Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Singer/Songwriter Joseph Arthur kommt zu spätem Dresden-Debüt in der Scheune

Singer/Songwriter Joseph Arthur kommt zu spätem Dresden-Debüt in der Scheune

Vielleicht war es Joseph Arthurs bislang beste Entscheidung, nie wirklich Teil einer festen Band zu sein. Nicht einmal die exponierte Position des Frontmanns hätte ihm wohl gefallen, denn da musste er sich bislang noch nicht von den Kollegen lösen und eine wie auch immer kommentierte Solokarriere starten.

Voriger Artikel
Münchner Kunstfund: Dresdner Kunstsammlungen verlangen Einsicht
Nächster Artikel
Neuer Krimi der Dresdner Autorin Beate Baum erschienen - Lesung am Donnerstag in der Villa Augustin

Joseph Arthur

Quelle: René Bolduc

"Chris Martin verlässt Coldplay und spielt nur noch Ukulele" - nein, so etwas in der Art braucht Arthur nicht. Dafür konnte er in Ruhe und Gelassenheit eine Laufbahn gehen, die mit voller Konzentration auf das Wesentliche, also auf Songwriting und Privatleben ausgerichtet war. Und die Malerei. Vergleichsweise still und klein wurde er damit zu einem wirklich Großen.

Nicht, dass er eine unsoziale oder unkollegiale Ader hätte, aber der 42-Jährige aus Akron/Ohio wurde so in nun über 17 Jahren Karriere als eigenständiger Singer/Songwriter wahrgenommen, der es schafft, so wie es scheint, mühelos und vor kreativen Ideen nur so bebend, ein eigenes liederwuchtiges Universum zu bespielen. Erfüllend zunächst für ihn selbst. Doch wer nur drei oder vier seiner bislang neun Lang-CDs (über zehn nicht unbeträchtliche EPs kommen hinzu) besitzt oder hört, wird ebenso Erfüllung erfahren. Joseph Arthur ist feiner Akustiker, kerniger Rocker, Hymnen-Magier mit Stadionqualitäten, famoser Poet und furchtloser Crossover-Artist in einem.

Aktuell genügt die 2013er Doppel-CD "The Ballad Of Boogie Christ" - es ist sein vorläufiges Opus magnum, eine vorzügliche Plattensammlung, mit der Joseph Arthur nun sein spätes, aber noch immer rechtzeitiges Dresden-Debüt gibt. Das Plattendebüt ereilte Arthur 1996 mit "Big City Secrets" auf dem Label Real World, das von Peter Gabriel gegründet wurde, um talentierte Künstler weltumspannend zu vereinen. Bis heute kann man sich dort durch elf Website-Seiten voller Interpreten und Platten arbeiten und damit alle Kontinente berühren. Nicht nur, dass Gabriels eigene Platten längst auch auf Real World erscheinen, er und seine Multiplikatoren haben nie vor reinen Singer-Songwriter-Angeboten haltgemacht. Von Joseph Arthur und dessen inhaltlicher Tiefe war Gabriel schnell begeistert. Er ist es bis heute, denn nach vielen Jahren ließ er ihn wieder zu Real World zurückkehren. Auf einem Tribute-Album für Lady Di hatte Gabriel zudem "In The Sun" adaptiert, Arthur antwortete gerade für den Sampler "And I'll Scratch Yours" - die Revanche dereinst von Gabriel gecoverter Künstler - mit einer fiebrigen Version von "Shock The Monkey", eine der ersten Singles, die er als Bub gekauft hätte.

Weitere Referenzen gäbe es unzählige zu nennen. Allein die Studiobesetzung von "The Ballad Of Boogie Christ" spricht Bände: Jim Keltner ist dabei, Joan Wasser (nicht als Policewoman), Garth Hudson von The Band, Ben Harper (mit ihm und Dhani Harrison betreibt Arthur auch das temporäre Trio Fistful Of Mercy). Unschwer ließe sich Michael Stipes Bewunderung zitieren oder diejenige von Film- und Serienregisseuren, die Arthur-Songs in ihre Fernseh- und Kinostreifen brachten. Wirklich weiter bringt es den Zuhörer nicht, schon eher das nachweislich begnadete Vermögen Joseph Arthurs, dem großen uramerikanischen Songbuch eigene Seiten hinzuzufügen. Mit dem aktuellen CD-Doppel hätte er nie richtig zum Ende kommen können, sagt Arthur: "Es lag wie ein Albatross um meinen Hals. Ich weiß nicht, ob es einen wirklichen Anfang, ein Zentrum und ein Ende einer Geschichte gibt. Aber im Album sind definitiv Erfahrungen, Situationen und Perspektiven enthalten, die Richtungen vorgeben. Aber es gibt auch leere Seiten, die der Hörer selbst auffüllen kann."

Zugegeben, die leeren Seiten sind knapp, weil jede Menge großartig arrangierte Songs im Spannungsfeld von Groß-Pop bis Fragil-Folk dabei sind, irre Bilder, dichte Strukturen, Luft, Licht und Sonne - allen voran das atemberaubende und neu bearbeitete "I Miss The Zoo". Oder. Oder. Oder.

iJoseph Arthur, Support: Rene Lopez, heute, 21 Uhr, Scheune

Hör-Tipp: Joseph Arthurs vorletztes Doppelalbum "Redemption City" gibt es auf seiner Website www.josepharthur.com als kostenlosen Download

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.11.2013

Andreas Körner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr