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Silbermond begeistern als Quintett das rammelvolle Elbufer

Konzert Silbermond begeistern als Quintett das rammelvolle Elbufer

Im vergangenen Herbst erschien ihr aktuelles Studioalbum "Leichtes Gepäck". Jetzt waren die Bautzner von Silbermond auf der Bühne der Filmnächte am Elbufer zu Gast. Wir zeigen euch unsere Aufnahmen vom Konzert am Sonnabend.

Silbermond bei den Filmnächten

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Es war ein Heimspiel, was die Bautzener Band Silbermond am Elbufer zelebrierte: Dieses geriet schon so lange dermaßen ausverkauft, dass der Kartendealer an der kaputten Augustusbrücke selbst mit 33 Euro nicht wirklich erfolgreich ist, während sich auf den kargen braunen Elbwiesen Abertausende zum üblichen Lauschpicknick für die bevorstehende Silbermondlandung einfinden, um 140 Minuten positiven Powerpop in unterschiedlicher Klangqualität zu erleben.

Mit ihrem neuen Album "Leichtes Gepäck" stürmte die Gruppe Silbermond in diesem Jahr wiedereinmal die Charts. Am Sonnabend kamen die Bautzner mit den neuen Songs nach Dresden und hatten bei den Filmnächten am Elbufer ein echtes sächsisches Heimspiel.

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Drinnen im Filmufergelände gönnt sich die Band um Frontfrau Stefanie Kloß einen vorbandfreien Abend, der zehn nach halb neun beginnt und dafür die Zeit bis zur Schallschutzgrenze um elf Uhr genau ausreizt. Die zwölftausendköpfige Fangemeinde, die sich nicht übermäßig uniformiert per Klamotten deklariert, aber durch untypische Parkgewohnheiten im gesamten Umfeld auffällt, goutierte das und wurde dafür mit atemberaubenden Tempo und einer außergewöhnlichen Bühnenshow belohnt: Das Quartett, ergänzt um einen Keyboarder namens Till, hatte sich im Bühnenhintergrund sechs Aktivbildschirme im Hochformat aufgestellt, die all jenen, die ob der Dichte und Höhe des Publikums nichts sehen konnten, zumindest einen Videoabend bescherten.

Das gelang – oft farblich artifiziell verzerrt, aber auch als livehaftige Doku-Ebene in Schwarz-Weiß gehalten – recht eindrucksvoll. Die Spaziergänge und Tänzchen der ob der Kulisse sichtlich beeindruckten Sängerin oder der Gebrüder Stolle mit ihren Gitarren auf den weit auf den Platz führenden Laufsteg konnten sie hingegen nur erahnen, und auch die Textverständlichkeit war nicht überall gut.

Grundlage das Abends war das fünfte Soloalbum seit der Bandgründung 2002, die einst durch eine Rockerrentnermugge auf dem Kamenzer Hutberg und eine sächsische Privatradiotour plus als „harter Weg zum Ruhm“ deklarierter Umzug nach Berlin maßgeblich befördert wurde. „Leichtes Gepäck“ ist – ebenso wie der Vorgänger „Himmel auf“ – auf dem so genannten Markt nicht ganz so erfolgreich wie die drei ersten Scheiben, spricht aber, garniert mit einigen, teils melancholich-reflektierten Reprisensongs, für die Entwicklung als Band: Denn obwohl Silbermond die schmalen Pfade der Spielregeln im großen Musikbusiness als Bewegungshorizont ausreichen, machen sie doch ihr weitestgehend eigenes Ding – und bleiben eine aneinander gewachsene Combo statt ein gecastetes Projekt. So heißt der Betreiber der Silbermond-Homepage Jast GbR, vertreten durch Verschwende Deine Zeit GmbH.

Zwölf Jahre nach der Debütsingle „Mach’s Dir selbst“, wobei das dazugehörige Album „Verschwende Deine Zeit“ passenderweise 66 lange Wochen in den deutschen Charts blieb und dort bis auf Platz zwei stieg, sind eher ein respektabler Start. Zumal die kommenden beiden Scheiben das locker übertrafen. Dass sie dabei recht selten in harte Rockgefilde gleiten, ist ihrer offensiven Lebenshaltung geschuldet: Mutmachen statt Wutbürgen lautet die Devise, ergänzt um klare Statements, befreit von komplexen Zusammenhängen. So nimmt man Stefanie Kloß, gewissenhaftermaßen als Nena des Ostens, und ihren Gefährten durchaus jedes ihrer reichlichen Engagements zugunsten diverser Minderheiten oder der gebeutelten Lausitzer Heimat am südlichen Ende der B96 durchaus ebenso als authentisch ab wie viele die sanfte Radiotauglichkeit der Hymnen gut verdauen.

Der Unterschied zu Marteria – jenseits des in der Masse jeweils erstaunlichen Zuspruchs – lässt sich, jenseits der musikalischen Qualitäten, durchaus am Publikum festmachen: Heuer eine Zwei-Drittel-Mehrheit junger Damen, meist aus gepflegteren Bildungs- wie Verhaltensmilieu, vor einem Jahr eher die coolen schirmbemützten Herren aus der Vorstadtplatte, die die Pyroattacken auf der Bühne mit eigenen Bengalos beantworteten. Dies ging am Sonnabend nicht, denn es gab nur Höhenfeuerwerk – das aber doppelt. Dafür gab es blaue Luftballons bei „Indigo“, hinten am Finanz- und Kultusministerium von einer schick beleuchteten Drohne gefilmt – sicher beeindruckende Bilder als Vorschau. Denn für die schnellsten gibt es für den selben August-Sonnabend fürs gleiche Konzert an dieser Stelle noch Karten zu 43,25 Euro im Netz – bislang als einziger Termin im kommenden Jahr. Wer nicht so lange warten mag, hat nur zwei Chancen: Für den 2. September in Saarbrücken und den 17. September in einer westfälischen Tennishalle gibt es noch Karten.

Andreas Herrmann

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