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Sommerausstellung der Galerie Klinger in Liegau-Augustusbad bei Dresden

Sommerausstellung der Galerie Klinger in Liegau-Augustusbad bei Dresden

Das "Sommerspektrum" der Galerie Klinger findet nun zum zweiten Mal zur schönsten Jahreszeit statt: Eine Idee, bei der mehrere Künstler, die von der Galerie vertreten werden, sich mit jeweils drei Arbeiten präsentieren.

Im Spektrum zeigen sich die Farben in einem harmonischen Nebeneinander. Diesmal sind es Handschriften von sechs Malern und Malerinnen aus Dresden, die sich hier dank des Galeristen Eberhard Klinger in einem besonderen Zusammenklang darbieten. Gleichzeitig gibt die Ausstellung zu erkennen, wie Stile und Auffassungen unterschiedlichster Art auf dem fruchtbaren Boden Dresdner Kunst gewachsen, Ferne und Nähe, Welt und Provinz gleichermaßen ideal einbezogen sind. Damit erweist sich die Galerie Klinger als Kunstort der Moderne und aufgeschlossenes Podium am "Rande mittendrin" für zeitgenössische Künstler, die sich am Großen und Ganzen orientieren, ihre lokalen Wurzeln aber nicht verleugnen wollen. Die Besonderheit dieser Ausstellung ist die Demonstration realistischer Wege, die Breite eines modernen Realismus, der Expressivität, des Surrealen, Symbolischen und Abstrakten in den klassischen Sujets wie Landschaft, Figur und Stillleben in sich vereint.

Der Maler Michael Freudenberg experimentierte zunächst mit Schwarz, Weiß und Grauwerten. Es entstanden große Bilder, die ihm langsam den Weg einer neuen Farbigkeit und Form eröffneten. Das Informel als spontane, auch gestische Malerei, nimmt den mit der Spachtel Hantierenden gefangen. Plötzlich weitet sich über die Farbe Grün die Form, mal als diaphane Flächen, fein gespachtelt, Farbe neben und übereinander. Schließlich gibt Freudenberg die Horizontale auf. Das Bild kreist und lagert diffus in sich selbst wie ein Fläche von aufgesetzten Lichtern. Rauschenberg, Francis Bacon, Pollock und die Postmoderne interessieren ihn. 1997 entwickelt er sein Konzept der "Aneignung und Weiterführung". Er sieht in Wien eine Ausstellung mit den letzten nahezu abstrakten Bildern von Monet, die der Greis vor der Natur gemalt hat: Michael Freudenberg kehrt diese Entwicklung für sich um und lässt eine neue Gegenständlichkeit zu, die er fiktiv anlegt. Darunter die abstrakt-assoziativen Landschaften in dieser Ausstellung mit Weite und fernen Horizonten.

Christine Schlegel kam im Jahr 2000 nach ihrem Fortgang nach Westberlin 1986 in ihre alte Heimat nach Dresden zurück und lebt in Hosterwitz. In ihre Ölbilder versteckt sie gern etwas von sich, einen Gedanken, ein konkretes Erlebnis, Erinnerungen. Das Bild wird zur eigenen Maske, in der sie sich immer wieder anders zeigt. Letztlich aber bestimmt das Bild, was auf ihm passiert und wie es sich fortsetzt. Die beiden Ölbilder der Ausstellung sind gespannt zwischen hier und dort, dem eigenen Garten, wo sie mit dem Hund auf einer Decke liegt, oder einer Scheune in der Provence, wo Lavendel getrocknet wird und eine dunkelbebrillte mondäne Person in einen Nebel aus Duft eingehüllt ist. Beide Bilder bergen ein Geheimnis; eine unbestimmte Fläche erweist sich auf ihnen als die Lösung.

Für Wolfgang Kühne ist die Landschaft ein lebendiger Körper. Dabei malt er nicht "nach der Natur" sondern "wie die Natur" (nach einem chinesischen Sprichwort). Skizzen und der Fotoapparat dienen ihm als Gedankenstützen. Die Arbeit im Atelier ist ihm genauso wichtig, weil dort das Erlebnis sich verwandelt und die Landschaft auf dem Blatt sich verändert bis sie fertig ist. Naturalismus im landläufigen Sinne ist für Kühne ein Ding der Unmöglichkeit. Als Maler bewegt er sich immer auf dem schmalen Grat zwischen Bildhaftem und Naturhaftem. Ähnlich ist es mit der Abstraktion. Sie ist nötig, ohne sie wird kein Bild. Oft schieben sich surreale Momente ins Bild. In seinen markanten Stilleben breitet er Dinge vor dem Betrachter aus. Fische, Meerestiere. Meist die kleinen Dinge vorn, im Hintergrund Landschaft, die Welt.

Konrad Maass kultiviert auch in den jüngsten Bildern einen Realismus, der leichte Abstraktionen aufweist. Seine Landschaften haben immer eine innere Dimension. In ihnen schwingt eine stille Idee, die aus dem Bild mehr macht als das Gegenständliche. Auch farblich haben sich die Arbeiten seit 2011 verändert: Helle, fast grelle Töne dominieren, sommerliche Ansichten von den Vulkanbergen Lanzarotes, aber auch Stillleben und eine Dorfstraße in gleißendem Licht, denen kubisch gebaute Formen eigen sind, die gelegentlich mit grauen Pappstücken ausstaffiert wurden. Alles ist streng und lichthell, wirkt nobel und durch ihre Vereinfachung delikat.

In den Arbeiten von Katharina Kretschmer wird die eigene Existenz Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung, aber auch die Lektüre von Weltliteratur. Ihre Kunst, angeregt vom Expressionismus, der Kollwitz und Barlach, widmet sich vor allem der Frau als Geliebte, Gebärerin und Mutter, aber auch den vielen Frauen und leidenschaftlich Liebenden, die in der Literatur Protagonisten sind. Die drei Farbholzschnitte, die durch eine intensive Maserung des Holzes auf sich aufmerksam machen, zeigen Liebespaare in enger Umschlingung oder beim Kuss in expressivem Gestus.

Die Malerin Ulla Andersson präsentiert drei Mischtechniken, die jüngst während eines achtwöchigen Arbeitsaufenthaltes im Ernst-Wilke-Atelier Bremerhafen entstanden. Ihr poetischer Realismus lebt durch Melodie und Klang von Farbe und Form in eigenwilliger Schlichtheit. Blau bemalte Boote liegen im Hafen wie Geschöpfe, in einem besonderen Meergrün eingefasst, mit weißen Segeln wie Flügel. Auf einem Abstecher nach Cuxhafen entdeckte sie das dortige Ringelnatz-Museum mit Ölbildern und Grafiken des Dichters der "Hafenkneipe". Die Assemblage mit einem dahingleitenden Boot und einer geschickt aufgesteckten Möwenfeder ist eine lyrische Verbeugung vor dem Meister.

bis Ende August. Galerie Klinger, Schönborner Straße 12, 01454 Radeberg. Kontakt: 03528/41 60 755, oder 0170 90 61 295. www.galerieklinger.de geöffnet: Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr.

Mit Bus Linie 308 bis Abzweig Schönborn, geschlossen vom 21. bis 23. August.

http://galerieklinger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.08.2013

Heinz Weißflog

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