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Sleepy Sun aus San Francisco zeigten sich im Beatpol äußerst "aufgegangen"

Sleepy Sun aus San Francisco zeigten sich im Beatpol äußerst "aufgegangen"

Ob sie traurig waren, als Scott McKenzie, der Schmacht-Sänger von "San Francisco", jüngst gestorben ist? Gut, sie kennen die Hippie-Hymne unter Garantie, sichtlich bewegt waren jedoch wohl nur ihre Eltern vom Verlust.

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Oben ein Scheinwerfer-Mond, unten Sleepy Sun mit Frontmann Bret Constantino.

Quelle: Dietrich Flechtner

Auch die klar zu benennenden Einflüsse, die ältere Hörer aus der Musik von Sleepy Sun ziehen, sind vielleicht nur als Signale einer fernen Zeit geblieben - aus dem Radio, aus genervten Nachmittagen mit den Erzeugern, wenn sie unbedingt Platten hören wollten und es für den Nachwuchs das kleinere Übel war im Vergleich zum Spazierengehen im Park. Wer den schönen Kinofilm "The Music Never Stopped" gesehen hat, weiß, was gerade die Grateful Dead mit Vätern und Söhnen anrichten können.

Wir hören bei Sleepy Sun eben Grateful Dead und Black Sabbath und Pink Floyd zu Syd Barretts frü- hen Zeiten. Wir hören sie und spüren eine gewisse Attitüde. Wir erahnen die Einstellung bei der Arbeit, denn auch das muntere Quintett aus San Francisco lässt seit sieben Jahren die Songs von Platten (und Schubladen, wenn es unveröffentlichte sind) auf der Bühne frei laufen, öffnen die ohnehin lebendigen Arrangements noch einmal nach allen Seiten, was nicht nur Lauflänge bringt, sondern Spannung. Als Sleepy Sun noch Sängerin Rachel Williams dabei hatten, waren sie für die meisten natürlich auf Grace Slick und Jefferson Airplane fixiert. Jetzt, da Williams abhandengekommen ist - über die Gründe wird spe-kuliert -, ist das Feld automatisch weiter gesteckt und dennoch von Stützen wie "Psychedelics" umzäunt. Die Band wird lächeln darüber. Und die meisten der jungen Besucher im Beatpol taten's wohl auch. Bei künftigen Konzerten des jungen Fünfers muss unbedingt die Alt-Sektion der Rock'n'Roll-Fraktion aktiviert und animiert werden. Sie wird ihre helle Freude haben. Gemeinsam ist's sowieso schöner. Viel schöner.

Es war ein "Boat Trip". Dieser Song des dritten Sleepy-Sun-Albums "Spine Hits" trägt exemplarische Züge. Schöne "Ahhhhahaaah"-Chöre, der Leadsänger als charmanter Erzähler, trockene elektrische Saiten, ein wurmstichiger Bass, fein geformte Melodien, dann der Bruch. Alles scheint im gleißenden Licht zu flirren. Nichts von wegen schlafender Sonne. Sleepy Sun stellen Songs in die Songs, verschleppen Tempi, ziehen an, werden massiv, dann schlagartig wieder fein. Sie brechen Kanten durch wie Knäckebrot, werden plötzlich monströs. Zwei von Matt Holliman und Evan Reiss vorzüglich bediente E-Gitarren, die nun wirklich alles zeigen - vom guten alten Wah-Wah hin zu Feedback und Riff-Raff - sowie von Brian Tice vehement geschlagene Becken, Hi-Hats und Trommeln sind eindeutiges Fundament. Nichts auch gegen Basser Jack Allen! Sänger Bret Constantino lässt ein paar ordentlich dreckige Bluesharmonika-Tücher durchziehen, moduliert ein wenig an seiner Stimme, greift zur Akustischen und setzt Tupfer. Seine helle Stimme, die galant ins Heulig-Kratzige gleitet (und angenehm an I Am Kloot-Frontmann John Bramwell erinnert, wenn der endlich einmal aufs Technik-Bett verzichten würde), trägt wunderbar. Mit ihm bekommen Sleepy Sun eine neue Zukunft. Das war alles andere als logisch, gerade, wenn die Position einer charismatischen Sängerin plötzlich unbesetzt ist. Constantino hält die Truppe zusammen. Und sieht aus wie Christian Anders, als er Schaffner war im "Zug nach Nirgendwo".

Der kollektive Sound hat phasenweise suggestive Größe, und schon kommen einem wieder Bilder von LSD-geschwängerten Räumen in den Sinn. Auch darüber können Sleepy Sun wahrscheinlich nur grinsen. "Bring' deinen Sohn das nächste Mal mit und hör' auf zu wissen, fühl' lieber", scheint die Band zu rufen. Sich daran zu halten, kann nicht schaden.

Andreas Körner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2012

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