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Sibylle Leifer und Freunde stellen in Pulsnitz aus

Sibylle Leifer und Freunde stellen in Pulsnitz aus

Wie begeht man ein Künstlerjubiläum? Oft mit Ausstellungen. So handhabt es derzeit auch der Ernst Rietschel Kulturring - in der "ostsächsischen Kunsthalle" in Pulsnitz.

Bleibt noch die Frage, welches spezifische Geschenk man einem solchen Jubilar/einer solchen Jubilarin machen kann. Man kann Künstlerfreunde mittels ihrer Arbeiten versammeln. Im konkreten Fall sind es 18 an der Zahl mit mehr als 70 Werken, die ein malerisches, grafisches oder plastisches "Ständchen" bringen. Ihre Namen geben (bis auf Jüngere wie Christiane Latendorf) den Blick auf ein Stück versuchtes emanzipatorisches künstlerisches Leben der 1970er/80er Jahre in Dresden frei.

Die Hauptperson dieses aktuellen Zusammentreffens ist Sibylle Leifer (geb. 1943 in Krakau), die - seit 1965 verheiratet mit dem Maler Horst Leifer (1939-2002) - nach einer Fotografenlehre ihre frühe künstlerische Entwicklung weitgehend in Dresden vollzog, unter anderem während des Studiums an der Hochschule für Bildende Künste (1966-1972). In der Elbmetropole traf sie auf Kollegen wie Max Uhlig, Werner Wittig, Wolfgang Hänsch, Bärbel und Wolf-Eicke Kuntsche oder auch Gunter und Christiane Herrmann, um nur einige zu nennen. Allerdings drängte es die junge Künstlerin ebenso nach anderen Inspirationen, ging sie doch 1980 als Meisterschülerin an die Akademie der Künste zu Ludwig Engelhardt. In dieser Phase begann auch ein umfangreiches grafisches und illustratorisches Schaffen (u.a. "Sanzer Tagebuch"). Obendrein absolvierte sie einen Arbeitsaufenthalt bei Hedwig Bollhagen in Marwitz. Seit 1972 hatte die Familie außerdem in Sanz bei Greifswald einen zweiten Wohnsitz gefunden, der ab den frühen 1990er Jahren zum Hauptwohnsitz wurde. Verbindungen zu Dresden freilich existierten weiter. Manche/r reiste über all die Jahre nach Sanz, wobei es von da zu Niemeyer-Holstein nicht weit war.

Besonderes Zusammentreffen

Natürlich trifft man in der Schau nicht auf völlig Unbekanntes, auch keineswegs nur dem frühen Schaffen Zuzuordnendes. Gleichwohl ist es ein "Reigen" von Kunstwerken, wie man ihn gegenwärtig selten zu Gesicht bekommt. So reihen sich Max Uhligs charakteristische Handschrift und jene von Horst Leifer - nicht weniger charaktervoll in einer Mischung aus zeichnerischer, die Leinwand kaum bedeckender Pinselführung und malerischen Partien. Beider Schöpfungen verraten den durch keine politischen Maßnahmen zu verhindernden Blick auf die internationale Moderne von Pollock bis Giacometti, während die Position von Wolfgang Hänsch (u.a. "Treppenhaus", 2009) eine eher in sich zurückgezogene, auf die Dresdner Malkultur bezogene Haltung verkörpert.

Die zarten naturhaften Arbeiten von Gudrun Nützenadel wiederum sind in ihrer Art, ähnlich jenen von Uhlig, ohne Tachismus wohl nicht denkbar. Werner Wittig wiederum suchte mit seinen der Landschaft und der Natur gewidmeten Holzrissen einen eigenen, unverfänglichen Weg, der besonders in jüngerer Zeit in abstrahierten Landschaftsadaptionen, aber auch spielerischen Mischtechniken aus Grafik und Zeichnung mündet. Daneben Werke seiner Frau Ute Wittig - in der Malerei gewissermaßen eine Spätberufene, die gleichwohl ungemein Anziehendes hervorbringt wie das lapidare "Bad-Stillleben" (2004). Nicht weniger angezogen wird der Blick von aus der Ferne fast fotografisch wirkendem "Rotem Mohn auf blauem Grund" (2013). Der erweist sich als kunstvolle Collage von Christiane Herrmann, von der es noch zwei wundervolle Stickereien aus den 1990er Jahren zu bewundern gibt. Ähnlich filigran wirken (wie alle seine Bilder) die Landschaftsreservagen ihres Mannes Gunter Herrmann. "Beobachtet" wird die ganze "Szene" von "Katze(n) auf Küchenbrett" vom kürzlich verstorbenen Gottfried Reinhardt.

