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Sonderausstellung im Robert-Sterl-Haus in Naundorf zeigt Fotografien aus dem Nachlass des Malers

Sonderausstellung im Robert-Sterl-Haus in Naundorf zeigt Fotografien aus dem Nachlass des Malers

Man kennt Robert Sterl vorzugsweise als Maler; wenn man ihn überhaupt kennt, denn er zählt zu vergleichsweise unbekannten Impressionisten im Land. Aber wie etliche Künstler um die vorletzte Jahrhundertwende (erinnert sei an Eugène Durieus Fotografie einer sitzenden nackten Frau, die dann Delacroix als Entwurfsvorlage für ein Gemälde diente) betätigte sich Sterl (1867-1932) auch als Amateurfotograf.

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Fotografie von Robert Sterl: Landschaft mit Bäumen am Mittag, um 1903.

Quelle: Robert-Sterl-Haus

Auf einem Foto ist er samt entsprechendem Apparat zu sehen, auf einem anderen drückt seine Ehefrau auf den Auslöser. Sterls Amateurfotos spiegeln um 1903 den Motivschatz seiner Landschaftsgemälde. Ganz eigentümlich und wohl unabsichtlich - bedingt durch den Fehler der "verwackelten" Aufnahme - fängt ein erhaltener Originalabzug eine Mittagslandschaft stimmungsvoll ein.

Etliche (Privat-)Aufnahmen sind derzeit in der Sonderausstellung im Robert-Sterl-Haus in Naundorf zu sehen. Hintergrund: Für die im vergangenen Herbst im Dresdner Sandstein Verlag erschienenen Publikationen zu Robert Sterl - Werkverzeichnis und Biografie - war auch der fotografische Nachlass des Künstlers systematisch gesichtet und sortiert geworden, wie Andreas Quermann, der Leiter des Sterl-Hauses, den DNN erklärte. Dabei fanden sich etliche Gebrauchsfotos, aber auch Passbilder hatten sich erhalten. Und Exemplare einer "Carte de Visite", die um 1900 der bürgerlichen Selbstdarstellung dienten und heute vor allem in Japan noch einen hohen Stellenwert haben (es gilt als besonders grober Fauxpas, die Meishi/Visitenkarte in die Hosen- bzw. Gesäßtasche zu stecken), haben die Zeiten überdauert.

Im Sterl-Haus werden rund 50 Privatfotos präsentiert, die dokumentieren, wie Sterl sein Atelier im hessischen Wittgenborn bauen ließ. Andere Aufnahmen bezeugen Spaziergänge, Sommerausflüge und Strandurlaub mit seiner Ehefrau Helene, zeigen ihn aber auch als Kriegsmaler an der Westfront in Frankreich im Ersten Weltkrieg. Im Fokus steht nicht zuletzt das Gesicht Sterls: Porträt-Serien weisen minimale Variationen in Blickrichtung, Kopfneigung oder Bildausschnitt auf. Der Gestaltungswille hoch ambitionierter Fotografen brachte künstlerisch wertvolle Lichtbilder hervor. Neben diesen professionellen Studioaufnahmen seien, wie einer Mitteilung des Sterl-Hauses zu entnehmen ist, auch die privaten Amateurfotos "von besonderem Interesse", werde in ihnen doch das Altern des Künstlers "über die Jahrzehnte hinweg sichtbar": Paris besucht der junge Akademieabsolvent 1893 noch bartlos, vier Jahre später ist er kein Milchbubi mehr, ziert sein Gesicht bei Heirat ein dünner Oberlippenbart, der alsbald getreu dem altväterlichen Sprichwort "Der Bart ziert den Mann" voller wird. Etwa ab der Jahrhundertwende trägt Sterl schließlich seinen markanten Spitzbart.

Bei inszenierten Porträtsitzungen im Lichtbild-Atelier präsentieren sich Menschen vor der Kamera, wie sie gesehen werden wollen. Dabei vermischen sich gestalterische Entscheidungen des Fotografen mit der Selbstdarstellung des Abgelichteten. Der junge Sterl tritt um 1900 als tatkräftiger Jungkünstler mit hochgekrempelten Hemdsärmeln ans Zeichenpult. Ziemlich professoral wirkt er 1917 im bürgerlichen Maßanzug mit gesteiftem Hemd, Weste und Krawatte. Ehefrau Helene tritt - ganz selbstbewusste Dame - mit feinem Spitzenkragen, im Pelz oder mit aufwendigem Kopfputz vor die Linse. Ende der 1920er Jahre spürt der Betrachter in Sterls Gesicht und Haltung die körperliche Erschöpfung des gesundheitlich angeschlagenen Mannes, der gegen Ende seines Lebens auf ein reiches Schaffen zurückblicken kann.

Der Besucher der Ausstellung begegnet noch einem zweiten großen Porträtisten der Dresdner Kunstgeschichte: Der Porträtmaler ließ sich wiederholt von dem renommierten Porträtfotografen Hugo Erfurth (1874-1948) ablichten. Originalabzüge stammen aus Porträtsitzungen der Jahre 1908, 1912, 1917 und 1927. Das ist der Vorteil der Fotos von Erfurth: Sie tragen alle auf der Rückseite einen Prägestempel, so dass die Datierung klar ist. "Zudem ließ der Maler", wie Quermann mitteilt, "zahlreiche seiner eigenen Werke vor dem Verkauf noch rasch fotografisch dokumentieren". Manche Gemälde "kennen wir nur noch von Fotos, etwa das Bild ,Petri-Quartett', von dem wir nur wissen, dass es zuletzt in Privatbesitz einer Sammlung in Süddeutschland". Sterls bessere Hälfte Helene ist in drei verschiedenen Aufnahmen von Erfurth zugegen - einmal sogar zusammen mit "Fips", dem Hund des Ehepaars Sterl.

Nachdem nach der Sanierung 2010 rund 3000 Besucher im Sterl-Haus gezählt werden konnten, war der Andrang im vergangenen Jahr nicht ganz so groß, auch weil man nicht mehr ganz so häufig in den Medien und die Neugier auf das generalüberholte Atelier gestillt war. Rund 2500 Besucher schauten vorbei, wie Quermann mitteilt.

Bis 8. Juli. Do-So 10-17 Uhr, Tel. 035020/70216

www.robert-sterl-haus.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.06.2012

Christian Ruf

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