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Silly spielt Sorgenfresser und füllt den Alten Schlachthof

Rock für den Hausfrieden Silly spielt Sorgenfresser und füllt den Alten Schlachthof

Drei Jahre ist ein guter Rhythmus – und zehn Jahre fast schon ein Jubiläum. Die Ostkultband Silly erfand sich nämlich just 2006 neu, also genau eine Dekade nach dem dramatischen Frühableben der größten DDR-Rockröhre namens Tamara Danz.

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Silly mit Uwe Hassbecker und Anna Loos begeisterten im ausverkauften Alten Schlachthof.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Drei Jahre ist ein guter Rhythmus – und zehn Jahre fast schon ein Jubiläum. Die Ostkultband Silly erfand sich nämlich just 2006 neu, also genau eine Dekade nach dem dramatischen Frühableben der größten DDR-Rockröhre namens Tamara Danz. Damals – u.a. auf der Festung Königstein – gedachten die drei verbliebenen Altrocker ihrer Frontfrau und deren Vermächtnis. Bassist Jäcki Reznicek, nun schon seit 25 Jahren der Dresdner Musikschule als Bassprofessor treu, stiftete schon damals seinem Sohn Sebastian den Schlagzeugpart, während Uwe Hassbeckers Sohn Daniel das zweite Keyboard und das Cello übernahm – die Familie Silly – so hieß die Band beim Start 1978 – war wieder beisammen.

Silly im ausverkauften Alten Schlachthof

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Als eindrucksvollste Performerin entpuppte sich vor Ort Anna Loos und wurde zur neuen Frontfrau, die in den ersten vier Jahren die unvergessenen Titel der ersten 18 Jahre Bandgeschichte meist als waschechte Adaptionen darbot. Dann folgte mit „Alles rot“ die erste Scheibe der Neuzeit, auch die folgenden „Kopf an Kopf“ (2013) und „Wutfänger“ (2016) bestätigten die Richtigkeit der Reunion – zumindest am Markt, denn alle Scheiben landeten weit vorn. Spätestens seit der letzten Leipziger Aufstiegsfeier im Herrenfußballbereich genießen sie republikweit Heldenstatus, als sie in den Trikots der natürlich gewachsenen Erfolgsvereine aus dem Osten auftraten. Gleichzeitig hatten sie im Titelsong des neuen Albums, der auch „Sorgenfresser“ heißen könnte, Trost dabei, mit welchem sie jetzt den ausverkauften und rammelvollen Alten Schlachthof rockten. Diesen boten sie als ersten Titel eines fünfteiligen Akustiksets, nachdem sich das Publikum am eindrucksvollen Bühnenbild mit sechs sechseckigen und in sich beweglichen Leuchtmaschinen sattgesehen hatte und schön mitsang – zum Beispiel zu „Bataillon d’Amour“, vor genau dreißig Jahren auf Platz vier der DDR-Jahreshitparade, wie sich viele im Publikum lebhaft erinnerten.

Innerhalb des Sets, nur von Hassbecker, Recznicek und Ritchie Barton begleitet, offenbart sich das Dilemma, das Altfans mit der Neugründung verbinden: Die neuen Songs sind musikalisch und noch mehr textlich schon als Pop zu verorten. Sobald Anna Loos aber die Altsongs – hier vor allem „Mont Klamott“ und richtig grandios „Schlohweißer Tag“ zelebriert, ist die Gänsehaut der Wendezeit oder von Königstein wieder da – und die Erinnerung an Zeiten, als Musik noch gesellschaftliche Bedeutung hatte und die Band staatsnahe Aufläufe wie „Rock für den Frieden“, die heute anders heißen, möglichst mied. Angesichts heutiger Vermarktung – so von der verzichtbarsten UKW-Welle Mitteldeutschlands – fragt man sich dabei, ob Silly als junge Band heute nicht mit Untergrundstatus und dem Beatpol vorlieb nehmen müsste, während die folgende Generation in der Sparte Hausfriedensrock mit Silbermond hinreichend versorgt ist. Und es verbietet sich die innere Vermutung, wie und welche Loos-Songs Tamara im umgekehrten Fall geboten hätte.

Am 9. Juni 2017 ist in der Jungen Garde die nächste Dresdner Gelegenheit zur eigenen Verifikation.

Von Andreas Herrmann

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