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Sieben von uns: Die Prinzen begeistern in der Semperoper mit einem Querschnitt aus 25 Jahren Bandgeschichte

Sieben von uns: Die Prinzen begeistern in der Semperoper mit einem Querschnitt aus 25 Jahren Bandgeschichte

Es kommt wahrlich selten vor, dass Popmusikbands Konzerte in der Semperoper geben. Eines haben diejenigen, die das schaffen, jedoch mit den großen Stimmen der Oper gemein: Sie dürfen sich gut und gern zu Musikern erster Güte zählen.

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Die Prinzen: Jens Sembdner, Tobias Künzel, Sebastian Krumbiegel, Henri Schmidt und Wolfgang Lenk (v.l.). Noch dabei: Mathias Dietrich und Ali Zieme.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das gilt auch für Die 'Prinzen, die am Dienstag im Rahmen ihrer Theatertour Sempers Bühne rockten und den bis in den vierten Rang restlos ausverkaufen Saal gehörig zum Brodeln brachten. Dem Leipziger Thomanerchor entsprungen, sangen sie sich nach 1991 schnell als erste große "Ossi-Band" zu deutschlandweiten Erfolgen - und haben in fast 25 Jahren in gleicher Besetzung eine Reihe von Hits gesammelt, mit denen sie zweieinhalb Konzertstunden (und mehr) locker füllen können.

Aus den frechen Jungs von damals sind Männer geworden, die sich jedoch ihre kindliche Freude an der Musik bis heute bewahrt haben. An diesem Abend reihen sie sich spitzbübisch in die Liste großer Namen wie Weber, Wagner und Co. ein, kommen ausnahmsweise in Schlips und Sakko auf die Bühne "im schönsten Rock'n'Roll-Club der Welt" - und versäumen es nicht, der ewigen Rivalität der Städte Dresden und Leipzig Tribut zu zollen, auf Prinzenweise: nie bissig, immer herzlich ironisch, wenn sie etwa sagen: "Wir kommen ja aus einem Vorort von Dresden." Oder indem sie Jens Sembdner, den einzigen Kruzianer in der Band, kurzerhand zum großen Star des Konzerts krönen.

Der Großteil des Abends bleibt dennoch der Musik vorbehalten. Die Prinzen brauchen dabei weder eine Vorband, noch Zeit, um ihr Publikum warum zu kriegen. Besonders in den 45 Minuten vor der Pause erklingen alte Hits wie "Mann im Mond", "Mein Fahrrad" oder "Alles mit'm Mund" fast Schlag auf Schlag, abwechselnd mit Schlagzeug-, Gitarren- und Pianobegleitung. Die Auswahl ist klug und ausgewogen. Echte Fans wissen ohnehin längst, dass die Diskografie der Leipziger nicht nur spaßig-satirische, sondern auch viele nachdenkliche Texte zählt.

Mit Blick auf die Königsloge schöpfen die Prinzen hier sichtlich begeistert aus dem Vollen. "Ich könnte nur grinsen, wenn ich die Kulisse sehe", sagt Sebastian Krumbiegel. Er holt später sein Smartphone für ein Selfie hervor. Gewohnt leger in Hemd und T-Shirt steuern die Vollblutprofis mit dem adligen Namen nach der Pause schließlich zielsicher auf den Siedepunkt zu. Titel wie "Küssen verboten", "Ich wär so gerne Millionär" oder "Alles nur geklaut" gehören zu den Schlagern im Prinzen-Repertoire und bringen den Saal vollends zum Kochen, während bunte Scheinwerfer über die Ränge huschen.

Zwischendurch bleibt auch noch Zeit für einen kurzen Rückblick. Alle Prinzen kennen sich schon seit Kindertagen. Neben der grundsoliden Ausbildung im Thomanerchor - einige Bandmitglieder haben anschließend auch Musik studiert - ist diese frühe Verbindung vielleicht eine Erklärung für den Erfolg der sieben Musiker. Doch da ist noch etwas anderes: Ein Großteil des Publikums kann wohl ebenso wie die Band auf eine Kindheit und Jugend in der DDR zurückblicken. Herkunft verbindet. Und die Prinzen haben nie verhehlt, woher sie kommen. Beim Lied "Es war nicht alles schlecht" wird es dann plötzlich ganz still im Saal, wahrscheinlich erinnert sich mancher an die "heiße Mathelehrerin" oder "den ersten Ausflug auf eigenen vier Rädern". Als der letzte Ton verklungen ist, tobt der Applaus.

Neben dem Blick zurück gibt es jedoch auch ein Versprechen: Nach langer Pause erscheint im Mai dieses Jahres ein neues Album der Prinzen. Einen Vorgeschmack geben sie mit dem Titel "Regen". Ein nachdenkliches, trauriges Lied von einer zerbrochenen Liebe. Doch auch hier sind sich die Musiker treu geblieben. Ebenso nachdenklich wie amüsant ist die Geschichte von "Gabi und Klaus", der ersten Prinzensingle von 1991, die sie nun weiter gesponnen haben. Vielleicht ist es Zufall, dass der letzte Titel "Unspektakulär" heißt. Der Applaus aus den inzwischen in Parkett und Rängen stehenden Reihen beweist jedoch, dass dieser Abend alles andere als das war - für beide Seiten. Die Prinzen genießen es sichtlich, lassen sich erst betteln, dann mit zwei langen Nachspielen aber auch nicht lumpen. Adel verpflichtet eben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2015

Nicole Czerwinka

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