheint. Dissonante Klänge sind darin verwoben und stellen keine Bruchstelle dar. Immer wieder zitiert die Komponisten den Choral und verbindet grundierende Elemente, Muster, Partikel und Liedmelodie. Einzig die elektronische Verstärkung des Cembalos am Ende, wodurch mit dramatischen Akkordschlägen ein dominierender Klang erzeugt wird, schien weder in bezug auf Bach noch den Choral zwingen schlüssig und wirkte – im Gegensatz zum übrigen Werk – künstlich.

Mit der Missa Nr. 18 d-Moll Johann Gottlieb Naumanns erinnerte die Staatskapelle an einen weiteren Kapellmeister der Vergangenheit. Peter Kopp (auch Cembalo und Orgel) hatte dafür sein Vocal Concert Dresden vorbereitet. Dass der Chor zu den ersten in der Region gehört, davon konnten sich die Zuhörer wieder einmal überzeugen. Mit hervorragender Verständlichkeit und hellem, geschmeidigen Klang betonte er den gediegenen, festlichen Charakter des Werkes. Der Schwerpunkt legte er auf die Verkündigung, das Vocal Concert formte mit Leichtigkeit Lichtklang ohne Blendwerk. Die Solisten Emily Dorn (Sopran), Christina Bock (Mezzosopran), Tenor (Filippo Adami) und Bassbariton (Evan Hughes) stimmten vor allem in den Duetten und im Wechsel mit dem Chor harmonisch überein.

Von Wolfram Quellmalz

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