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Silly in der proppevollen Jungen Garde in Dresden

Silly in der proppevollen Jungen Garde in Dresden

Vor sieben Jahren war es mitten im Sommer, als die drei Silly-Herren Uwe Hassbecker, Ritchie Barton und Jäcki Reznicek auf der Festung Königstein ein Gedenkkonzert zum 10. Todestag von Tamara Danz wagten.

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Anna Loos und Uwe Hassbecker.

Quelle: Patrick Johannsen

Dies geriet ganz zu Ehren der wichtigsten DDR-Rockröhre - Toni Krahl, Dirk Zöllner und IC Falkenberg gaben sich die Revival-Ehre und sangen Danz' relevanteste Songs, Anja Krabbe gab eine echte "Wilde Mathilde" - aber Schauspielerin Anna Loos geriet damals zur wirklichen Überraschung des Abends: Vom Gestus her absolut jugendfrisch und unverkrampft, ging sie mit den Songs (im Originalarrangement) um, als sei sie die legitime Alleinerbin und trieb selbst Altpuristen Gänsehautschauer über Rücken und Stirn.

Vor vier Jahren begann die neue Ära mit Anna Loos dann richtig, "Alles auf rot" hieß die neue Scheibe und ward zum gesamtdeutschen Erfolg, weil sich die Ostmarke stark und unverbrannt genug zeigte - und sich inzwischen auch in jeder westdeutschen Großstadt genug Leute zu ihrer Herkunft per musikalischer Sozialisation bekennen, so dass die Konzerte voll und stimmig werden. Nach 15-jähriger Livepause war Silly plötzlich wieder mittendrin im Geschäft, auch weil sie die gängigen Spielregeln akzeptierten. Und weil die Band sich ebenso unverkrampft von der alten, geistvollen Schwere, die jener DDR-End- plus BRD-Anschlusszeit innewohnte, löste.

Nun heißen neue Scheibe und Tour "Kopf an Kopf" und füllen große Hallen oder Konzertanlagen wie die Dresdner Junge Garde am Sonnabend restlos. Das Publikum ist hier eher im Alter der Silly-Altvorderen, Mittelklassewagen verstopfen zwei Kilometer rings herum die Parkstreifen, von manchem früherem Aufmüpf ist äußerlich nur der Ohrring stecken geblieben, langbärtige Lederrocker sind recht einsam.

Anna Loos, die es sich nicht nehmen lässt, das Dresdner Konzert zum Heimspiel zu erklären, die Schwiegermutter zu begrüßen und mit Jan Josef Liefers einen "Sohn dieser Stadt" zum Duett auf die Bühne zu bitten, fühlt sich sichtlich wohl als Frontfrau, tanzt und springt über die Bühne, animiert das Publikum zum Mitsingen (meist

"Ohohohoho") und Mitklatschen. Ersteres gelingt nicht immer, letzteres grenzt bei der einstigen Ballade "Mont Klamott" an Frevel. Dafür trägt Werner Karmas neues "Vaterland", denn Loos klingt immer gut, wenn sie tief und ernst bleibt.

Die Band setzt größtenteils auf neues Material, dreißig Minuten und sechs Titel Vorlauf dauert es bis zum "Paradies" von 1989. Der Verweis auf die Vorzeit wird gut mit einem stimmigen, quasi kammermusikalischen Quartett gelöst - drei Songs als Medley, das reicht. Nur Aufruhrsongs sind nicht dabei, ebenso wie die drei kritischen Stücke aus "Alles rot" im Set fehlen.

So gerät die erste Zugabe, eine abgefahrene Gitarrennummer ganz ohne Lyrik, bei der Sohn Daniel und Vater Uwe Hassbecker gemeinsam mit Jäcki Reznicek am Bass brillieren, zur musikalisch einprägsamsten Nummer.

Das klingt gigantisch, aber wie alles Neue nicht mehr nach Silly des 20. Jahrhunderts. Leute, die sich danach sehnen, sind hier falsch. Die Band der Neuzeit verkauft Popmusik - und dies besser und tiefgründiger als die Konkurrenz. So reichen, wie schon beim Neustart vor vier Jahren, genau einhundert Minuten Show inklusive dreier Zugaben. Es bleibt gute Unterhaltung (mit sehr guter Lichtshow) haften, die Ära nachhaltiger Messen Gleichgesinnter ist sowieso vorbei.

nächste Konzerte: 21. & 22. Juni in Leipzig (Parkbühne), 17. August in Berlin (Zitadelle)

www.silly.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.06.2013

Andreas Herrmann

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