Ein zentraler Platz kommt in diesem Kunstreigen dem Menschen zu, so etwa in Bärbel Kuntsches eindringlichen Mischtechniken in Schwarz-Grau oder den großformatigen farbigen Blättern Claus Weidensdorfers, die Alltagsbeobachtungen, etwa "In der Straßenbahn" (1988), verarbeiteten. Jeweils auf ihre Art beeindruckend sind die zarten Zeichnungen von Christine Wahl sowie die surreal anmutenden, poesievoll-berührenden Radierungen von der im Vergleich zu den anderen Beteiligten wesentlich jüngeren Heike Wadewitz. Die Sehnsucht nach gedeihlichem Miteinanderauskommen auf allen Ebenen, Freundschaft, Mitmenschlichkeit und Liebe zeigt sich ebenso in der überaus phantasievollen, expressiven Malerei, so das geheimnisvolle "Gerufen" (2013), der mit Wadewitz etwa gleichaltrigen Christiane Latendorf.

Nicht zu übersehen sind Freundeswerke wie Peter Makolies' dem "Maler H. L." gewidmeter "Feldstein" (2002). Arbeiten wie diese knüpfen an die frühen, archaisch wirkenden Skulpturen wie "Großer Trauernder Mann" an. Wolf Eicke-Kuntsche, mit Werken öffentlich gegenwärtig auf Brühlscher Terrasse und Prager Straße, nannte 1968 eine schwarz getönte Mädchenfigur aus Holz "Prager Frühling". Damit ist eines der grundlegenden Konfliktfelder, das Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung, vieler der Künstler der Generation von Sibylle Leifer umrissen. Abgerundet wird die Schau mit Arbeiten des 2009 verstorbenen Lothar Sell, darunter ein unverwechselbares "Großes rotes Pferd mit Reiterin", sowie gebaute und geformte Keramik von Bärbel Schulz.

Expressive Bilder

Bleibt natürlich noch die Jubilarin! Sie zeigt sich mit 14 expressiven, mitunter an Holzschnitte erinnernden Bildern - teils inspiriert von antiken Stoffen, aber auch zwei keineswegs schönenden Selbstbildnissen. Die Farbigkeit zeichnet sich durch einen Vorrang von Grautönen aus, in die etwa kräftiges Rot einbricht, aber auch Weiß, Gelb, Grün. Schwarze Konturen betonen partiell die Formen. Als Dresdner fühlt man sich hin und wieder an die "Tänzer" Helge Leibergs oder Formen Rainer Zilles erinnert. Allerdings hat sich Sibylle Leifer mittlerweile weit über den Dresdner Kreis hinaus bewegt. Das antike Thema wiederum ist mehr als geeignet, Heutiges auszudrücken. Unübersehbar ist der Freiheitsdrang der Künstlerin, den sie mit Horst Leifer teilte und der einst, zu Rockauer Zeiten, die Staatsmacht der DDR auf den Plan rief.

Auch wenn es sicher schwierig ist, so viele unterschiedliche Handschriften in einer Schau zu zeigen, wirkt "Leifer und Freunde" gelungen. Die dahinter stehende Idee, Künstlergefährten zu vereinen, ist es allemal.

iBis 3. November, Ostsächsische Kunsthalle, Robert-Koch-Str. 12, Pulsnitz. Do., Fr., So. 14-17 Uhr Tel. 035955/4 42 46

parallel: Hubertus Giebe/Johannes Wüsten - Grafik, Galerie im Geburtshaus Ernst Rietschels, Rietschelstr. 16, noch bis 20. Oktober

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.10.2013

Lisa Werner-Art

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