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Solobassist der Dresdner Philharmonie ist Juror in den USA

Solobassist der Dresdner Philharmonie ist Juror in den USA

Tobias Glöckler, stellv. Solobassist der Dresdner Philharmonie und Lehrbeauftragter an der hiesigen Musikhochschule, ist mit den Solobassisten des Chicago Symphony und des Cleveland Orchestra sowie der New Yorker MET Juror beim diesjährigen Internationalen ISB-Wettbewerb in den USA.

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Tobias Glöckler

Quelle: PR

Die International Society of Bassists (ISB) wurde 1967 von Gary Karr gegründet. Mit ca. 3000 Mitgliedern in über 40 Ländern ist sie eine Organisation für alle, die Kontrabass spielen, studieren und unterrichten, reparieren und bauen oder einfach nur dieses Instrument lieben. Tobias Glöckler war 1993 selbst Preisträger des Wettbewerbs. DNN befragten ihn per Mail.

Was ist das für ein Wettbewerb, in dessen Jury Sie berufen wurden?

Tobias Glöckler: Es ist ein internationaler Kontrabass-Wettbewerb, der schon eine lange Tradition hat und alle zwei Jahre von der ISB an wechselnden Orten in den USA ausgerichtet wird. Dieses Mal findet er an der Colorado State University in Fort Collins/Denver statt.

Wer kann daran teilnehmen?

Der Wettbewerb ist international und prinzipiell für jeden Kontrabassisten/jede Kontrabassistin offen. Sinnvoll ist ein solcher Wettbewerb aber sicherlich nur für fortgeschrittene und überdurchschnittlich begabte Studenten bzw. Hochschulabsolventen, die sehr hohe Anforderungen erfüllen. Für Jugendliche findet zeitgleich ebenfalls einen Wettbewerb statt, den man vielleicht mit dem deutschen "Jugend musiziert" vergleichen könnte.

Worauf kommt es insbesondere bei diesem Wettbewerb an?

Der Wettbewerb findet in zwei Kategorien statt: Solo und Orchester. Der Solowettbewerb ist im Wesentlichen mit europäischen Wettbewerben vergleichbar, wobei die Teilnehmer bei der Auswahl des Repertoires vielleicht etwas freier sind als üblich. Die individuelle Zusammenstellung der Werke einschließlich des (im vorgegebenen Rahmen) gewählten Schwierigkeitsgrades, die stilistische Bandbreite etc. fließen dabei natürlich in die Bewertung ein. Der Orchesterwettbewerb ist dagegen stark an eine (amerikanische) Probespiel-Situation angelehnt. Neben Ausschnitten aus einer Bach-Cellosuite (!) und einem großen Konzert spielen die so genannten Orchesterstellen, also schwierige Passagen aus Sinfonien und Opern, eine wichtige Rolle. Diese wurden fast ausnahmslos auf einem extrem hohen Niveau dargeboten.

Wonach entscheiden Sie als Juror? Spielt dabei neben fachlichen Dingen auch eine emotionale Beurteilung der vorgestellten Leistungen eine Rolle?

Eine sehr gute technische Beherrschung des Instruments ist natürlich absolute Voraussetzung. Technisch perfekte Leistungen, die keine musikalische und emotionale Botschaft "rüber" bringen, keine Geschichte erzählen, langweilen mich. Deshalb spielt dieser Aspekt bei meiner Beurteilung eine wichtige Rolle.

Was, glauben Sie, bringt ein solcher Wettbewerb für die Teilnehmer?

Ich denke, dass die Herausforderung eines Wettbewerb jeden Teilnehmer in seiner persönlichen Entwicklung deutlich voranbringt. Dabei ist es weniger ein gewonnener Preis (schon rein statistisch kehrt die überwiegende Mehrheit ohne Preis zurück; hinzu kommen je nach Wettbewerb noch unterschiedliche Prämissen der Jury), sondern vielmehr die intensive Vorbereitung eines umfangreichen Repertoires, das zu einem feststehenden Termin möglichst perfekt abrufbereit sein muss. Für die wenigen Preisträger ist es natürlich außerordentlich motivierend, bei einem internationalen Wettbewerb einen Preis zu gewinnen.

