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Sklaverei, Arbeitsamt, Hinterbänkler: Krethi und Plethi in der Dresdner Herkuleskeule

Sklaverei, Arbeitsamt, Hinterbänkler: Krethi und Plethi in der Dresdner Herkuleskeule

Der Mensch an sich gibt gern mal einen guten Ratschlag. Wie etwa den folgenden: "Du willst doch nicht etwa nach Mallorca fahren, da sind doch Krethi und Plethi unterwegs!" Ein Vorurteil zwar, doch schon packt man die Koffer wieder aus, wer will schon zu Krethi und Plethi gezählt werden.

Dabei gingen die eigentlichen Krether und Plether einem durchaus ehrbaren Beruf nach, laut Überlieferung als Leibwache des Königs David.

In der Gegenwart aber werden Krethi und Plethi leider stets in einem Atemzug mit Hinz und Kunz genannt. Was wiederum eine krasse Degradierung bedeutet. Nun waren Krethi@Plethi zu Gast in der Dresdner Herkuleskeule; fälschlicherweise unter dem Oberbegriff "Pfeffermühle Leipzig" angekündigt. Dort treten Antje Poser (eine Erfurterin, Jahrgang 1976) und Marcus Ludwig (ein Leipziger, Jahrgang 1960) zwar regelmäßig auf, gehören aber nicht zum Ensemble. Auch der Programmuntertitel "Horizontales Gewerbe" ist in einem etwas anderen Kontext zu betrachten. Denn wer diesbezüglich erschöpfende Auskünfte erhofft hatte, der war gründlich auf dem Holzweg. Vielmehr wurde die die Vergangenheit durchstreift, bis zurück in die Sklaverei. Wobei die berechtigte Frage fiel: "Was war eigentlich so schlimm an der Sklaverei?" Mit der durchaus logischen Antwort: "Das war doch die letzte Form der Vollbeschäftigung!"

Um die Arbeit ging es recht oft im Programm von Krethi@Plethi. Beziehungsweise um die heute nicht mehr vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten. Fast jeder Arbeitssuchende hat da seine Erfahrungen, wenn er bei der Bewerbung auf dem Amt anstatt mit einem beratenden Mitarbeiter mit einem Computer sprechen muss. Der gibt zwar auch Ratschläge, weicht aber keinen Deut von seinen eingespeicherten Vorgaben ab, sodass der Arbeitssuchende über zahllose verbale Umwege letztendlich als "79-jähriger türkischer Müller" registriert wird. Doch wer soll so einen beschäftigen?

Oder die ausgebildete Zahntechnikerin, die eine neue Stellung sucht und gefragt wird: "Sind Sie gut im Bett?" Logisch, dass sie entrüstet reagiert. Doch davon ungerührt erklärt ihr der Berater: "Wir haben da 'ne Anfrage vom Bordell!" Sie lehnt natürlich ab - und landet als Werbeträger in einem überdimensionalen Handy versteckt in der Fußgängerzone. Dann gibt es noch jene Spezies, die meint, Sparen sei volkswirtschaftlich kontraproduktiv, und sich daher regelmäßig bis über beide Ohren verschuldet. Wolf-Dietrich und Gunilla gehören auch dazu. Beide leben nach der Devise "Ich will sozial absteigen, wie alle andern auch!"

Im zweiten Programmteil nähern sich Krethi@Plethi vorsichtig diversen politischen Themen. Da kreieren sie etwa einen "Hinterbänkler Blues", den sie all jenen Bundes- und Landtagsabgeordneten widmen, die - wenn überhaupt - nur als Stimmvieh gebraucht werden. Doch auch die streben natürlich vor allem persönlichen Wohlstand an. Aber Vorsicht, denn "- der Wohlstand, der hat Fallen". Kann man solche besser beschreiben als mit einer wunderbar swingenden Musik? Eine Musik, wie sie beispielsweise der "Mackie-Messer-Song" liefert. Etwas abgeändert im Originaltext resümieren Krethi@Plethi: "Die im Licht, die ham' die Kohle. Die im Dunkeln ham' sie nicht!" Womit sie durchaus den Nerv der Gegenwart treffen. W. Zimmermann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.07.2012

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