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Societaetstheater plant die neue Saison bis zum Jahresende

Dem Scheitern verpflichtet Societaetstheater plant die neue Saison bis zum Jahresende

Scheitern ist das inhaltliche Thema der neuen Saison im Societaetstheater. Gleich mehrere Premieren können unter diesem Aspekt subsumiert werden. Doch die Gefahr des Scheiterns steht für das Haus selbst ganz greifbar im Raum, wobei es mal wieder ums Geld geht.

Tom Quaas schlüpft in „Moby D. – eine Männermelancholie“ in die Rolle des Ishmael, den einzigen Überlebenden in Hermann Melvilles Roman „Moby Dick“

Quelle: Juan León

Dresden. Scheitern ist das inhaltliche Thema der neuen Saison im Societaetstheater. Gleich mehrere Premieren können unter diesem Aspekt subsumiert werden: „Moby D. – eine Männermelancholie“ (8.9.) nach Hermann Melville, „Scheitern – aber richtig!“ (9.9.) der Regisseurin Amina Gusner, „Eldorado“ (7.10), die jüngste Produktion der Compagnie Freaks & Fremde, oder „Herr Jensen steigt aus“ (28.10.) nach Jakob Heins Roman. Doch die Gefahr des Scheiterns steht für das Haus selbst ganz greifbar im Raum, wobei es mal wieder ums Geld geht.

Deshalb, genauer gesagt, weil die Finanzierung der künstlerischen Arbeit von Seiten der Stadt noch nicht sichergestellt ist (aktuell wird der kommunale Haushaltsentwurf für 2017/2018 umfassend beraten), reichen die Pläne des Societaetstheaters erst einmal bis zum Jahresende. Sie beinhalten bis dahin immerhin acht Premieren, vier Festivals (darunter ab 19. September Off Europa: Sehnsucht Suomi, das sich Finnland widmet) und die Kooperation „Am Fluss“ mit dem Kunsthaus. Dazu gesellt sich die Reihe der Dienstagskonzerte, die nun auch schon ein Jahrzehnt lang besteht.

Mit Blick auf 2017 und die offene Finanzfrage sagt Andreas Nattermann, Geschäftsführer des Societaetstheaters: „Wir planen wie wild.“ Doch in seiner Funktion müsse er „seriös arbeiten“, fügt er an. Also hat er den Theatergruppen, mit denen bereits Arbeiten für 2017 vereinbart waren, reinen Wein eingeschenkt. Stand jetzt hat das Theater lediglich seinen Sockelbetrag von 721 500 Euro pro Jahr zugesichert bekommen. Davon gehen laut Nattermann rund 165 000 Euro für Miete, Nebenkosten und Wartung gleich wieder raus. Er beklagt, dass sich der Grundetat des Hauses einerseits seit 1999 nicht verändert habe. Andererseits stehe er alle zwei Jahre vor der selben Situation, einen Bedarf von 100 000 Euro für die künstlerische Arbeit zwar frühzeitig bei der Stadt angemeldet zu haben, ihn aber im Haushaltsentwurf nicht wiederzufinden (DNN berichteten).

„ Es gibt Handlungsbedarf“, sagt Nattermann und plädiert dafür, den besagten Sockel um 100 000 Euro jährlich anzuheben und ihn per Stadtratsbeschluss zu verstetigen, sprich für die Zukunft festzuschreiben. „Entweder wir machen hier im Haus in aller Bescheidenheit für die freie Szene weiter – oder die Aufgabe dieses Theaters müsste neu diskutiert werden.“ Er betont aber auch, dass er „keinen Konfrontationskurs mit der Stadt“ fahren oder gar eine Neiddebatte eröffnen wolle.

Die Aufgabe des Societaetstheaters ist es, freischaffenden Künstlern aus Dresden, der Region bis hin zu internationalen Gästen einen Raum für die darstellende Kunst zu geben. Dazu kommen Produktionszuschüsse von durchschnittlich 7500 Euro pro Stück. Dass das lohnende Investitionen sind, macht Nattermann an den Zahlen des vergangenen Jahres fest, als er Einnahmen von rund 275 000 Euro verbuchen und mehr als 25 000 Besucher begrüßen konnte.

Trotz der vorerst nur bis Jahresende dauernden Planung „gehen wir mit hoher Energie in die Spielzeit“, wie Nattermann es umschreibt. Eröffnet wird die neue Saison schon am Freitag, mit dem Auftakt zum immerhin siebenten Durchlauf des Festivals The Sound of Bronkow. Die Liste der teilnehmenden Bands ist in diesem Jahr sehr international. „Doch es bleibt ein Festival der ruhigeren Musik“, verspricht Mario Cetti, Mit-Chef bei K&F Records und Mit-Organisator bei Sound of Bronkow.

Heiki Ikkola von der Compagnie Freaks & Fremde erzählt nebenher noch ein wenig die Vorgeschichte seines „Eldorado“-Projekts. Er und seine Mitstreiter waren in Lateinamerika unterwegs. Dort findet sich in einigen Landesverfassungen wie in Ecuador oder Bolivien der Gedanke des buen vivir, des guten Lebens. Auch in Kolumbien oder Venezuela sei man teilweise auf diesem Pfad unterwegs, meint Ikkola. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine andere Auffassung zum Wirtschaftswachstum um jeden Preis oder ein gutes Leben für den Einzelnen, sondern um die soziale Eingebundenheit, das Berücksichtigen der Rechte der Natur, um so etwas wie solidarische Wirtschaft.

Ikkola machte sich auf die Suche danach und durchstreifte Kolumbien, wandelte auf den Spuren Manu Chaos. Der war 1993 zusammen mit einer großen Künstlergruppe mit 21 bunt bemalten Waggons durch Kolumbien gefahren, eineinhalb Monate rund 1000 Kilometer auf Schienen, die nicht mehr genutzt wurden, von Santa Marta nach Bogota. Chaos Vater Ramon schrieb als Chronik darüber das Buch „Ein Zug aus Eis und Feuer“.

Aus den Begegnungen, die Ikkola und seine Truppe machten, entstand „Eldorado“, das am 16.9. im Labor auf der Meschwitzstraße zu sehen ist, bevor es ins Soci kommt. Dort entsteht zwischen Januar und März 2017 eine Zwischenzeit, weil das Haus wegen Umbauten gesperrt sein wird. Eine Art Karenzzeit, die angesichts der unklaren Finanzen ein wenig wie Glück im Unglück wirkt.

www.societatstheater.de

Von Torsten Klaus

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