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Silvesterreise nach Paris: Konzert der Philharmonie

Silvesterreise nach Paris: Konzert der Philharmonie

Nach Paris... zumindest musikalisch, warum eigentlich nicht? Und es war ein so schönes, in sich stimmiges Programm, was sich die Philharmoniker und ihr Chef Michael Sanderling ausgedacht hatten.

Auch wenn man der gängigen Wiener Walzerseligkeit den Rücken kehrte - ganz musste man auf den beliebten Tanz nicht verzichten. Ravels bitter-süße Huldigung auf diesen Rhythmus aus dem Jahre 1921 - zugleich ein Abgesang auf eine untergegangene Welt - "La Valse" stieg wie aus dem Nichts empor, steigerte sich in seine wirbelnde Kraft. Sanderlings ungeheuer inspirierendes Dirigat beflügelte sein Orchester dazu, die machtvolle Sogwirkung des Stückes voll auszukosten und auf das Publikum zu übertragen.

Der ungebrochen anhaltende Erfolg von Ravels berühmtester Komposition, dem Boléro, ist einer genau kalkulierten, raffinierten Mixtur aus Melodie, Rhythmus und Klang zu verdanken. Zwei ähnliche sechzehntaktige Melodien bilden das Grundgerüst des Ganzen. In bohrender Monotonie schreitet das Ganze voran, in immer neuen Klangfarben. Mit größter Disziplin hielt Sanderling das Tempo bei. Weder er noch seine Musiker ließen sich hinreißen, schneller zu werden. Man setzte auf Farbigkeit, Orchesterschmelz und variable Lautstärke - eine faszinierende Wiedergabe, die die Hörer in Atem hielt.

Im Übrigen entfalteten die Dresdner Philharmoniker einen duftigen, eleganten Orchesterklang, was vor allem für Offenbach gut war: die schwungvoll musizierte Ouvertüre zu "Pariser Leben" und die rhythmisch pointierte Schülerpolka. Zusammen mit Mitgliedern des Deutschen Fernsehballettes des MDR gab es zudem den zünftigen Cancan aus "Orpheus in der Unterwelt". Zarte Farbigkeit war der Interpretation des Walzers aus Gounods Oper "La Reine de Saba" ebenso eigen wie emphatische Steigerungen.

Die noch ganz junge Geigerin Irène Duval war die Solistin des Konzertes, zuerst in Milhauds clowneskem, schrägem Stück "Le Boeuf sur le toit" (Der Ochse auf dem Dach). Voller Charme und mit bestechendem Ausdruck vertiefte sie sich hernach in das von allen Geigern geliebte Glanzstück von Camille Saint-Saëns "Introduktion und Rondo capriccisoso" op. 28 - etwas zum Hinschmelzen und Genießen.

M. Hanns

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.01.2012

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