Würden Sie jungen Nachwuchsmusikern zu vielen oder nur ausgewählten Teilnahmen raten?

Ein entsprechendes Leistungsniveau vorausgesetzt, empfehle ich meinen Studenten, zumindest einmal während des Studiums an einem großen Wettbewerb teilzunehmen. Ich würde allerdings davon abraten, den Studienablauf an den Repertoireanforderungen von Wettbewerben auszurichten. Eine systematische, an den persönlichen Stärken und Schwächen ausgerichtete Gestaltung des Studiums sollte in jedem Fall Vorrang haben. Etwas anders ist die Situation z.B. bei "Jugend musiziert", wo man die Werkauswahl relativ frei an den Entwicklungsstand der Schüler anpassen kann. Hier rate ich fast uneingeschränkt zur Teilnahme. So hat kürzlich Leopold Rucker, einer meiner Schüler am Sächsischen Landesgymnasium für Musik, beim Bundeswettbewerb in Hamburg einen 2. Preis gewonnen, mit der höchsten Punktzahl, die überhaupt an einen Bassisten vergeben wurde. Er will natürlich im nächsten Jahr wieder teilnehmen...

Gibt es allgemein zu viele Wettbewerbe? Wie sieht es bei den Kontrabassisten aus?

Für den Kontrabass gab es bisher eher wenige Wettbewerbe. Deren Anzahl hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ich denke aber nicht, dass es schon zu viele gibt. Wie die Situation bei anderen Instrumenten ist, kann ich nicht einschätzen.

Wo sehen Sie Unterschiede in der Ausbildung des musikalischen Nachwuchses zwischen Deutschland und den USA?

Mit meinen Jurykollegen, den Solobassisten des Chicago Symphony Orchestras, des Cleveland Orchestras und der New Yorker MET, kommt man natürlich in den Wertungspausen ins Gespräch. Sehr schnell geht es dann um die extrem hohen Studiengebühren (an den renommierten Universitäten mehrere zehntausend Dollar pro Jahr!), die manch einem begabten jungen Menschen das Studium nahezu unmöglich machen. Es gibt zwar diverse Stipendienprogramme, die die Studiengebühren teilweise bis zur vollen Höhe übernehmen. Das richtige Programm bzw. einen zahlungskräftigen Sponsor zu finden ist allerdings oft schwierig - teilweise helfen dabei sogar die Professoren mit. Andererseits kann man die Ausstattung der Universitäten nur als exzellent bezeichnen: So verfügt beispielsweise die Universität hier in Fort Collins allein über drei hervorragende Konzertsäle unterschiedlicher Größe, einer davon mit einer großen Orgel.

Gibt es inzwischen mehr Frauen für den Kontrabass?

Eindeutig. An der Dresdner Musikhochschule sind aktuell ca. 2/3 der Kontrabass-Studierenden weiblich, in meiner Klasse sogar 3/4. Die Entwicklung scheint ganz klar in diese Richtung zu gehen.

Noch eine Frage zu Dresden: Sie sind stellv. Solobassist der Dresdner Philharmonie, welche Erwartungen haben Sie an den neugebauten Konzertsaal im Kulturpalast?

Neben einer hervorragenden Akustik wünsche ich mir vor allem, dass die Zuhörer ein sehr unmittelbares "Live-Erlebnis" haben können: Die Musiker müssen sozusagen hautnah erlebbar sind (ein wunderbares Beispiel dafür ist die Kölner Philharmonie). Ich bin sicher, dass dieses "Dabei-sein", wie Musik entsteht, auch für ein jüngeres Publikum anziehend sein wird. Mit der Entscheidung für einen "Weinberg"-Konzertsaal in Dresden sind dafür sehr gute Voraussetzungen gegeben. Wie die perfekt berechnete Akustik dann real erfahrbar sein wird - sowohl im Saal als auch für uns Musiker auf der Bühne -, bleibt natürlich spannend bis zu Schluss...

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2015

Kerstin Leiße

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