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Sie sind die Gewinner: Revolverheld nikolausten im Alten Schlachthof in Dresden

Sie sind die Gewinner: Revolverheld nikolausten im Alten Schlachthof in Dresden

Revolverheld sind scheinbar ein Mehrgenerationen-Ding. Im Schlachthof am Samstagabend jedenfalls fehlte kein Alter. Vom Kindergartenkind, dem Zehnjährigen, dem Teenie, dem Studenten über Mutti und Vati bis zur Großmutter, die Arm in Arm mit Großvater rührig in der Menge wippte.

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Revolverhelds Front und Stimme: Johannes Strate.

Quelle: Dietrich Flechtner

Mengenmäßig ging eh gar nichts mehr im Schlachthof. Berstend der große Saal - drängeln, um überhaupt reinzukommen.

Und zwei von den Allerkleinsten hatten gleich mal das Konzerterlebnis ihres Lebens: durften mit rauf auf die Bühne, wo die Hamburger Band Revolverheld neben einem goldstrahlenden Oh-Tannenbaum zur Akustik-Kuschelversion von "Spinner" zusammenhockte. Der sicher anrührendste Moment des Abends - erst recht, weil 2000 Leute vor der Bühne mitsingen: "Das geht raus an alle Spinner, denn sie sind die Gewinner, wir kennen keine Limits ab heute - und für immer."

Überhaupt ein wohlwollendes Dresdner Publikum für Johannes Strate (Gesang, Gitarre), Kristoffer Hünecke (Gitarre), Niels Grötsch (Gitarre), Jakob Sinn (Schlagzeug) und Chris Rodriguez (Bass). Eins, das zwischendrin auch mal ein paar Lieder nur rumsteht, mit hier und da einem Arm oben, und nach Lied-Ende trotzdem jubelt.

Die erste halbe Stunde schwatzten Strate und Hünecke sowieso fröhlich von der Bühne runter, schafften grad mal vier Lieder: "Immer in Bewegung", "Mein Leben ist super", "Ich werd die Welt verändern", "Bands deiner Jugend". Gesprächig überhaupt während der Show: etwa die Anekdote, vor neun Jahren zum ersten mal im Schlachthof gespielt zu haben, damals 20 Minuten vor Silbermond, und anschließend das Equipment allein zum Seiteneingang raus in die Autos schleppen. Das ist heute anders. Heute kommen alle nur wegen ihnen, und es kommen viele.

Revolverheld funktionieren gut, haben es irgendwie geschafft. Gewannen im September 2014 mit "Lass uns gehen" den Bundesvision Song Contest. Ein Rekordsieg soll es gewesen sein. 2008 schon sangen sie "Helden", den offiziellen Song der Deutschen Fußball Nationalmannschaft zur EM. Das vierte Album "Immer in Bewegung" (2013) verkaufte sich wieder mehr als 200 000 Mal. Ein Album als Neuland, Umschwung, Neubeginn könnte man vermuten, denn das Reibende, der Rock und der Rotz sind gewichen den geschmeidigen Pop-Gitarren und Texten, gegen die niemand was haben kann.

In "Generation Rock" (2005) rockten sie noch, schmissen mit Liedzeilen wie "Heut ist Revolverheld im Haus, es ist dein Glückstag, spring zum Beat, Babe! Beweg dein' Prachtarsch!". Mittlerweile sind es "Gehetzte Gesichter in der drängelnden Masse, jeder muss überall schnell sein" ("Lass uns gehen"). Plattitüden darf man so was nennen, leider auf dem letzten Album nicht gerade selten. "Sommer in Schweden" etwa, voller blutarmer Nostalgie-Strategie, mit dem sie den ehemaligen VW-Bus-Studenten vom Weißen Hirsch runterlocken wollen: "Als wir nachts mit den Kumpels ins Freibad einstiegen. Zigaretten und Rotwein zum Feuer am Strand. Die Platten von Papa hör'n und die Lieder der 70er singen beim Sonnenaufgang in der Hängematte liegen." Von Revolver ist da nichts geblieben.

Im Schlachthof brauchten sie auch keine. Bekamen nach Konzertmitte immer mehr Arme in der Luft, die Songs nahmen mehr Zeit in Anspruch als der Schwatz und Revolverheld hatten leichtes Spiel, die Menge mit "Ich lass für dich das Licht an" und "Halt dich an mir fest" dahinschmelzen zu lassen. Schließlich Endspurt mit "Darf ich bitten". Die erste Zugabe gesungen mitten im Publikum vom Mischerpodest aus. Dann "Lass uns gehen" mit der "Hamburg, Berlin oder Köln"-Ohrwurmzeile, "Scheiß auf Freunde bleiben" als finaler Mitsinger und - Nikolaus 2014 war für mindestens 2000 Dresdner ein guter Tag.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.12.2014

Robert Kaak

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