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Skulpturen und Zeichnungen von Konstanze Feindt Eissner in der Galerie Félix in Dresden

Skulpturen und Zeichnungen von Konstanze Feindt Eissner in der Galerie Félix in Dresden

Wächter und Dämonen, Entrückte, Schreitende und Tänzer sind ihre "Wesen"; Caballeros und Samurai, Menschen und Übermenschen. Figürliche Zeichen.

Psychogramme. Keine Porträts, doch genaueste Wiedergaben innerer Zustandsbilder. Bilder der Liebe verschiedener Art - zwischen Frau und Mann, im Kuss sich vergewissernd; behütend und wegweisend die der Mutter für das Kind; trost- und kraftsuchend beieinander sind die der Geschwister. Doch auch Bilder von Bedrängnis, Einsamkeit und Trauer zeigen die Arbeiten der Dresdner Bildhauerin und Zeichnerin Konstanze Feindt Eissner.

Während die Skulpturen in verhaltener Gestik weitgehend in geschlossenen Formen in sich ruhen und eine Relation zur Ewigkeit zu suchen scheinen, herrscht in den temperamentvollen, expressiven Zeichnungen der Augenblick. Spontan aus dem großen Schwung der Linien entwickeln die dynamischen Figurenskizzen ihre atemlose, die Flächen der Formate fast sprengenden Bewegungsspiele. Leidenschaftlich kontrastieren lineares und flächiges Rot und Schwarz, verstärkt durch sandfarbenes Changieren bienenwachsgetränkter Papiergründe. Bar jeglicher Staffage oder räumlicher Verortung behaupten sich diese geradezu ekstatischen visionären Figurengruppen der Zeichnungen neben den Skulpturen.

Diese halblebensgroßen Skulpturen, die abgesehen von ihrer dreidimensionalen Präsenz kaum durch ausgreifende Bewegungen in den Raum hineinwirken, tragen ihre Bewegtheit unter der Oberfläche, unter einer scheinbar weichen, pulsierenden Haut. Denn der unterschiedliche Härtegrad und die Sprödigkeit der verschiedenfarbigen Gesteine hindern die Bildhauerin nicht daran, ihre Figuren gleichermaßen voluminös gerundet und durchpulst von Lebensgefühl aus dem Stein zu entlassen. Stilisierung, Torsierung und nur bossierte Details verweigern die Vollendung eines harmonischen Naturabbildes.

Der harte, feinkörnige reinweiße Laaser Marmor idealisiert den "Kuss" und die geheimnisvolle "Frau mit Schatten" wie auch den "Hermes" (alle 2012). Doch Brüche und Kanten werfen Fragen auf. Durchwachsener in der Textur, von kräftiger Äderung durchzogen, wählte Konstanze Feindt Eissner roten ungarischen Marmor für einen "Knieenden" und für "Geschwister" (2009). Die Körper wirken von der Zeit geschunden. Neben glattpolierten Passagen durchfurchen grobbelassene Narben das Hautbild.

In einem schwarzen spanischen Marmor entstand eine "Hommage V. Nijinski" (2009/12), ein geschmeidiger, durchtrainierter Korpus mit einer in Schlusspositur geschlossenen Beinstellung. Auf Füße, Kopf und Arme verzichtet der Torso, doch deuten der leicht nach rechts geneigte Oberkörper und die angehobene Schulter eine elegant winkende, grüßende Armbewegung an. Eine hell aufgebrochene Äderung im Stein zieht sich wie die Spur einer einschneidenden Fessel quer über die Brust der Figur. Würdevoll, doch beklemmend wird so an das Schicksal des legendären Balletttänzers und Choreografen erinnert, der auf der Höhe seines Könnens einen Zusammenbruch erlitt und jahrzehntelang keine Kontakte mit der Öffentlichkeit mehr ertrug.

Eine Galerie muss nicht groß sein, um bemerkenswerte Ausstellungen zu präsentieren, das haben schon andere Kollegen, gerade am Dresdner Körnerplatz, bewiesen. Mit Félix hat sich dort nun ein globaler Blickwinkel etabliert. Bei Konstanze Feindt Eissner trat der Galeristin Lieselotte Rojas Sanoja dieser weltumspannende Gedanke völlig überraschend, in der Art traditioneller Loa-Puppen entgegen, die sie aus ihrer zeitweiligen südamerikanischen Wahlheimat gut kennt. Diese nehmen die Spur einer hybriden Religion auf, die sich durch Herkunft und Geschichte der Sklaverei in Westindien aus afrikanischen, katholischen, islamischen und nicht zuletzt indianischen Elementen entwickelte und heute weltweit verbreitet ist.

Ihr erster "Wächter", erzählte die Künstlerin, sei nach dem Eindruck einer Ausstellung über den Kult des Voodoo entstanden, die weiteren hätten sich dann verselbstständigt, durch die Lust am Augenzwinkern - wie sie es ausdrückt - und durch den Reiz des Unfassbaren.

bis 23. Dezember; Galerie Félix, Pillnitzer Landstraße 7; geöffnet: Di.-Fr.: 15-18 Uhr, Sa. u. So. 11-13 Uhr und nach Vereinbarung.

Am Sonnabend findet ab 11 Uhr in der Galerie im Beisein der Künstlerin die Buchpremiere ihres neuen Kataloges statt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.12.2012

Jördis Lademann

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